Sonntag, 9. März 2014

Purim, Purim !

Am 14. des Monats Adar* wird im Judentum das Purimfest begangen. Obwohl es nicht zu den in der Torah begründeten Hochfeiertagen gehört, hat es in der jüdischen Tradition einen hohen Stellenwert. Es markiert die Rettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung in der persischen Diaspora, die Haman, höchster Regierungsbeamte des persischen Königs Xerxes I., geplant hatte. Nur durch die jüdische Königin Esther, die pflichtbewusst und voll Glauben für ihr Volk eintrat, konnte der perfide Plan in letzter Minute abgewendet werden. Purim ist also ein Freudenfest, das ausgelassen begangen wird - selbst Trunkenheit ist an diesem Fest eine "Mitzvah", eine Pflichterfüllung, der sogar ultraorthodoxe Juden gerne nachkommen.

Für viele Kinder ist Purim das Fest, das sie über das Jahr am meisten herbeisehnen, denn sie dürfen sich verkleiden - in diesem Punkt erinnert Purim stark an Fasching, bzw. Karneval - und sie bekommen Unmengen an Süßigkeiten. Leider scheint beides von Jahr zu Jahr maßloser zu werden...

Wurde früher ein Tag festgesetzt, an dem die Kinder sich in Schule und Kindergarten verkleiden durften, so läuft man sich heute eine geschlagene Woche auf Purim warm (bzw. tot). Jeden Tag muss ein anderes Mottokostüm her: Mal Schlafanzüge, mal Tiere, mal lustige Hüte - bis am eigentlichen Kostümfest die Luft schon raus ist. Aber es hilft ja nichts, und so macht man gute Miene zum lästigen Spiel (morgen heißt das Motto "verkehrter Tag", hat dazu jemand spontan eine kreative Idee, außer Hose und Pulli auf links zu ziehen? Ich nämlich nicht) und hofft, dass die Woche bald rum ist. Zur Verkleidungsinflation in der Schule kommt bei uns noch ein Purimfest im Turnen (im Büro feiern wir zum Glück nicht) und dann - tataaa! - die große Purimparade der Stadt am Freitag. Die wird allerdings womöglich ausfallen müssen, es soll regnen.

Mishloach Manot - Quelle: wikipedia
Neben der Kostümpflicht ist eine weitere wichtige Tradition der Brauch der "Mischloach Manot", wörtlich "Portionssendungen", das heißt Körbe oder Schalen voll süßer Leckereien, die man in seinem Umfeld verschenkt. In der Klasse meiner Tochter werden diese Sendungen gewichtelt: jedes Kind zieht den Namen eines Mitschülers und bereitet diesem eine Mishloach Manot zu. Der pädagogische Sinn dahinter ist natürlich, dass die Kinder so auch einem Mitschüler, mit dem sie sonst eher nichts zu tun haben (wollen), eine Freude machen müssen. Ähnlich wird der Brauch auch in manchen Büros begangen. Soweit so gut. Zwiespältig bin ich auch hier eher der inflationären Ausübung des Brauchs gegenüber eingestellt, denn je nach sozialem Umfeld und Familiengröße kommen zu Purim Unmengen von Süßigkeiten und ungesunden Snacks zusammen. Diese sinnlose Maßlosigkeit wird in religiösen Familien noch dadurch verstärkt, dass man bis kurz vor dem Passafest alles gegessen haben muss, da das meiste Gebäck Mehl oder andere Zutaten enthält, die man zur Passazeit nicht nur nicht essen, sondern auch gar nicht im Haus haben darf. Wir halten uns von Jahr zu Jahr an die Pflichtübungen, was mitunter schade ist, weil die ätzende Purimmühle jeglichen kreativen Gedanken, vielleicht einmal wirklich jemandem eine besondere Freude zu machen, schon im Keim erstickt.

Hingegen etabliert sich das Hamantaschenbacken in unserer Familie als kleine, feine Purimtradition. Ich machte mir aus dem teigigen, oft sehr großen, typischen Purimgebäck nie wirklich viel, bis wir vor zwei Jahren um ersten Mal mit Freunden selbst welche backen durfte. Seither machen wir das jedes Jahr, mal mit Dattelfüllung, mal mit Pflaumenmus, mit Mohn oder Schokolade, und sie sind immer lecker. (Auch als Mishloach Manot)








*fällt dieses Jahr auf den 14. März




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