Samstag, 17. Mai 2014

Interkulturelle Kaffeepräferenzen

Der Gatte und ich konnten uns lange nicht so richtig darauf verständen, welche Sorte Kaffee der richtige für uns ist.

In Israel trinkt man im Alltag meist Ness-Kaffee - Instantkaffeepulver mit kochendem Wasser angerührt. Man weiß angeblich nicht mehr so genau, ob die ähnlich klingende Marke, die hier neben anderen ähnlichen Produkten erhältlich ist, sich über die Jahre zum Gattungsnamen verselbständigt hat oder es sich um eine Wortschöpfung aus den hebräischen Wörtern Ness (= Wunder) und Kaffee handelt. Mir gefällt letztere Erklärung besser, aber vermutlich ist erstere korrekt. Wie dem auch sei, Instantkaffee ist das, was im Alltag in israelischen Haushalten in der Regel in den Becher kommt, wenn Kaffee angeboten wird.

Gerne genommen ist auch Kaffee Shachor (= schwarzer Kaffee), der jedoch nicht Kaffee ohne Milch meint, sondern jenes Gebräu, das man in Deutschland als "türkischer Kaffee" kennt. Synonym zu Kaffee Shachor wird dieser starke meist übersüßte Kaffee auch Botz (= Schlamm) genannt, wegen des im Glas verbleibenden zähen Kaffeesatzes.

Neben Ness-Kaffee und Botz wächst in den letzten Jahren auch der Markt für Espressomaschinen mit Kapselsystem. In der Anschaffung sind diese Maschinen verhältnismäßig erschwinglich, die Kapseln dafür umso teurer. Freunde von uns haben eine solche Maschine, nutzen sie aber eher für besondere Anlässe, im Alltag gibt es weiterhin Ness-Kaffee.


In den zahlreichen stark frequentierten israelischen Cafés, in denen Israelis mit Vorliebe sitzen, Kaffee trinken und frühstücken, werden fast ausschließlich italienische Kaffees gereicht. Der beliebteste ist Kaffee Hafuch (= verkehrter Kaffee), wenn man den bestellt, bekommt man Cappuccino mit Milchschaum, bzw. einen starken Café Latte, je nachdem, was die Barista genau darunter versteht ;-)

Doch nun zu unserem häuslichen Disput:

Filterkaffeemaschinen sind in Israel selten, sehr zum Leidwesen meines Gatten, der deutschen Filterkaffee lieber mag, als alles andere. Ich hingegen mache mir nichts aus Filterkaffee. Ich trinke ihn, ja, wenn nichts anderes da ist, aber wenn ich die Wahl habe zwischen Cappuccino und Filterkaffee, nehme ich immer den Cappuccino. Kaffee ohne Milchschaum ist nichts für mich. Außerdem habe ich mich in Israel sehr schnell an die Vorteile des Ness-Kaffee gewöhnt: Immer sofort verfügbar, problemlos als Einzeltasse servierbar, kostengünstig und geschmacklich ok. Einigermaßen umweltbewusst wie ich bin, kommt eine Kapselmaschine für mich nicht in Frage, und eine Filtermaschine lohnt sich für zwei Personen nicht wirklich, abgesehen davon, dass man im Supermarkt keinen gescheiten Bohnenkaffee für Filtermaschinen bekommt. Meine bevorzugte Variante - täglich oder mehrmals täglich "Coffee to go" - scheidet budgetbedingt aus, was also tun?

Unsere Lösung ist eine Kaffeepresse, oder, wie Wikipedia mich eben aufgeklärt hat: Pressstempelkanne (ich liebe deutsche Wörter wie dieses, hach!) aus Edelstahl. Vor Jahren hatten wir eine aus Glas, die leider materialbedingt ein sehr kurzes Leben hatte. Die neue aus Edelstahl ist formschön, doppelwandig isoliert, leicht zu reinigen und groß genug für vier Becher Kaffee. Am Anfang haben wir mit gemahlenem Espresso experimentiert, der aber im Supermarkt sehr teuer und nicht so richtig überzeugend war. Inzwischen mahlen wir unsere Bohnen selbst, die wir entweder von Starbucks importieren, wenn wir in Deutschland sind oder hier in Café-Großpackungen kaufen.

Ganz wichtig bei Kaffeepressen ist es, die Bohnen nicht zu fein zu mahlen, damit sie das Sieb nicht verstopfen und hinterher keine Rückstände in der Tasse schwimmen.

Der gemahlene Kaffee kommt in die Kanne, wird mit heißem Wasser übergossen und vier Minuten stehen gelassen. Danach vorsichtig die Presse nach unten gedrückt und eingeschenkt. Der Gatte mag den Kaffee mit ungeschäumter Milch (ähnlich wie Filterkaffee eben), ich mache mir Milchschaum dazu, mit meinem treuen Milchschäumer, der ebenfalls nach dem Presssystem funktioniert. Große Luftblasen lösen sich auf, indem man das Gefäß einige Male kräftig auf die Tischplatte klopft, danach kann man den Schaum langsam in den Kaffee gießen. Das geht am Besten, wenn man die Kaffeetasse leicht schräg hält.




Heute gab es zum Kaffee auch noch ein richtig schönes Frühstück vom Gatten. Der macht das gern. 






























Unter der Woche mache ich meinen Kaffee gerne direkt in meinen To-Go-Becher aus Keramik und nehme ihn mit in den Bus.

