Samstag, 5. April 2014

Tagebuchblogging - 5. April 2014


Shabbat. Wochenende. Diese Woche vollkommen frei von Terminen. Herrlich! Wundersamerweise dürfen wir sogar bis gegen halb 9 ausschlafen, das Mädchen muss gestern wirklich sehr müde gewesen sein.

Nach einem liebevoll zubereiteten Frühstück des Gatten (Feta-Pesto-Toast, Omelette, frischgepresster Saft, frischgemahlener Kaffee) stürze ich mich in die Vorbereitungen für den anstehenden Kindergeburtstag nächste Woche. Eine Schatzsuche in unserem wirklich schönen Naherholungspark soll es werden und die ganze Klasse ist eingeladen. Das ist hier nicht unüblich und war dem Geburtstagskind dieses Jahr explizit wichtig. Sie ist ein derartiger Socialite, ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll. Aber egal. Alle Einzelheiten zum Geburtstag gibt es wenn er überstanden ist. Und ein bisschen Spaß macht die Vorbereitung ja auch. Heute habe ich ziemlich viel Zeit damit zugebracht, die Schatzkarte zu erstellen. So leicht, wie ich mir das gedacht hatte, ist das nämlich gar nicht, vor allem weil ich mit Koordinaten arbeiten will und es daher schon recht akkurat sein sollte, bei aller Reduzierung von kartographischen Details. Außerdem brauche ich die Karte in doppelter Ausfertigung, denn es wird zwei Gruppen Schatzsucher geben. Dafür und für die Austüftelung von Rätseln und Aufgaben geht der größte Teil des Vormittags drauf.

Nach der größten Mittagshitze machen wir uns alle drei auf in den Park zu einem Lokaltermin. Ich will die Strecke abgehen, um einzuschätzen, wie lange die Kinder wohl dafür brauchen werden. Bei gut 30 Grad (ohne wirklichen Schatten) ist das kein echtes Vergnügen. Mann und Kind sind mit den Fahrrädern unterwegs, ich zu Fuß, der Park überlaufen, sodass wir uns schnell aus den Augen verlieren. Als ich sie das nächste Mal sehe, heißt es, das Mädchen sei müde und überhitzt und wolle nach Hause. Ich schlage vor, dass sie im Schatten pausieren, bis ich meine letzte Runde fertig gedreht habe.

Quelle: wikipedia commons
Als ich zwanzig Minuten später wieder an die gleiche Stelle zurückkehre, ist weit und breit nichts von den beiden zu sehen. Des Gatten Handy habe ich in der Tasche, meines ist Zuhause am Stromnetz geblieben, sein Akku inzwischen ebenfalls leer. Super. Auch die Fahrräder sind nirgends zu entdecken, sodass ich schlussfolgere, sie seien bereits nach Hause gefahren. Ich mache mich also auf den Heimweg, einen etwa 15-minütigen Spaziergang im Teilschatten. Dort angekommen stelle ich zwei Dinge fest:

1. Mann und Kind sind mitnichten schon da und
2. mein Hausschlüssel muss in seiner Hosentasche stecken.

Da ich davon ausgehen muss, dass sie jeden Monat ebenfalls auftauchen werden, mache ich es mir erstmal im Treppenhaus mit meinem Notizbuch bequem und schreibe eine konkrete Einkaufsliste für den Kindergeburtstag. Ziemlich gut vorbereitet fühle ich mich inzwischen. Als eine Viertelstunde später immer noch nichts von meinen Radfahrern zu sehen oder hören ist, kommt mir siedendheiß der Gedanke, dass der Gatte mich womöglich bereits verzweifelt sucht. Wäre nicht das erste Mal, dass er hysterisch wird, weil er mich nicht erreichen kann, sei es, weil mein Handy leer ist, ich länger unterwegs bin, als abgesprochen, es zwischen uns ein Missverständnis gab, etc. Vor meinem inneren Auge sehe ich bereits Polizei und Armee mit Suchhunden das kleine Wadi durchkämmen, das an den Park grenzt und in dem ich im Rahmen meiner Schatzsuchenrecherche heute unterwegs war. So sehr es mir auch davor graut, es noch mal mit der brütenden Hitze aufzunehmen, überwinde ich schließlich den inneren Schweinehund und trabe zurück in den Park. Meine Hoffnung, ich würde den beiden unterwegs vor's Fahrrad laufen, bleibt leider unerfüllt, und gerade als ich mich frage, wo ich auf dem riesigen, unübersichtlichen Gelände überhaupt anfangen soll zu suchen, sehe ich es vom Kunstsee her winken. Man(n) hat mich entdeckt. Am Ufer im Schatten, mit den Füßen im Wasser, sitzen sie gemütlich und haben es nett. Nein, gesorgt habe man sich nicht. Argh..

