Sonntag, 2. März 2014

[Buch] Zwei deutsche Jugendbücher

Da die Buchtipps in letzter Zeit hier etwas zu kurz gekommen sind, habe ich mal in der Kiste gekramt und zwei ausgegraben, die ich schon vor einiger Zeit auf Goodreads eingestellt hatte. Zwei besonders wertvolle Schätze der modernen deutschen Jugendliteratur.


TschickTschick by Wolfgang Herrndorf
My rating: 5 of 5 stars

Maik Klingenberg, introvertierter Sohn aus gutbürgerlichem Haus und Andrej "Tschick", russischer Einwanderer aus Hellersdorf, sind auf den ersten Blick so unterschiedlich, wie zwei Teenager es nur sein können. Wahrscheinlich hätten sich ihre Wege niemals gekreuzt, hätte es Tschick nicht von der Förderschule auf Maiks Gymnasium geschafft, wo er aber von der Klasse weitgehend ignoriert wird.

Als zu Beginn der großen Ferien Maiks Mutter (mal wieder) in die Entzugsklinik geht und sein Vater mit seiner Assistentin verreist, liegt ein langer öder Sommer vor Maik. Doch dann taucht plötzlich Tschick mit einem "geliehenen" alten Lada auf und die Jungs treten spontan eine wahnwitzige Reise an.

Dieses Buch ist so wunderbar, dass ich mich ärgere, es nicht früher gelesen zu haben. Der Autor schildert die Gefühlswelt und Gedanken seiner Protagonisten so authentisch, dass ich mich sofort wieder in meine Schulzeit zurück versetzt fühlte. Man hört die Jungs beim Lesen förmlich sprechen, so echt wirkt die Sprache, ohne dabei arm oder billig zu wirken. Dieser besondere Stil in Kombination mit kuriosen, teilweise fast fantastischen Erlebnissen der beiden auf ihrem Trip durch den tiefsten Osten Deutschlands und die behutsame Entwicklung dieser ganz besonderen Freundschaft macht "Tschick" zu einer Perle der neuen deutschen Literatur.

Ein Jammer, dass Wolfgang Herrndorf so früh von uns gehen musste.

Hardcover, 253 Seiten | 2010 Rowohlt

***

ScherbenparkScherbenpark by Alina Bronsky
My rating: 4 of 5 stars

Scherbenpark von Alina Bronsky ist eines jener Bücher, das ich angefangen habe, weil die Autorin allerorten so gelobt wird für dieses Erstlingswerk. Es erzählt die Geschichte von Sascha, einer jungen brillianten Russin in Deutschland, die seit dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter durch deren Lebenspartner Vadim nur mehr zwei Ziele hat: Ein Buch über ihre Mutter zu schreiben und Vadim zu töten.

Letzteres malt sie sich in verschiedenen Szenarien sehr konkret und kreativ aus. Nebenher sorgt sie sich um ihre zwei jüngeren Geschwister, für die eine Verwandte aus Russland zwar liebevoll sorgt, ihnen über den Verlust der Mutter aber nicht hinweg helfen kann. Als Sascha dann auch noch in eine bizarre Dreiecksbeziehung zu einem Journalisten und dessen Sohn gerät, wird ihr Leben zwar überraschend aufregend, aber auch ziemlich kompliziert.

All das schildert Bronsky aus Saschas Perspektive nüchtern und messerscharf. Durch diesen analytisch-durchdachten Erzählstil schien es mir zunächst so, als habe Sascha ihre Situation und ihr Gefühlsleben im Griff, erst mit der Zeit wurde klar(er), was sich für ein zerbrechliches, traumatisiertes Wesen hinter der toughen Fassade der 17-jährigen verbirgt. Dabei sind Thematik und Sprache so glaubwürdig realitätsnah, dass mich diese Geschichte ziemlich beschäftigt hat.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für Jugendliche der Oberstufe, besonders im Rahmen einer Schullektüre mit kritischer Besprechung und Einordnung.

Hardcover, 286 Seite | 2008 Kiepenheuer & Witsch



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Kommentare:

  1. Das merke ich mir mal; meine Tochter wird schließlich demnächst 17.

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    1. Guter Plan, die Bücher sind wirklich gut, wenn auch teilweise recht hart, vor allem "Scherbenpark" fand ich nicht ganz leicht zu verkraften.

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