Sonntag, 5. Oktober 2014

Ausgeklinkt oder: Jom Kippur am Toten Meer

Ich mache es jetzt mal Wikipedia nach: 

Der folgende Artikel bezieht sich auf Familie Fragmentes Wochenende am Toten Meer, das 2014 mit Jom Kippur zusammenfiel. Artikel darüber, wie dieser höchste jüdische (und in der Umsetzung für Außenstehende leicht kurios anmutende) Feiertag in Israel mehrheitlich begangen wird, lest ihr bitte hier, (2010) hier (2012) und hier (2013).

Wir haben dieses Jahr beschlossen, uns dem Jom Kippur-Treiben zu entziehen, und schon vor ein paar Wochen ein Bungalöwchen im Kibbutzhotel Ein Gedi am Toten Meer reserviert. (Da gab es diesen fantastischen Jom-Kippur-Sonderdeal...). Als am Vorabend unserer Reise dem Mädchen klar wurde, dass es heuer nicht mit den Klassenkameraden auf dem Fahrrad durch die Straßen unserer Stadt rasen können würde, gab es allerdings ein heftiges Drama, das wir letztlich nur dadurch abwenden konnten zu versprechen, dass das Fahrrad auch mit nach Ein Gedi darf. Ich hatte schon fast den Telefonhörer in der Hand, um unser Wochenende abzublasen, so heftig war der Ausbruch. Und das wäre wirklich schade drum gewesen, denn diese kaum 36 Stunden waren so perfekt, dass sie sich anfühlten, als wären wir eine Woche im Urlaub gewesen. Mindestens.

Am Freitag um die Mittagszeit ging es los. Die Route führte uns erst einmal hoch nach Jerusalem und dann von dort aus auf der A90 an Jericho vorbei etwa 400m unter den Meeresspiegel. An der letzten Oase, äh Autobahnraststätte, vor dem Toten Meer hielten wir noch mal kurz an und zogen uns jeder einen Cappuccino zum Mitnehmen.

Den aufgehübschten Kamelen am Straßenrand, mit denen sich Touristen so gerne fotografieren lassen,warfen wir nur einen mitleidigen Blick zu. Ein blödes Leben muss das sein, wenn man Tag für Tag im Staub stehen und sich für Geld knipsen lassen muss..

Nur wenig später hielten wir an, um ein erstes Foto vom Meer zu machen. Dieses intensive Blau! Auf der gegenüberliegenden Seite ist Jordanien. So nah und so unerreichbar.

Der erste Ausblick aufs Meer

Inzwischen war es etwa 13:00 und wir beinahe am Ende unserer Reise. Der Kibbutz Ein Gedi liegt direkt an einem gleichnamigen großen Naturschutzgebiet mit mehreren Quellen und einer reichen Tier- und Pflanzenwelt.

Auf Verdacht zwang ich die Familie dazu, kurz vor unserem eigentlichen Ziel zum Nachal David abzubiegen und zu sehen, ob wir dort noch einen kurzen Spaziergang machen können. Dieser Teil von Ein Gedi, den ich bei meinem ersten Israelaufenthalt das bisher erste und einzige Mal besucht hatte, ist unter Touristen und Israelis gleichermaßen beliebt und inzwischen sogar teilweise barrierefrei, was dazu führt, dass er in der Regel sehr überlaufen ist. Nicht so am Vorabend von Jom Kippur. Eine australische Pilgergruppe war gerade im Aufbruch, als wir ankamen und zwei bis drei israelische Familien kamen kurz nach uns. Ein so ungestörtes Wasserfallbad hat schon was, vor allem nach all dem Staub und der Hitze im Auto.

Zwischenstop am Ein Gedi Wasserfall - Nachal David

Klares kaltes Wasser

Baden unter dem Wasserfall wenn fast keiner zuschaut.

Libellen überall

Aussicht vom Wasserfall aus 


Vom Nachal David aus waren es nur noch 5 Minuten zum Hotel. Unser Bungalow entpuppte sich als Eckzimmer mit unverstelltem Blick aufs Tote Meer. Fast unverstellt, um genau zu sein. Irgendein höchst undekoratives Stromkabel zieht sich nämlich lästigerweise quer durch alle potenziellen Postkartenmotive. Oh well... 

Kaum angekommen sprangen wir direkt noch für ein Stündchen ins Schwimmbecken, bzw. ruhten uns an dessen Rand in der Abendsonne aus, danach gab es ein opulentes Abendessen. Antipasti, Salatbüffet, zig verschiedene Fisch und Fleischsorten, Couscous, Reis, Gemüse, selbstgebackenes Brot, Torten zum Nachtisch und Eis für die Kinder. Man möchte sich immer noch den Bauch vollschlagen, wenn man schon längst satt ist. 

