Sonntag, 3. August 2014

Samstagskaffee verspätet

Meinen Samstagskaffee habe ich diese Woche in der Heimat eingenommen. Seit Donnerstag sind wir bei meiner Schwester nahe Frankfurt, später geht es weiter zu meinen Eltern. 

Die letzten Tage waren schön entspannt, unsere Kinder verstanden sich mit kurzen Aussetzern blendend, erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie doch einige Jahre auseinander sind, sich sehr selten sehen und auch noch eine kleine Sprachbarriere überwinden müssen. Ihr unbeschwertes selbstständiges Spiel mit Autos, Straßen, Schnecken, Käfern und Meerjungfrauen war sehr toll zu beobachten. 

Wir Erwachsenen ruhten uns primär aus, die letzte Wochen waren für uns emotional doch sehr anstrengend, und genossen die Stille, die grüne Natur und sogar ein erfrischendes Sommergewitter.

Ein bisschen surreal ist es zu sehen, wie gemütlich es sich hier vor sich hin lebt. Gerade im Vergleich zu unserem derzeitigen Alltag in Israel fällt mir das diesmal besonders auf. 

Ihr Europäer wisst gar nicht, wie gut ihr es habt, wie selig ihr euch schätzen dürft, dass ihr einen lauten dumpfen Knall nicht sofort mit dem Iron Dome in Verbindung bringt. Oder bei einem anfahrenden Motorrad oder einem Martinshorn direkt noch mal ganz genau hinhört, ob womöglich schon wieder Alarm ist. 

Ja, wir beginnen, unseren Urlaub zu genießen,  aber die emotionale Verbindung nach Hause lässt sich dennoch nicht ganz kappen: Wir reden viel über die Situation und ich frage mich, wie lange noch? Wie viel Leid wird in Israel und Gaza noch passieren, während wir hier im Ferienmodus sind?
 


 
 


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Kommentare:

  1. "...Ihr Europäer wisst gar nicht, wie gut ihr es habt, wie selig ihr euch schätzen dürft".

    Oh doch, das wissen "wir" - wenn ich Dein "wir" jetzt mal auf mich beziehen darf, da ich mich ja auch eine Europäerin nenne.
    Ich kann mir auch vorstellen, wie Du es meinst, angesichts der ganzen hahnebüchenen Dinge, die wir Menschen überall so treiben trotz Krieg und Leid und Not.
    Mir ist ja selbst schon mein Urlaub merkwürdig vorgekommen - Fussball-WM Party-Nachrichten und eine Zehntelsekunde danach Bombenbilder aus Gaza und noch eine Sekunde später hunderte Tote bei einem Erdbeben uswuswuswusw...
    Und dann hat man diese ganzen wahnsinnigen Bilder im Kopf und geht einkaufen im Supermarkt und bekommt einen Streit über die richtige Nagellackfarbe mit und will einfach nur noch schreien.

    Sicher macht man es sich auch nicht so oft bewusst wie man es tun sollte oder könnte - also diese friedliche Glückseligkeit, in der wir leben dürfen.
    Und sicher gibt es auch Leute, die das alles weg blocken oder die es auch schlicht und einfach nicht tangiert und die kein Bewusstsein dafür haben, wie wenig selbstverständlich so etwas wie Frieden ist.
    Aber viele, die ich kenne (ich eingeschlossen), tun sich immer schwerer damit, ihr beschauliches und harmloses Leben "einfach so" zu geniessen, zu viel geht uns im Kopf herum, zu groß sind die Sorgen über alle möglichen Konflikte auf der Welt.
    Je näher man "dran" ist, also z.B. über familiäre oder freundschaftliche Beziehungen, je mehr betrifft einen auch der Konflikt, auch wenn man nicht akut selbst bedroht ist.
    Und das kann auch furchtbar sein - zu wissen, wo anders kann jeden Tag das Leben der geliebten Leute bedroht oder zu ende sein, und man kann einfach nichts machen, man hockt nur vor der beschissenen Glotze oder vor dem Radio und weiss nicht, was davon jetzt so stimmt oder Propaganda ist.
    Mir ist klar, dass man das nicht miteinander vergleichen kann, die Lebenssituationen sind vollkommen verschieden, wenn man die Bombe wirklich auf`s Haus bekommen kann oder wenn man den Knopf am Fernseher aus macht.
    Aber das Bewusstsein dafür, dass Frieden etwas fragiles ist, was von heute auf morgen kaputt gemacht werden kann, das haben viele um mich herum, und die Frage danach, wann und wie Frieden wieder möglich werden könnte, die geht auch hier um...

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    1. Das sollte gar kein Angriff sein! Eher ein "Hach, wie schön wäre es, wenn Israel einfach auch so ein 'grundsätzlich friedliches' Land wie Deutschland sein könnte." Verstehst du?

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  2. Ach, das hab ich auch gar nicht so aufgefasst, no worries ;-)
    Aber sowas wie "Ihr habt doch gar keine Ahnung wie gut es Euch geht" kursieren ja momentan reichlich, da wird man dann vielleicht irgendwann etwas sensibler.
    Und - ich habe vor allen Dingen auch deshalb noch dazu geschrieben, weil man immer wieder und aktuell besonders das Gefühl bekommt, dieses "grundsätzlich" friedliche was wir hier erleben, auch nur vorübergehend sein könnte oder sein wird.
    Dass es eben nicht unbedingt etwas grundsätzliches ist, sondern etwas kostbares, was man nicht als gegeben sehen darf.
    *Seufz*...ich wünsche Euch jedenfalls einen guten Start in der Heimat und möglichst wenig Flucht in Schutzräume oder schlimmeres!!!

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    1. Danke dir! Ja, Frieden ist ein kostbares, zerbrechliches Gut. Denke ich immer wieder :(

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