Samstag, 18. Januar 2014

Wir waren im Fernsehen

Naja beinahe. Unser Gelächter war im Fernsehen. Im zweiten israelischen Fernsehen gestern Abend zur besten Sendezeit.  

Das kam so....

Donnerstagabend saßen der Mann und ich in einem unscheinbaren Studio in Herzeliya als Zuschauer der israelischen Satireshow "Eretz Nehederet". 

Ich liebe diese Sendung seit ich in Israel bin. Klar, in den ersten Jahren konnte ich von den schnell gesprochenen Pointen und bösen Kommentaren nur rudimentäre Fragmente verstehen, die Mimik der Darsteller brachte mich aber schon damals zum Lachen. Inzwischen läuft die 11. Staffel. Nicht jede Sendung war gleichermaßen lustig, eine Zeitlang war das Format auch komplett ausgesetzt, aber wir sind der Show über die Jahre recht treu geblieben. Vor allem Tal Friedman und Eyal Kitzis schaffen es immer wieder, uns bei der Stange zu halten. 

Man könnte also fast sagen, wir sind Fans. Ich verfolge Eretz Nehederet zudem auf Facebook, dort gibt es täglich neue bissige, politisch meist überhaupt nicht korrekte Memes zum öffentlichen Leben in Israel. Als ich dort kürzlich auf ein Gesuch nach Zuschauern für die Sendungsaufzeichnung stieß, war ich sofort interessiert und erzählte dem Gatten davon. Der ergriff die Initiative (schockierend eigentlich!) und meldete uns im Studio an. 

Da die Show aktuelle Ereignisse des israelischen Wochengeschehens aufgreift, findet die Aufzeichnung der Freitagabendsendung jeweils donnerstags statt. So wurde in unserer Sendung nicht nur der Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, sondern auch der spektakuläre Sieg einer unscheinbaren philippinischen Gastarbeiterin bei einer Talentshow am Dienstag und die Hollandes Affäre aufgegriffen.

Es hieß, wir sollten um 18:00 vor Ort sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, waren wir schon eine halbe Stunde eher dort. Viel zu früh  - natürlich - also nutzten wir die Chance, noch schnell eine Pizza zu holen. Gegen 18:30 bekamen wir ein Zuschauerarmband und stellten uns in die Warteschlange zum Studio. Faktisch eingelassen wurden wir erst um 19:00, eine powerzwergige Platzeinweiserin scheuchte alle auf die Plätze.  Wieder war Warten angesagt.

Anders als in einer Live-Show fühlt sich das Studio einer Aufzeichnung eher an wie ein Filmstudio. Die Sendung wird nicht in der tatsächlichen Chronologie am Stück aufgezeichnet, sondern in einzelnen Sequenzen. Bevor es losging gab der Gastgeber der Sendung Eyal Kitzis ein kleines Stand-Up zum Aufwärmen und die Bühnenmanagerin erklärte uns den Ablauf. Spontanes ungestelltes Lachen sei immer gut, Applaus müsse ab und an etwas geplant werden, damit er nicht wichtige Pointen übertöne. (Praktisch hieß das, dass sie uns während der Aufnahmen immer wieder Zeichen gab, um den Applaus in die gewünschten Bahnen zu lenken). Ferner empfehle sie uns, die Aufzeichnung den Profis zu überlassen (sprich, nicht mit dem Handy mitzufilmen), da man sonst den ganzen Spaß verpasse und am Ende ohnehin nur ein Video mit ungeziefergroßen Darsteller in schlechter Qualität dabei herauskäme. Das fand ich doch überraschend,  ich hätte eher mit einem kategorischen Film- und Fotoverbot gerechnet, aber das ist wahrscheinlich ohnehin ein "lost battle" in Israel. 

Die tatsächliche Aufzeichnungen gingen Schlag auf Schlag. Einige Szenen mussten wiederholt werden, einige Versprecher korrigiert,  aber alles in allem merkte man, dass die Schauspiel Profis sind, die es gewohnt sind, schnell und effizient ihr Ding durchzuziehen. Zwischen den Drehs gab es allerlei Quatsch - ein Darsteller hatte viel Spaß mit einem Würstchen, ein anderer lästerte ausgiebig über das verschlafene Publikum gegen Ende des Abends, etc.

Es war aber auch ein langer Abend. So lang, dass mittendrin (typisch Israelis?) viele Zuschauer die Lust verloren und einfach gingen. Sehr zum Frust der Veranstalter obwohl man auf dem Filmmaterial das Publikum praktisch kaum sieht, bzw. nur in ganz kurzen Schwenks durch den dunklen Saal.

Gegen 22:30 wurden wir offiziell entlassen. Trotz mancher Längen zwischendurch hatten wir alles in allem einen sehr vergnüglichen Abend. Wenn es nicht so weit und babysittertechnisch schwierig wäre,  würde ich das glatt wieder machen 

Wer Hebräisch kann und sich die Sendung ansehen (und unser Gelächter hören) will, hier ist der Link zum Online-Stream: Klick



"Lihi Hashtag" mit Eyal Kitzis
Tal Friedman und Eyal Kitzis

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