An dieser Stelle die dringende Empfehlung von mir, Ein Gedi auf alle Fälle mit einzuplanen, solltet ihr jemals in Israel sein. Und nicht nur wegen des Essens. Dieser Ort ist insgesamt etwas ganz besonderes, die Ferienanlage liegt in einem liebevoll angelegten botanischen Garten, in dem auch Führungen angeboten werden und ein Promenadenweg bietet zu jeder Tageszeit einen atemberaubenden Blick über die Wüste und auf das Tote Meer. 

Früh am nächsten Morgen, die Sonne ist gerade über Jordanien aufgegangen

Am nächsten Morgen kriegte ich im Halbschlaf mit, wie der Gatte und das Mädchen den Bungalow verlassen. Der Sonnenaufgang sei zu beobachten, sonst könnte mein Mann seinem Vater, der von diesen Sonnenaufgängen schon immer schwärmt, nie mehr gegenüber treten. Ich drehte mich noch mal auf die andere Seite, aber der Schlaf ließ sich nicht so richtig festhalten. Aus dem Bett kam ich trotzdem noch nicht. Sicher nicht um 6:00 früh.

Eine Stunde später war die Stimmung über dem Meer noch immer zauberhaft, es glitzert wie Silber in der Morgensonne.

Blüten im botanischen Kibbutzgarten

Nach dem Frühstück machten wir uns zu einem weiteren Ausflug auf, diesmal ins Wadi Arugot, wo wir gute zwei Stunden an einem Wasserlauf entlang wanderten, von dem man nicht glauben mag, dass es ihn mitten in dieser kargen Wüstenlandschaft überhaupt gibt. 

Ebenso die Tierwelt: Vögel, Tiere und Schmetterlinge gibt es in diesem Naturschutzgebiet wohin man schaut. Wir haben Klippschliefer bei der Siesta beobachtet und sogar eine Herde Steinböcke gesehen. Auf den Fotos erkennt man sie nur leider nicht :)

Den spekatulärsten Wasserfall haben wir letztlich leider knapp verpasst. Wir hatten - Wüstenanfänger die wir sind - nicht die empfohlene Menge Wasser bei uns und wollten kein Risiko eingehen. Vor allem, weil es auch im Wadi Arugot an diesem Tag eher einsam war. Aber die anderen Becken und kleineren Wasserfälle waren auch erfrischend und spannend genug und wir hatten sie ganz für uns.

Die Farben der Wüste schaffen mich jedes Mal aufs Neue

Ausflug ins Wadi Arugot über heiße Felsen und durch trockenes Gestrüpp

und mittendrin ein Wasserlauf, der ganzjährig Süßwasser führt

Erfrischend bei dieser trockenen Hitze


Nach diesem Ausflug schafften wir es tatsächlich, uns alle zu einem klassischen Mittagsschläfchen hinzulegen. Später war trotzdem noch genug Zeit, noch mal in den Pool zu springen, bevor wir kurz nach Sonnenuntergang die Rückfahrt antreten mussten. Schweren Herzens.


Bye, bye Totes Meer. Bis zum nächsten Mal 


(Nein, gebadet haben wir im Toten Meer dieses Mal nicht. Da reißen wir uns alle nicht wirklich drum, mir mit meiner Neurodermitis würde der direkte Kontakt mit dem Wasser auch gar nicht gut tun und für kleine Kinder ist diese krasse Brühe ebenfalls nicht empfohlen. Im Toten Meer schweben ist meiner Meinung nach so ein Ding, das man einmal im Leben gemacht haben sollte, aber mehr auch nicht.)



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Kommentare:

  1. Tolle Bilder ! Hört sich wunderbar entspannt an!
    Dumme Frage: gibt es in Ein Gedi nur diesen einen Wasserfall oder mehrere?

    Hab nämlich meiner Mutter gerade ein Poster von diesem(?) Wasserfall geschenkt

    lg
    Steph

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    1. Es gibt zwei große, aber der vor dem K im Becken sitzt ist der bekannteste. Daher vermute ich mal, dass der auch auf dem Poster ist. Steht ein Name auf dem Poster?

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    2. habs wieder gefunden
      * Shulamit Sturz in En Gedi Reserve *

      Steph

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    3. Genau so heißt er, also der oben im Bild mit K im Becken :) Grüße in die Heimat!

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  2. Hihi, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich dich als Photografin engagiert ;)
    deine Bilder sind so toll !!!

    Steph

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    1. *rotwerd* Danke! Wenn du mal wieder ein Israelmotiv brauchen solltest, melde dich einfach :)

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