Freitag, 20. Juni 2014

Schreibblockiert und ratlos.

Seit 7 Tagen fahndet die israelische Armee nach Eyal (19), Gilad (16) und Naftali (16). Die drei Teenager waren letzten Donnerstag an einer Bushaltestelle auf dem Weg nach Hause zu ihren Familien von Terroristen gekidnappt worden. Seither fehlen mir die Worte, über die Entführung zu schreiben und ich bewundere einmal mehr Lila aus Rungholt dafür, dass sie immer die Zeit und Kraft findet, die hiesigen Krisen in genau die richtigen Worte zu packen, so dass man es auch im Ausland versteht, wo sich die Journaille gerade wieder mal in Ignoranz und Arroganz übertrifft, sofern man überhaupt etwas über das Thema liest. Einfach ohne ein Wort fluffig-lifestylig weiterbloggen kann ich aber auch nicht, das fühlt sich nicht richtig an.

Schon länger nehme ich mir vor, mal wieder meine Gedanken sortieren, wie dieser vermaledeite Nahostkonflikt mich und mein Umfeld ganz persönlich und direkt beschäftigt, wie es mir mit jedem Jahr, das ich hier verbringe schwerer fällt, eine eindeutige Meinung zu bilden. Schwarz-Weiß ist hier schon lange nichts mehr für mich. Aber auch dafür ist im Augenblick nicht der richtige Zeitpunkt.

Nicht solange drei Schüler wer weiß wo gefangen gehalten werden, ihre Familien bereits den zweiten Schabbat ohne sie feiern müssen und man nicht mal mit Sicherheit weiß, ob sie überhaupt noch am Leben sind. Dafür gibt es keine Rechtfertigung, keine mildernden Erklärungen - es ist was es ist. Ein feiger Terrorakt gegenüber unschuldigen Zivilisten. Dabei spielt es an dieser Stelle überhaupt keine Rolle, wo sie unterwegs waren oder zur Schule gehen, und auch nicht, wo ihre Familien wohnen (zwei davon übrigens im Kernland und nicht, wie so oft pauschal behauptet wird, in den Siedlungen). Zu sagen, die Jungs oder auch die Familien seien selbst Schuld, weil sie im Westjordanland getrampt sind (was, so unvorstellbar das für mich mit meiner gutbürgerlichen Erziehung auch ist, für religiöse Jugendliche vollkommen normales Verhalten ist) ist als würde man sagen, Frauen, die nachts alleine durch dunkle Parkhäuser gehen, seien selbst schuld, wenn sie vergewaltigt werden.

Also nein. Die israelische Siedlungspolitik (Mir liegt sie auch im Magen. Sehr.) ist mitnichten schuld an dieser Entführung. Der radikale Islam wird immer versuchen, Israel zu bekämpfen. Das ist leider so. So sehr ich mir auch was anderes wünschen würde. Menschen, die feiern, wenn anderswo Jungs in Todesangst festgehalten werden und die süße Kinderbilder ins Netz stellen, die diese Entführung glorifizieren, werden ihren generationenalten Hass nicht von heute auf morgen ablegen (können). Ganz gleich, was Israel für Zugeständnisse macht. Und nein, damit meine ich nicht alle Palästinenser, ich bin ganz sicher, dass es dort unzählige Menschen gibt, die mit dem Status Quo (zu Recht!) frustriert sind und deshalb trotzdem nicht zu Terroristen werden. Ich denke an die Unschuldigen in Hebron, die dieser Tage sicher massiv unter der intensiven Militäroperation leiden und mein Herz wird schwer, wenn ich mir vorstelle, was diese gerade bei den Kindern und Heranwachsenden auslöst - eine grässliche Vorstellung. Noch grässlicher die Vorstellung, was sich die Eltern der Entführten ausmalen müssen in diesen Tagen, Entführungen sind ja in Israel leider schon öfter vorgekommen - mit schrecklichem Ausgang.

Bleibt nur die Hoffnung, dass dieser Albtraum ein baldiges und gutes Ende nimmt.





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