Donnerstag, 31. Juli 2014

El Al - not just any Airline

In 2h werden wir zum Flughafen aufbrechen und diesem Zirkus für einen dringend nötigen Erholungsurlaub entfliehen. Fast hätte es nicht geklappt, denn unser Lufthansaflug wurde gestern Vormittag überraschend gestrichen. Ein knapper Zweizeiler per Email informierte mich darüber. Ohne Angabe von Gründen, "we apologize for the inconvenience".

(Später erfuhr ich, dass Lufthansa es ihren Piloten und Flugbegleitern frei stellt zu entscheiden, ob sie in der aktuellen Krisensituation mit dem Risiko eines Raketenangriffs am Flughafen Flüge nach Tel Aviv übernehmen wollen, was dazu führt, dass sie derzeit nur etwa 50% der Flüge durchführen können.)

Innerhalb einer Minute hing ich in der Warteschleife bei der hiesigen Hotline von Lufthansa. Wirklich große Hoffnungen machte ich mir nicht, ich hatte von zu vielen schlechten Erfahrungen von Reisenden gehört, die letzte Woche teils mehrere Tage auf Flüge-  oder Anschlussflüge warten mussten. Umso überraschter war ich, a) wie freundlich die Servicemitarbeiterin zu mir war und b) wie unkompliziert sie mir sofort eine Flugalternative mit El Al nur eine Stunde später als unsere ursprüngliche Verbindung anbieten konnte. Natürlich griff ich sofort zu und war wie benommen, bis ich wenige Minuten später bereits das neue Ticket im Postfach hatte. Also alles noch mal gut gegangen und eigentlich finden wir es sogar richtig toll, dass wir auf diese Weise in den seltenen Genuss eines El Al-Flugs kommen, die wir sonst aus Kostengründen eher meiden. Aber der ganz besondere israelische Touch bei El Al ist einfach etwas besonderes.

Um El Al, die wahrscheinlich sicherste Airline der Welt, ranken sich viele Mythen und Legenden. Sei es, dass El Al-Piloten alle die Ausbildung zum Kampfpiloten der IDF durchlaufen haben, das eingebaute Raketenabwehrsystem in allen Maschinen oder die doppelten Cockpittüren zum Schutz vor Entführungen - mit El Al scheint man sicherer unterwegs zu sein. Ok, der Sicherheitscheck vor dem Flug kann für Nichtisraelis mitunter zum Spießrutenlauf werden, aber auch das stärkt die Überzeugung, dass wirklich alles getan wird, um die Passagiere zu schützen. 

Nachtrag, weil bis zur Landung eben gar nicht mehr auf dem Schirm: in Deutschland werden El Al-Flieger nach der Landung von gepanzerten Fahrzeugen der Bundespolizei begleitet. Aus Sicherheitsgründen, weil ein Anschlagsrisiko halt immer gegeben ist, wenn es um Juden geht. Als ich das heute meiner Tochter erklären wollte - bzw. eigentlich nicht, weil man so was nicht erklären müssen sollte - wurde ich richtig ärgerlich. Über diese Sonderrealität in der sich Israel immer befindet. 

Wenn richtig Not am Mann ist, fliegt El Al auch schon mal zur Rettung aus. So wurden 1991 im Rahmen der einzigartigen "Operation Solomon" über 14.000 äthiopische Juden aus einem politisch höchst instabilen Äthiopien innerhalb von 36 Stunden nach Israel ausgeflogen.

Erst letzte Woche, als fast alle europäischen Fluggesellschaften den Verkehr nach Israel einstellten, schickte El Al mehrere Maschinen in die Türkei, um dort gestrandete Israelis abzuholen. Da die Stimmung in der Türkei derzeit sehr anti-israelisch aufgeladen ist - Israelis wurden vom Personal aufgefordert, im Terminal zu ihrem eigenen Schutz kein Hebräisch zu sprechen - wollte man kein unnötiges Risiko eingehen.

El Al ist wirklich nicht einfach nur irgendeine Airline. Und für Israelis (obwohl sie alle immer über die hohen Preise schimpfen) ein Stückchen Zuhause.


El Al




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Kommentare:

  1. Eine ruhige Zeit auf dem fremden Planeten, der Europa heisst, wünsche ich dir und deiner ganzen Familie! Hoffentlich kommt ihr nicht um vor Heimweh nach unserem geliebten Hexenkessel. :-) Uund: Hoch lebe El Al - noch höher als ihre Preise!

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  2. Wünsche Euch einen erholsamen Urlaub! Viele Grüße aus dem ruhigeren Europa.
    Heike

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  3. Danke euch! Es ist schon eine sehr andere, fast surreale Welt hier in einem kleinen Nest in Mitteldeutschland.

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