Montag, 25. August 2014

Schulanfang auf Israelisch

Wir sind noch nicht wieder aus dem Urlaub zurück, als mich ein Brief der Rektorin zum Schulanfang erreicht. In unserer Stadt soll die Schule wie geplant am 1. September beginnen, die Raketenalarme halten sich bei uns Gott sei Dank nach wie vor in Grenzen. Dennoch ist auch unser Infobrief voller Details, die "die Situation" hier betreffen.
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Auszüge:
* Die Schutzräume unserer Schule sind bereit und für alle Eventualitäten gerüstet. (Wasser, Tragbahre, Radioreceiver, etc.)
* In den ersten Schultagen werden wir Übungen machen, wie die Schutzräume während des Unterrichts und in den Pausen aufzusuchen sind.
* Wir werden die Kinder darüber aufklären, wie sie sich im Fall eines Alarms zu verhalten haben. Wir haben 90 Sekunden Zeit, den zugewiesenen Schutzraum aufzusuchen. Kinder, die nicht bei ihrer Klasse sind, werden angewiesen, in den nächsten Schutzraum zu rennen.
* Klassenräume, die gleichzeitig als Schutzraum fungieren, werden umgestaltet, um im Ernstfall mehr Kinder aufnehmen zu können.
* Zum Schulanfang werden wir mit den Kindern über die Situation sprechen und Aktivitäten zur Beruhigung, Spannungslösung und Äußerung von Emotionen durchführen.
* Falls ihr bei eurem Kind Anzeichen von Stress oder Angst bemerkt, gebt uns bitte Bescheid, damit wir entsprechend reagieren und darauf eingehen können.
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Irgendwie ist es ja beruhigend, dass sie sich über alles so detailliert Gedanken gemacht haben, aber unmittelbar nach der totalen europäischen Normalität ist es schon auch ein ziemlich mistiger Kontrast. Dabei war ich ganz sicher, der Krieg ist bis zu unserer Rückkehr längst vorbei. So kann man sich täuschen. Seufz.


Kommentare:

  1. Absolut frappierend finde ich ja den letzten Satz: "Falls ihr bei eurem Kind Anzeichen von Stress oder Angst bemerkt, gebt uns bitte Bescheid, damit wir entsprechend reagieren und darauf eingehen können." Ich bekomme schon Schnappatmung beim Lesen dieser Anweisungen. Kriegt ihr das wirklich so entspannt hin, dass die Kinder nicht alle völlig verängstigt sind, wenn ein Alarm losgeht? Respekt! Meine Güte! (Und ich habe auch gedacht, der Krieg ist ganz schnell vorbei, auf jeden Fall, bevor ihr wieder heimreist!!! Oder jedenfalls jetzt.ganz.bald. #knuddel)

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  2. "Kriegt ihr das wirklich so entspannt hin, dass die Kinder nicht alle völlig verängstigt sind, wenn ein Alarm losgeht?"

    Entspannt überhaupt nicht. Aber man integriert es halt notgedrungen in den Alltag. Im Süden ist es heftiger. Eine Freundin von mir überlegt aktuell, kurzfristig umzuziehen, falls in ihrer Gegend die Schulen nicht wie geplant nächste Woche starten können. Das ist schon übel, finde ich.

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  3. Man kriegt es nicht wirklich entspannt hin i Ernstfall, aber es ist durch die wich staendig wiederholenden Uebungen (bei uns in der Schule mindestens einmal pro Monat) soweit automatisiert, dass die Kinder nicht in Panik ausbrechen, wenn die Sirene heult. Ich lebe im Sueden (will aber nicht umziehen)
    Chutzpi von http://chutzpi.wordpress.com/

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    1. Ja, sowas dachte ich mir. Uff. Ich denk ganz feste an euch.

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  4. und plötzlich ist ein bisschen Frieden. Genau rechtzeitig zum Schulanfang :)

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