Ein Entschädigungsmagnum später machen wir uns letztlich gemeinsam auf den Heimweg. Ich schon zum zweiten Mal. Dort hängen wir noch ein bisschen gemütlich ab, videofonieren per Skype mit Oma und Opa im fernen Deutschland, ich schreibe die Laufzettel für die Schatzsuche fertig, falte noch ein paar Origamischachteln als Hinweisbehälter und spiele ein paar Runden "Da ist der Wurm drin" bis schließlich Bettzeit ist.

Nach der Gutenachtgeschichte darf das Mädchen noch mal kurz aufstehen, weil die ISS heute über unserer Stadt zu sehen sein soll. Seit Chris Hadfield und seit wir diese Seite entdeckt haben, beobachten wir immer wieder gern, wie dieser kleine helle Punkt durch die Luft rast und mal mehr, mal weniger gut zu sehen ist.

Jetzt ist noch Erwachsenenserienzeit und dann freue ich mich auf ein bisschen Lesen im Bett. Andreas Eschbachs "Black Out" hat es geschafft, mich zu fesseln :)



Alle Tagebucheinträge wie immer bei Frau Brüllen.


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Kommentare:

  1. Ja, das Buch Black Out hatte es mir auch angetan. Ich habe überall gelesen, sogar beim Kochen. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, weil es so spannend war. Ich habe aber auch viel daraus gelernt. Vorsorge ist für mich seit dem kein Fremdwort mehr. Durch noch mehr lesen und informieren, kann ich mir nun bei einem Stromausfall genau so gut behelfen, wie beim Ausfall des Wasser aus dem Wasserhahn usw. usf.
    Habe gerade beim Lesen Deines Posts schon schmunzeln müssen. Aber ist es nicht gefährlich bei dieser Hitze mit 30 Kindern in den Park zu gehen? Da sind ja wirklich kaum Bäume, die Kinder können doch bei dieser Hitze kollabieren, zumal die ja von langsam laufen wohl nicht viel halten und statt dessen lieber rumtoben? Oder baut Ihr da so einen Pavillon auf, zum ausruhen und erholen? Wie dem auch sei, ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Suchen und Finden.
    Ganz liebes Grüßle aus Deutschland und ein herzliches Schalom nach Israel schickt Dir
    Gudrun von Baustelle "Leben"

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    1. *lach*
      Freut mich, dass ich dich zum Schmunzeln gebracht habe, ich konnte letztlich auch über die Angelegenheit lachen :-)

      Der Park hat schon auch ein paar schattige Ecken. Die Picknickbänke sind mit Sonnensegeln überdacht, da wollen wir unsere Basis aufschlagen. Die Schatzsuche selbst wird eine angeordnete Trinkpause beinhalten und insgesamt ohnehin nur etwa eine Stunde dauern, das sollte passen. Außerdem feiern wir erst nach der ganz großen Mittagshitze.

      Zu "Black out": ich lese das Jugendbuch von Andreas Eschbach, nicht das über den Stromausfall von Marc Elsberg. Das steht aber auch ganz oben auf meiner Leseliste, ich hab gestern reingelesen und war sofort angefixt.

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