Donnerstag, 9. Oktober 2014

Laubhüttenfest

Ketzerisch könnte man sagen, die Laubhütte - Sukka - ist das jüdische Äquivalent zum Weihnachtsbaum: Bereits Wochen vor dem Fest sieht man überall Verkaufsstände, in denen helle zeltartige Planen und die dazu passenden Gestelle zum Hüttenbau verkauft werden.

Traditionell muss mit dem Bau der Hütte direkt nach Ende des Fastens an Jom Kippur zumindest begonnen werden, und tatsächlich war in unserem ganzen Viertel an jenem Abend das Hämmern und Klopfen der Nachbarn zu hören. Unser Hauswirt Shimon hämmerte in seinem Garten bis tief in die Nacht und spannte seine ganze Familie ein, um eine Hütte zu errichten, die wahrscheinlich fast so groß wie unsere 3-Zimmer-Wohnung ist. Meine Freundin Chutzpi baut jedes Jahr eine ganz besonders schöne Sukka mit ihrer Familie, in der wir auch schon mal essen durften :)

Wir halten es etwas pragmatischer, auch weil ich es überhaupt nicht einsehe, extra ein Gestell zu kaufen, und begnügen uns mit einer etwas improvisierten Balkonhütte jenseits des religiösen Standards. In unserer früheren Wohnung hatte der Balkon praktische Sukka-Maße, für die der Gatte eines Jahres passende, sehr geschmackvolle, zeitlose Planen gekauft hatte (Foto). Hier ist der Balkon anders geschnitten, aber für unsere Zwecke reicht es.

Das Innere der Hütte haben auch wir geschmückt, erlaubt ist, was gefällt, wobei ich persönlich den über die Jahre angesammelten, in Schule und Kindergarten von unserem Mädchen selbstgebastelten Schmuck bevorzuge. Billigschmuck "made in China" gibt es natürlich ebenfalls überall zu kaufen und oft lässt das Label eindeutig erkennen, dass der Schmuck gemeinsam mit Christbaumdeko vom Band gelaufen ist *g*

Kurz vor dem Fest kaufen religiöse Juden die Arba'a Minim, bestehend aus einem Strauß aus Palm-, Myrten und Bachweidenzweigen (Lulav, Hadass und Arava) sowie einer besonderen Zitrusfrucht (Etrog). Diese werden während der sieben Tage des Laubhüttenfestes in der Synagoge in das Hallelgebet eingebunden. Die Arba'a Minim werden von Rabbinern vor dem Verkauf auf ihre Makellosigkeit überprüft und sind in der Regel zwischen den Gebeten in einem langen durchsichtigen Schutzetui verpackt. (Im Stadtbild sieht es vor Sukkot ein bisschen so aus, als würden plötzlich viele Leute geschlossene Regenschirme spazieren tragen.)

Ein sehr positives, augenzwinkernd traditionenbejahendes Video der Fountainheads gibt es auch zu diesem Fest:



(Booth (engl.) = Sukka/Laubhütte)


Wir hatten gestern Abend Freunde zum Essen in der Sukka, was absolut entspannt und nett war. Toller Nebeneffekt: Gerade als wir uns an den festlich gedeckten Tisch gesetzt hatten, gab es einen kurzen Regenschauer. Damit wäre auch dieser Tradition - "an Sukkot regnet es immer!" - Genüge getan :)

Frohes Fest ! חג שמח  






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Kommentare:

  1. Wunderbar hast du mir/uns wieder ein Stück des jüdischen Glaubens und der Kultur nähergebracht.
    Und dein Video verströmt so viel Lebensfreude und gute Laune.
    Ich liebe es durch dich so viel interessantes und für mich neues über Israel zu erfahren.
    Feiert schön und lG,
    Monika

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    1. immer wieder gerne :) vieles scheint mir schon total ausgekaut und "schon zig mal da gewesen", aber ich vergesse bei diesem gedankengang, dass ich die letzten 10 jahre meines lebens hauptsächlich mit leuten verbracht habe, die entweder in israel leben oder israel sehr gut kennen.. und dann kommen diese feste ja auch jedes jahr wieder, aber ich versuche trotzdem, immer wieder ein bisschen was neues aus diesen themen rauszuholen. sollen ja jedes jahr neue leser dazukommen, die das eine oder andere noch nicht gelesen haben.

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