Montag, 7. Juli 2014

Plötzlich die Angst.

Israel ist zur Zeit kein kuschliger Ort.

Ich meine, "kuschlig" ist Israel ja nie so richtig, aber die vielen wunderbaren Eigenschaften von Land und Leuten machen es doch allermeistens zu einem sehr lebenswerten Flecken Erde. In den letzten Wochen fühlt sich das Leben hier für mich allerdings so beladen und düster an wie noch nie. Zwar leben wir in unserer ruhigen (lies: langweiligen), sehr homogen-jüdischen Stadt, außerhalb der Reichweite von Raketen aus Gaza und ohne gewaltbereite Demonstranten, eigentlich wie auf einer Insel der Glückseligen. An Schlagzeilen, Berichten von Freunden, Meinungen und der immer brodelnden Gerüchteküche der Social Media kommt dieser Tage aber kein Israeli vorbei. Leider stellt sich die Situation für mich gerade so dar, dass es eher erst noch schlimmer wird, bevor sich die Lage vielleicht wieder etwas beruhigt.

Ich will darauf an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen, mir fehlen nach wie vor die Worte, mein Innenleben in zusammenhängende, blogtaugliche Worte zu fassen. Wer mehr über unsere hässliche derzeitige Realität lernen (und sich nicht auf Massenmedien verlassen) will, sollte - und hier wiederhole ich mich - Lilas "Letters from Rungholt" abonnieren.

Mir gelingt es meist, mich von den Geschehnissen soweit abzugrenzen, dass ich nicht in ständiger Unruhe und Sorge lebe. Heute hat sie mich dann aber doch gepackt. Die Angst. Ich war unterwegs nach Hause als eine Mutter aus des Mädchens Klasse eine SMS an alle schickte. In unserer Stadt sei ein Kind entführt worden*, die Polizei hätte bereits Hubschrauber in der Luft. Da ging es plötzlich ganz schnell an, das Kopfkino. Irrational, statistisch gesehen. Und dennoch. Der Terror, auch der psychologische, ist ein gefräßiges Monster.







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* falscher Alarm, wie sich wenig später herausstellte, aber er wurde sehr ernst genommen. Ein Vater alarmierte die Polizei, nachdem sein 8-jähriger Sohn gesehen haben wollte, wie ein anderes Kind in ein Auto gezerrt und verschleppt wurde. Die Nerven liegen allerorten blank.




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Kommentare:

  1. Ich hab deinen Blog "wiederentdeckt"! Ich habe früher viel bei dir gelesen, wir hatten den Blog Prettypregnant. Vielleicht erinnerst du dich.
    Wie ist die Situation denn heute? Laut dem, was ich hier mitbekomme, sieht es ja nicht gut aus :(

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    1. Wie nett, dass du wieder reinschaust! Freut mich sehr :)

      Ich hab das Gefühl, heute ist bisher alles etwas ruhiger, mal sehen, was der Abend so bringt...

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