Montag, 9. Juni 2014

Israelische Vornamen

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Als ich nach Israel kam, dachte ich naiverweise, dass jüdische Kinder alle biblische Namen haben. Und tatsächlich gibt es sie, die Moshes, Yaakovs, Sarahs und Avrahams, allerdings werden diese Namen heutzutage hauptsächlich im religiösen Bevölkerungssegment vergeben. Allgemein haben sie einen eher altmodischen Klang, obwohl einige biblische Namen in letzter Zeit auch unter säkularen Israelis wieder modern werden.

Überhaupt nicht vorbereitet war ich auf all die modernen hebräischen Namen, die für ausländische Ohren sperrig klingen und meist völlig offen lassen, ob sie männlich oder weiblich sind. Abgesehen von der Aussprache, die nur wenige instinktiv richtig machen. Während meiner Zeit in einem Start-Up-Unternehmen bekam ich oft die Verzweiflung europäischer Kunden mit, die nie wussten, ob sie es mit einem Programmierer oder einer Programmiererin zu tun haben, was denn nun der Vor- und was der Nachname ihres israelischen Ansprechpartners ist, geschweige denn, wie sie den Namen bei der Telefonkonferenz aussprechen sollen.

Und als Israelbesucher von mir einst bei Noa und Roni eine Ferienwohnung buchten, war die Verwirrung groß, als der freundliche Vermieter sich als Roni vorstellte, denn sie waren fest davon überzeugt, Noa müsse der Mann sein. Dass der biblische Archenbauer im Hebräischen "Noach" heißt und der weibliche Vorname "Noa" einen ganz anderen, fast gegenteiligen Wortstamm (ruhen vs. bewegen) hat, hört und sieht man in lateinischer Schreibweise nicht.

Als sprachverliebter Mensch finde ich die modernen israelischen Namen aber wirklich spannend. Sie haben oft einen Naturbezug und sind "ganz normale" hebräische Vokabeln. Was Deutsche bei Promis gerne als exzentrische Macke belächeln (Apple, Clementine, Peaches...) ist in Israel völlig normal, Beispiele:

Shaked = Mandel
Or/Ori = Licht/mein Licht
Shir/Shira/Shiri = Lied/Gesang/mein Lied/Sing!
Nitzan = Knospe
Oren = Pinie
Alon = Eiche
Erez = Zeder
Noam = Lieblichkeit, Milde
Kfir = junger Löwe
Hallel = Lobgesang
Eyal/Ayala = Reh
Geffen = Weinstock
Shay = Geschenk
Ofek = Horizont
Shachar = Morgendämmerung
Yam = Meer
Tal = Tau
Tamar = Dattel
Agam = See

Die meisten Vornamen sind unisex und einige in bestimmten Jahrgängen so beliebt, dass es in Kindergartengruppen oder Schulklassen mehrere Kinder mit dem gleichen Namen gibt, was oft dazu führt, dass Kinder über den Zusatz "haBen" (der Junge) oder "haBat" (das Mädchen) auseinander gehalten werden, zum Beispiel Tal haBat oder Nitzan haBen. Da wir das eher nicht so schön finden, haben wir uns sehr gründlich überlegt, wie unsere Tochter heißen soll. Einen biblischen oder religiös klingenden Namen wollte mein Mann auf keinen Fall, weswegen es letztlich eine "Alltagsvokabel" geworden ist, die als Vorname allerdings eher ungewöhnlich ist. Außerdem einer der wenigen Namen, der eindeutig weiblich und auch außerhalb von Israel ohne große Pannen auszusprechen ist. Das alles war uns wichtig, denn man weiß heutzutage ja nie, ob das Kind nicht eines Tages sein Glück in Berlin machen wird. 



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Kommentare:

  1. Vornamen, finde ich schon lange, sind ein Interessantes Thema! Gibt es in Israel irgendeine amtliche Instanz wie in Deutschland, die darüber entscheidet, ob ein spezieller Vorname vergeben darf oder nicht?
    Hierzulande wird über ungewöhnliche Vornamen mittlerweile schon die Nase gerümpft.
    Die Kevins und Chantals können einem Leid tun, da ihnen sogleich soziale Zugehörigkeiten und Bildungsdefizite
    zugeordnet werden...
    Tja, ob das eigene Kind dann mit seinem Vornamen glücklich wird, weiß man nie. Also ein zweiter Vorname in Reserve ist dann gar nicht so schlecht ;-).(Unsere mittlere Tochter kommt aber auch mit ihrem norwegischen Vornamen in USA gut zurecht ...)
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Mein Mann war absolut gegen einen zweiten Vornamen. Er selbst hat sogar drei und die Ämter kriegen komischerweise immer wieder durcheinander, was denn nun sein Rufname ist. Der erste ist ihnen scheinbar nicht offensichtlich genug...
      Meines Wissens darf hier jeder Name vergeben werden, ich habe jedenfalls noch nie von einer Instanz gehört, die Namen gegebenfalls ablehnt. Ungewöhnlich ist in Israel auch eher, wenn man ausländische Namen vergibt, das ist eher nicht üblich und kann bei der Schreibweise lästig werden, da es nicht immer eindeutig ist, wie ein Name zu transkribieren ist.

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  2. Vornamen sind wirklich so eine Sache. Meinen eigenen - Haydee (ja der ist echt) - habe ich als Kind wahrlich gehaßt. Der schlichte deutsche Mensch war in den 70ern und 80er Jahren nicht unbedingt sprachbegabt und machte dann daraus altbekanntes. Von Heidi, Heide, Hedi.. ach, ich hatte alles. Heute mag ich ihn sehr, einfach weil er selten ist. Auch wenn ich noch immer Menschen begegne, die ihn einfach nicht aussprechen können. Oder wollen - man weiß es nicht, gg...
    Bis heute finde ich es allerdings bemerkenswert, dass mein Vater es geschafft hat, den hiesigen Standesbeamten davon zu überzeugen, den Namen anzuerkennen :-)

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    1. Wow, das ist wirklich ein außergewöhnlicher Name. Ich muss gestehen, dass ich auch zunächst die Heidi-Assoziation hatte... ist Haydee ein amerikanischer Vorname?

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