Samstag, 21. Juni 2014

"Sie werden so schnell groß..."

Über diesen Satz habe ich zugegebenermaßen immer ein wenig die Augen verdreht, als ich noch nicht so lange Mutter war. Wenige Jahre später geht es mir ganz genauso.

Mein Kleinchen kam soeben vom ersten Übernachtungsdate bei einer Schulfreundin zurück. Ein seltsames Gefühl des Loslassens, irrational, wenn man bedenkt, dass wir nur einen Steinwurf entfernt wohnen, genau gegenüber auf der anderen Straßenseite, aber dennoch: War ich damals auch so jung, womöglich noch jünger? Was, wenn sie nun mitten in der Nacht aufwacht und Angst bekommt? Was, wenn die beiden in einen fetten Streit geraten und sie plötzlich nach Hause will? Ganz abgesehen von der Schrecksekunde, die mich gestern Abend ereilte, als ich bei einem Routineblick aufs schlafende Kind das Bett leer vorfand...

Natürlich ist alles gut gegangen. Zwar ist das Mädchen hundemüde, weil die beiden angeblich "durchgemacht" haben, aber es war insgesamt eine positive Erfahrung, erspüren wir. Überhaupt ist dieses Kind in den letzten Monaten echt groß geworden, und während ich meinen Samstagskaffee schlürfe (das Mädchen ist inzwischen an Papas Schulter eingepennt) ist eigentlich ein ganz guter Zeitpunkt, das letzte Jahr mal ein bisschen Revue passieren zu lassen.


Die erste Klasse ist praktisch gelaufen, dabei habe ich doch erst "gestern" von der Einschulung berichtet, oder? Sie haben lesen gelernt (zu meinem Leidwesen will sich der Spaß daran bisher nicht richtig einstellen, aber das kommt bestimmt noch, oder?), schreiben in Druck- und Schreibschrift und was sie im Rechnen alles abgedeckt haben, haben wir damals bis zur dritten Klasse nicht gelernt. Das Lerntempo war streng, stellenweise zu streng, wie ich finde, die Masse an Hausaufgaben haben uns mitunter echt runtergezogen, obwohl das meiste natürlich im Hort erledigt wurde. Alle zwei Wochen durften sie raus aus dem Klassenraum in den ökologischen Schulgarten und dort alles möglich pflanzen und ernten.

Im Rahmen eines Recyclingprojekts wurden das ganze Jahr über Pfandflaschen in der Klasse gesammelt, deren Erlös einem wohltätigen Verein gespendet werden sollte. Aber nicht einfach nur so, nein, den Kindern wurden mehrere Möglichkeiten vorgestellt (Tierschutz, Kinder in Not, etc..), und in einer hoch demokratischen Wahl, die detailgetreu den Wahlen zur Knesset nachempfunden waren, inklusive Wahlkabine, fiel die Wahl auf Akim, eine große Stiftung zur Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung in Israel.

Zwei Schulausflüge, mehrere außerschulische Veranstaltungen zu Feiertagen und zum gemütlichen Beisammensein (sowas liiiiiiebe ich ja...), ein Kinoabend, viele Kindergeburtstage mit der ganzen Klasse (inklusive unserem) und unzählige Nachmittagsbesuche wahlweise von oder bei Freundinnen ließen das Jahr irre schnell an uns vorbeiziehen. Und dabei habe ich noch nicht mal den Turnunterricht zweimal die Woche erwähnt oder den Schwimmkurs, den sie gerade - zum Glück nur wenige Wochen lang - auch noch besucht. Wie Mehrkindfamilien das machen gibt mir immer wieder Rätsel auf.

