Sonntag, 6. April 2014

[Buch] Die lesende Minderheit 1/2014

In diesem Jahr wird es bei der "lesenden Minderheit" nur alle drei Monate ein neues Lesethema geben. Ich muss gestehen, dass ich das Buch für das erste Thema - Lies ein Buch in dessen Titel ein Land oder Ort vorkommt! - nicht bewusst gewählt habe, da mein erstes Quartal privat ziemlich unübersichtlich war. Trotzdem möchte ich diesen Beitrag hier der lesenden Minderheit zuordnen. Das Thema wurde ja erfüllt und außerdem passt es so kurz vor Passah/Ostern auch saisonal recht gut.


Zealot: The life and times of Jesus of NazarethZealot: The life and times of Jesus of Nazareth by Reza Aslan
My rating: 4 of 5 stars

Als Reza Aslan sein Buch 2013 in den USA veröffentlichte (Auf Deutsch bei Rowohlt erschienen als: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit) entspann sich daraus eine kontroverse Diskussion darüber, ob ein Moslem ein Buch über Jesus schreiben können/dürfe/solle. Insbesondere ein Interview von Fox News blieb bei mir als besonders unangenehm hängen, da die Nachrichtensprecherin so offensichtlich das Buch nicht gelesen hatte und sich während des Interviews daher ausschließlich an Aslans Religionszugehörigkeit festbiss, während der immer wieder betonte, dass er als Wissenschaftler über 20 Jahre lang das Neue Testament und das Christentum als Fachgebiet studiert habe. Ein konstruktives Gespräch kam nicht zustande. Da mich Kontroversen naturgemäß interessieren, setzte ich "Zealot: The life and times of Jesus of Nazareth" auf meine Wunschliste und kaufte es mir schließlich, als es kürzlich in einem Kindle-Deal günstig erhältlich war.

Zum Buch: "Zealot" ist eine wissenschaftliche Annäherung an die historische Figur des Jesus von Nazaret. Genau so und nicht anders muss man es lesen. Es ist keine die christlichen Evangelien stützende Abhandlung mit einer Handvoll historischer Fußnoten, sondern der Versuch, Jesus als Person in einen historischen Kontext zu setzen, in eine Zeit, aus der es außer den Evangelien praktisch keine Schriften gibt, auf die sich die Wissenschaft stützen kann. Der Autor merkt daher auch immer wieder an, dass er mit "educated guesses" arbeiten muss, weil es für vieles keine historischen Nachweise gibt. "Zealot" ist kein trockenes Studienwerk, sondern eher eine Art Biographie, die sich erstaunlich flüssig lesen lässt. Ja, sie stellt einiges in Frage, was man als Christ als Wahrheit von klein auf gelehrt bekommt, was aber nicht heißt, dass Christen doof sind, sondern lediglich, dass man weiterhin nicht um den Glauben herumkommen wird in der Jesusnachfolge. "Zealot" hat mir einige wertvolle Verbindungen zwischen historischen Ereignissen, Evangelien und (Paulus-)Briefen geliefert. Einiges wirkte dagegen ziemlich abstrakt, sodass ich das Buch bestimmt noch einmal lesen werde, um es noch besser zu verstehen.





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1 Kommentar:

  1. Das Buch des Juden Shimon Gibson über "die sieben letzten Tage Jesu. Die archäologischen Tatsachen" (so der deutsche Titel bei C.H.Beck, im Original "The Final Days of Jesus. The Archaeological Evidence") hat wohl weniger Sturm heraufbeschworen... dabei legt es auch ein paar altüberlieferte Ansichten um.
    Azlan würde mich interessieren, allerdings auch vor dem Hintergrund, daß Albert Schweitzer schon vor etwa einem Jahrhundert in seiner "Geschichte der Leben-Jesu-Forschung" ziemlich klar gesagt hat, daß eine Rekonstruktion des "historischen Jesus" ziemlich unmöglich ist. Was dann dem florierenden Forschungszweig "Leben-Jesu-Forschung" den Todesstoß versetzt hat...

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