Mittwoch, 1. Januar 2014

[Buch] Lieblingsbuch 12/2013: Charles Dickens' Christmas Carol

Mein Dezemberbuch für die Lieblingsbücher-Challenge ist ein Klassiker. Charles Dickens' Christmas Carol hat mich schon als Kind begeistert. Damals, ich war vielleicht 10 oder so, bekam ich einen weihnachtlichen Donald Duck und Micky Maus-Sammelband geschenkt, in dem unter anderem A Christmas Carol nacherzählt wurde. Der geizige Dagobert spielte natürlich Scrooge, Micky Maus seinen armen Angestellten Bob Cratchit, Donald Duck Scrooges Neffen und Tick, Trick und Track die drei Geister. Das mag infantil (und sogar blasphemisch) wirken, aber mich hat die Geschichte damals angesprochen, obwohl ich erst viel später lernen würde, dass es sich bei der Vorlage um einen Klassiker der Weltliteratur handelt.

Auch später ist mir Dickens immer wieder begegnet. Als Studentin verschickte ich in einem Jahr einen Emailadventskalender an meine Freunde mit dem Christmas Carol als Fortsetzungsgeschichte. Und erst im letzten Jahr bekam ich von Mama einen ganz ähnlichen Kalender geschenkt, mit einem Stückchen des Meisterwerks hinter jedem Türchen. Ein Krimi, den ich neulich las, greift ebenfalls die Thematik auf: The Christmas Carol Murders von Christopher Lord.

Doch zum Buch.

In A Christmas Carol steht der alte Geizhals Ebenezer Scrooge im Mittelpunkt. Die Handlung, die insgesamt nur etwa 1,5 Tage umfasst, steigt am Weihnachtsabend ein. Scrooge, der Weihnachten hasst, so wie er alles hasst, was nichts mit seinen äußerst rentablen Geschäften zu tun hat, ist gerade im Begriff Feierabend zu machen. Seinen Neffen, der ihn zum Weihnachtsessen einladen will, weist er schroff ab, ebenso wie zwei Bittsteller und einen Jungen, der vor seiner Tür Weihnachtslieder singt. Seinem Angestellten Bob gibt er nur widerwillig den Weihnachtstag frei, bevor er sich schließlich selbst auf den Weg nach Hause macht. Über Nacht besucht ihn nicht nur sein früherer Geschäftspartner Marley, der ihn davor warnt, so zu enden wie er und nach dem Tod für seine Skrupelosigkeit und Geizigkeit zu büßen, sondern auch drei Geister.

Der Geist der vergangenen Weihnacht zeigt Scrooge verschiedene Szenen aus seiner Kindheit und Jugend, die ihn nachdenklich machen. Der Geist der diesjährigen Weihnacht zeigt ihm seinen Neffen und seinen Angestellten Bob und dessen Familie beim Weihnachtsfest. Besonders betroffen macht Scrooge das Schicksal des kleinen Tim, der verkrüppelt und krank ist, weil die Familie kein Geld hat, ihn behandeln zu lassen. Der Geist der zukünftigen Weihnacht schließlich führt Scrooge auf eine Reise durch die Stadt. Überall hören sie die Leute darüber reden, dass jemand gestorben sei. Während überdeutlich wird, dass der Verstorbene sehr unbeliebt gewesen sein muss, bleibt zunächst offen, wer gemeint ist. In der Familie von Bob Cratchit wird ebenfalls getrauert - der kleine Tim ist verstorben. Als der Geist Scrooge schließlich auf den Friedhof führt, sieht Scrooge mit Erschrecken, dass sein eigener Name auf dem Grabstein steht. Verzweifelt fleht er den Geist an, ihm zu sagen, ob die Ereignisse bereits unumstößlich feststehen oder ob er sie noch durch ein verändertes Leben beeinflussen kann, doch der Geist bleibt stumm. Schließlich verschwindet er in Scrooges Bettpfosten woraufhin Scrooge klar wird, dass er den Weihnachtstag noch vor sich hat.

Vollkommen verändert, beginnt er, gute Taten zu vollbringen. Er schickt Bob Cratchits Familie den größten Truthahn der Stadt, verspricht dem Bittsteller vom Vortag eine großzügige Spende und erscheint bei seinem Neffen zum Weihnachtsessen. Am nächsten Tag erhöht er Bobs Gehalt und nimmt sich persönlich der Behandlung des kleinen Tim an. Es bleibt kein Zweifel, dass Ebenezer Scrooge ein grundlegend anderer Mensch geworden ist.

A Christmas Carol ist eine Erlösungsgeschichte. Sie zeigt, dass auch der übelste Charakter sich ändern kann, wenn er es nur will. Außerdem spricht mich das Motiv von Weihnachten als Fest der Liebe und Freude durch alle Gesellschaftsschichten hindurch an. Es führt den Leser zurück in eine Zeit, in der Weihnachten noch "einfach" war:  Ein Fest für Familie und Freunde mit einem guten Essen und vielleicht etwas Musik und Tanz. Ohne Schokoladenweihnachtsmänner im September, ohne "Black Friday" und ohne Geschenkestress. Es zeigt (und ja, vielleicht ist das ein wenig sehr geschönt in Dickens Geschichte, aber trotzdem), dass sogar die ärmsten der Gesellschaft an Weihnachten Freude finden konnten.




God bless us, every one!
 - Tiny Tim, A Christmas Carol 



Neue Fragmente per Email abonnieren:



1 Kommentar:

  1. Bin gerade über die "lesende Minderheit" auf deinen Eintrag gestoßen. Ich kann im Dezember auch nicht ohne ;-): http://www.leezenland.blogspot.de/2013/12/a-christmas-carol.html

    AntwortenLöschen