Stichwort Turnunterricht: Letzte Woche war Abschlussaufführung der Turnschule. Bei den Vorbereitungen wurde nichts dem Zufall überlassen: Drei große Hauptproben von jeweils drei Stunden im Vorfeld, eine strikte Kostümordnung und sogar die Frisur wurde bis auf die Haarklammer genau festgelegt. All das für eine knapp einstündige Veranstaltung, die zwar ganz nett und sicherlich altersgemäß, aber - unter uns - nicht so "wow" war, wie ich nach all dem Aufriss erwartet hätte. Aber das ist halt ein Risiko das man eingeht, wenn man derartig Spannung aufbaut. Die Mädchen (und Jungs, wer entdeckt sie im lila Glitzermeer?) waren so stolz und freudig bei der Sache, dass alles andere sowieso völlig nebensächlich war. Und Medaillen gab's auch, was will man mehr?




Was jetzt noch aussteht, bevor das Schuljahr am 30. Juni offiziell zu Ende geht, sind die Abschlussfeier in der Klasse mit Zeugnisausgabe, die Abschlussfeier im Schwimmkurs und die Abschlussfeier im Hort. Dann ist rum.



Samstagskaffees und Geplauder gibt es immer wieder samstags (logischerweise) auf Ninjas Blog.


Follow on Bloglovin


Kommentare:

  1. Was für spannende Blogs man doch immer wieder findet - unter anderem eben beim Samstagskaffee! Toll.. Ich werde mich mal ein wenig häuslich niederlassen hier bei dir. Liebe Grüße aus dem Ruhrpott von Haydee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie schön, herzlich willkommen in meiner Ecke :) ich finde diese Blogaktionen auch immer toll, um neue Inspirationen und Welten zu entdecken!

      Löschen
  2. Ja, ich hatte auch im Verlauf der Jahre, das Gefühl, dass die Zeit an Geschwindigkeit gewinnt. Hatten meine drei Töchter in dem Alter so ein Wochenprogramm? Ich glaube nicht. Später schon, da lernt man schon das Organisieren, damit alles läuft.
    Ich finde es total spannend, zu lesen, wie ein Kind in Israel aufwächst!
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kinder heutzutage sind total verplant, ich muss richtig darauf achten, dass Lücken zum gezielten Langweilen bleiben. Das ist so wichtig und der Druck, Kindern immer ein Programm bieten zu müssen, ist heute viel krasser, als früher.

      Löschen
  3. Mein Erfahrungsbericht zum Lesen: der Große hat das Lesen als Leidenschaft erst in den Sommerferien nach der 2. Klasse für sich entdeckt. Davor war es doch eher Anstrengung ... und das für "Erstlesegeschichten", die nicht so der Burner sein können. Der Mittlere hat sogar als 12jähriger im Urlaub noch lieber Mittagsschlaf gehalten als gelesen, und bei der Jüngsten habe ich wieder Hoffnung. Ich sorge für regelmäßige Langeweile, ein prima Leseanreiz :D
    glg Petra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für diesen Erfahrungsbericht, das ermutigt mich doch :)

      Löschen
  4. Ja, die Zeit rast nur so dahin. Bei heutigen Samstagskaffee (#51) berichte ich über ähnliche Erfahrungen ... nur dass "wir" gerade das Abiturzeugnis bekommen haben und Schule auf einmal der Vergangenheit angehört. Unglaublich, wie schnell das ging ... Seufz.
    Und von wegen Lesen ... mag deine Kleine gerne Vorgelesen bekommen? Das war bei uns immer eine schöne gemeinsame Kuschelstunde. Und wie sie dann größer wurde, haben wir uns aufs Sofa oder ins Bett gekuschelt und uns gegenseitig vorgelesen. Vielleicht ein Anreiz?
    GLG vonKarin
    vonKarin.blog.de

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Karin, schön, dass du reinschaust :)

      Wow, Abi! Das ist eine große Sache, alles Gute deiner großen Tochter!

      Vorlesen geht hier immer! Und auf abwechseln - sie ein Stück, ich ein Stück - lässt sie sich auch ein. Ich hoffe, das wird noch.

      Löschen