Andere Kaffeegeschichten gibt es immer wieder samstags bei Ninjas Sieben zu sehen.



Follow on Bloglovin


Kommentare:

  1. Interessant! Das wusste ich gar nicht - die Gebräuche mit Nesscafé etc.. in Israel. Gut, dass Ihr eine Lösung des häuslichen Disputes gefunden habt! Das Frühstück sieht sehr lecker aus!

    Wochenendgrüße von Ellen

    AntwortenLöschen
  2. Spannend, dass die Kafferunde heute bis nach Israel reicht und etwas über Kaffee in Israel zu lesen! Ein für mich faszinierendes Land, das ich bis jetzt leider noch nicht bereist habe.
    Welcher Kaffee denn nun der beste ist wurde in unserm Haushalt auch ausführlich diskutiert ;-) Mittlerweile haben wir eine Siebträgermaschine, da ist zwar jeder Kaffee echte Arbeit, aber sehr lecker.
    LG, Mecki

    AntwortenLöschen
  3. Oh, eine Siebträgermaschine wäre auch mein Traum. Aber ich kenne mich und meine pragmatische Faulheit. Die Maschine würde über kurz oder lang wahrscheinlich traurig vernachlässigt werden.

    Danke, dass ihr vorbeigeschaut habt :)

    AntwortenLöschen
  4. Interessant, habe ich gerne gelesen, deinen Beitrag!
    Viele Grüße nach Israel
    Gesa

    AntwortenLöschen
  5. Ha! Hadassa, uns ich glaube, wir sind mit all den Kilometern zwischen uns zum selben Ergebnis gelangt! Hier zu Hause habe ich zwar einen "Vollautomaten" für die Wachwerdtasse um halb 5 am Morgen, der mir auch passablen Milchschaum macht. Die Lösung im Büro - wo ich deutlich länger bin als zu Hause, zumindest zur Kaffeetrinkzeit - sah meist so aus, dass ich die Kapselmaschine meiner Kollegen mitbenutzt habe. (Der elektrische Milchaufschäumer der inkrininierten Firma ist übrigens absolut unübertrefflich). Selbst, wenn ich dazu kompostierbare Alternativ-Kapseln nutze (und es gibt welche, da ist sogar sauleckerer Kaffee drin), ist es ökologisch eine Katastrophe.
    Nach langem Rumprobieren, an Möglichkeiten gebricht es hierzulande ja gerade nicht, bin ich ebenfalls bei einer doppelwandigen Edelstahl-Cafetiera (ich kannte nur den italienischen Ausdruck) gelandet. Die Warmhaltefunktion ist allerdings nicht so dolle, deshalb gab es dazu einen Thermobecher von Star*bucks. Jetzt gibt es morgens eine Tasse frisch aufgebrühten Presskaffee mit geschäumter Milch und die zweite Portion wartet für den Nachmittag schwarz im Thermobecher. Meist bekommt sie dann mangels Zeit zum Aufschäumen nur einen Spritzer ungeschäumte Milch, aber immerhin.
    Wenn ich am Montag aufbrühe, denk ich an dich.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. An mein Herz! Schwester im (Kaffee)geist :)

      Dass der Aufschäumer von besagter Firma toll sein soll, habe ich jetzt schon öfter gehört, ob ich mir den doch auch mal zulegen sollte? Im Büro haben wir die Kapselmaschinen, allerdings ist die Kapselanschaffung Privatsache und ohne geschäumte Milch ist der Geschmack eher mau, finde ich. Ein Milchschäumer kommt meiner Chefin aber nicht ins Haus, sie meint (und damit hat sie wohl recht), das gäbe eine hygienische Katastrophe.

      Unsere Kaffeepresse zuhause hält auch nicht so lange warm wie eine "echte" Thermoskanne. Aber für die Dauer eines gemütlichen Frühstücks oder zum Nachmittagskaffee reicht es. Der Gatte hat einen Thermosbecher von Starbucks, meiner hält nicht lange warm, was mir aber lieber ist, als mir am frühen Morgen die Zunge zu verbrennen, wenn ich im Halbschlaf im Bus daran nuckle ;-)

      Grüße! <3 <3

      Löschen
  6. Kaffeegeschichten, immer wieder spannend. lg Regula

    AntwortenLöschen
  7. Danke euch allen. Es freut mich, dass euch meine Kaffeegeschichte nicht gelangweilt hat :)

    AntwortenLöschen
  8. Da wäre noch die "italienische Maschine", die Kanne mit unterbautem Wasserbehälter in Bolero-Form, die guten Espresso günstig erzeugt, wenn man sie denn auf die Herdflamme oder -platte stellt.
    Ich trinke kaum bis keinen Filterkaffee, dafür aber gern guten Espresso. Aus der Siebträgermaschine, das ist bestimmt nicht mehr Arbeit als die Preßtempelkanne, die bestimmt ein s mehr verdient hätte. *zwinker*
    Die Pfarrfrau trinkt Kapselkaffee. Der schmeckt mir aber zu synthetisch. Und für den Preis einer Schachtel Kapseln krieg ich ein Pfund Kaffeebohnen besserer Qualität.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du hast natürlich recht, ich habe es korrigiert. Espresso ist nicht so meins, aber als Grundlage für Cappuccino hatten wir eine italienische Espressokanne auch mal im Auge. Aber mein Gatte mag halt am liebsten Filterkaffee und da kommt das Pressstempelgesöff näher dran als Espresso ;-)

      Löschen