Dienstag, 28. Januar 2014

Fotografie am Rande des Nahostkonflikts

Die israelische Fotografin Noa Ben-Shalom hat über Jahre hinweg wesentliche Ereignisse des Nahostkonflikts durch die Linse ihrer Kamera betrachtet. Jetzt möchte sie eine Auswahl ihrer Fotografien in einem Bildband veröffentlichen. Dazu nutzt sie Crowdfunding.

Beim Crowdfunding wird ein Produkt verkauft, bevor es überhaupt in Produktion geht. Diese ersten Erlöse werden dann dazu eingesetzt, das Produkt herstellen und auf den Markt bringen zu können. Dazu muss der Initiator zunächst einen Zielbetrag und einen Zeitraum festlegen. Kommt in dieser Zeit der Gesamtbetrag nicht zusammen, erfolgt auch keine Zahlung. Wird der Betrag aber wie gehofft erreicht, werden die versprochenen Beträge fällig, das Produkt geht in die Herstellung und die Crowdfunding-Teilnehmer erhalten ihre Ware wenn sie fertiggestellt ist.

Der Kunde muss dem Produzenten also einen gewissen Vertrauensvorschuss entgegenbringen. In diesem Fall ist mir der Name der Fotografin bekannt,  eine Kollegin ist zudem mit ihr befreundet, das macht das Risiko für mich kalkulierbar genug, zum ersten Mal überhaupt ein Crowdfunding-Projekt zu unterstützen. 

Wieso dieses Projekt mein Interesse geweckt hat? Weil mich das Anliegen der Fotografin überzeugt. Seit der zweiten Intifada hält sie den Nahostkonflikt im Bild fest und verzichtet dabei bewusst auf viel strapazierte Motive der Medien. Stattdessen, so sagt sie in ihrem kurzen Video zum Projekt (s. unten), habe sie nach der Verletzlichkeit der Menschen in Schlüsselmomenten des Konflikts der letzten 13. Jahre gesucht. Der in ihrem geplanten Buch abgebildete Zeitraum (2000-2013) deckt sich ziemlich genau mit meinem Leben hier in Israel. Seit ich das erste Mal hier gelandet bin habe ich zum Teil hautnah erlebt, wie der Konflikt die Menschen belastet. Und zwar nicht nur meine beiden Freundinnen, die brutale Terroranschläge überlebt haben und mit dieser grausamen Erfahrung ihr Leben lang leben werden, oder die Kinder von "Chutzpi", die im Süden leben und regelmäßig im Bunker übernachten müssen, sondern auch die, denen es "gut" geht, die ihr Leben scheinbar sorglos - vielleicht sogar im glitzernden Tel Aviv - leben und versuchen so zu tun, als tangiere sie das alles überhaupt nicht. Aber der Konflikt ist immer da. Die Anspannung, die lauernde Gefahr eines weiteren Krieges, die Sorge, dass der Terror zurückkehren könnte, die Angst um das eigene Kind im aktiven Militärdienst - immer sind sie unterbewusst da. Dazu kommt, dass es mir persönlich immer schwerer fällt, diese kleine Welt hier in ordentliche Schubladen zu sortieren. Als ich hier ankam, war die Situation für mich ganz klar. Schwarz/Weiß. Ich wusste genau, wer die "Guten" und wer die "Bösen" sind und konnte das auch wunderbar verargumentieren. Inzwischen weiß ich, dass es so einfach nicht ist und bin überzeugt, dass kein denkender Mensch langfristig diesen Konflikt betrachten und dennoch auf einem einseitigen Standpunkt beharren kann. Keiner würde behaupten, dass es eine einfache Lösung gibt. Aber es hilft, die Menschen und ihre realen Nöte zu sehen. Ihre Resignation und die zunehmend schwindende Hoffnung, irgendwann doch noch in Frieden leben zu können.

Bis morgen hat Noa Ben-Shalom noch Zeit, ihr Startkapital von 25.000 ILS (etwa 5000 Euro) zu erreichen, 91% hat sie bis jetzt. Unterstützen kann man das Projekt bereits mit nur 40 ILS, das eBook gibt es für 60 NIS, den gebundenen Bildband für 120 ILS.

Zur Crowdfunding-Seite.



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