Samstag, 17. Mai 2014

Eheschließungsfreiheit - nicht in Israel

In letzter Zeit läuft ein selten-nerviger Werbespot in Israel, der eine "Revolution" in Sachen rabbinische Eheschließung bejubelt, nach der Braut und Bräutigam wählen dürfen, in welcher Gemeinde sie ihre Ehe anmelden und schließen wollen. Das entsprechende Gesetz ging vor ein paar Monaten mit großem Getöse und unter heftigem Protest der orthodoxen Parteien durch die Knesset.

Dabei ist es der blanke Hohn, in diesem Zusammenhang von einer Revolution zu sprechen. Eine echte Revolution wäre in Israel ein Gesetz, dass gleichgeschlechtliche Eheschließung möglich macht (was immer man persönlich davon halten mag), ein wichtiger erster Schritt wäre aber zunächst die Einführung der Zivilehe. 

Ja, aufmerksamer Blogleser, du verstehst mich richtig: Die zivile Eheschließung heterosexueller Paare ist in Israel auch im Jahre 2014, respektive 5774 nach jüdischer Zeitrechnung, nicht möglich. Das heißt für etwa eine halbe Million Bürger, die nach der "Halacha", der jüdischen Gesetze, nicht als jüdisch gelten, weil sie keine jüdische Mutter haben oder nur nach dem reformierten Judentum konvertiert sind, dass sie in Israel nicht den Bund der Ehe eingehen können. Ganz zu schweigen von interreligiösen Paaren. Ehen, die im Ausland geschlossen werden, werden zwar anerkannt, weswegen im nahegelegenen Zypern über die Jahrzehnte eine regelrechte Hochzeitsindustrie für Israelis entstanden ist (ich habe daran sehr schöne, wenn auch leicht surreale Erinnerungen), im Heiligen Land selbst geht die Trauung noch immer ausschließlich über das Rabbanut. Dort müssen heiratswillige Juden nachweisen,  dass beide Partner echte Juden sind. Diese Nachweise zu erbringen ist teilweise sehr schwierig und manchmal erniedrigend, insbesondere für Juden aus Ländern, in denen sie verfolgt werden oder wurden und derartige Dokumente oft vernichtet oder verloren sind. 

Reformjudentum ist nicht anerkannt, was im Fall meines Schwagers dazu geführt hat, dass er seine Frau in Zypern heiraten musste, weil seine Mutter nur reformierte Jüdin ist, obwohl sich die ganze Familie als jüdisch identifiziert und der Vater einer generationenalten jüdischen Familie entstammt. 

Ich habe Paare kennengelernt,  die es sich nicht leisten können, zum Heiraten ins Ausland zu gehen und daher unverheiratet bleiben mussten, was völlig gegen ihre persönliche Überzeugung und Glaubenseinstellung ging. Andere Paare entscheiden sich gegen die Heirat vor dem Rabbanut, weil sie säkular leben und ihre Ehe nicht in den halachischen Gesetzen zementiert sehen wollen.

Nun kann man sich trefflich streiten,  ob Reformjudentum und orthodoxes Judentum einander gleichgestellt sein sollte. Ich persönlich würde mehr Inklusion begrüßen,  sehe aber die Argumente derer, die sagen, dass eine religiöse Trauung ihren religiösen Charakter behalten soll. Dennoch ist es meiner Meinung nach ein Unding, dass es in einem demokratischen Land keine zivile Eheschließung neben oder zusätzlich zur religiösen gibt.










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