Donnerstag, 31. Oktober 2013

[Buch] 3 deutsche Krimis und Thriller für die lesende Minderheit (Mini-Rezension)


Das September/Oktober-Thema der lesenden Minderheit lautete

"Lies ein Buch, das von einer deutschen/einem deutschen Krimiautor geschrieben wurde!"

Ich habe in diesem Zeitraum drei passende Bücher gelesen, hier sind sie:


Die Tote Am Watt - ein Sylt KrimiDie Tote Am Watt - ein Sylt Krimi by Gisela Pauly
My rating: 3 of 5 stars

Mamma Carlotta aus Umbrien war noch nie in Deutschland. Nach dem Tod ihres Mannes, den sie jahrelang gepflegt hatte, ergreift sie endlich die Chance, ihren Schwiegersohn und ihre beiden Enkel zu besuchen. Ihre Tochter Lucia, die auf Sylt die Liebe und eine neue Heimat gefunden hatte, war leider einige Jahre zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommen.

Auf Sylt erwartet die lebenslustige "Nonna" nicht nur ein ganz anderes Klima, sondern auch ein rätselhafter Mord, in dem ihr Schwiegersohn ermittelt. Der hatte eigentlich damit gerechnet, dass Carlotta sich um Haus und Hof kümmern und ihn abends mit italienischen Mahlzeiten verwöhnen würde, doch weit gefehlt: Carlotta interessiert sich brennend für die Arbeit der Polizei und stellt schon bald ihre ganz eigenen Ermittlungen an.

Nach "Die Hebamme von Sylt" ist dies schon mein zweiter Roman von Gisa Pauly. Ich fand ihn aber wesentlich spritziger (dank Mamma Carlotta) und kompakter, was der Geschichte gut tut.

Zwar werden italienische Klischees für meinen Geschmack etwas zu inflationär verwendet und der Krimi kann nicht wirklich überraschen, die liebevoll ausgestaltete Kulisse und sympathische Charaktere machen das aber wett.

Insgesamt ein kurzweiliges Lesevergnügen für Italien - und Nordseefreunde.

***

SchattenmorellenSchattenmorellen by Sigrid Hunold-Reime
My rating: 4 of 5 stars

Als die 71-jährige Martha mit gebrochenem Arm und Gehirnerschütterung im Krankenhaus aufwacht, kann sie sich an den Unfall kaum erinnern. Die Erklärung, sie sei bei der Kirschernte von ihrer Schattenmorelle gefallen, überrascht sie jedoch nicht, schließlich erntet sie ihre Kirschen von jeher selbst.

Während sie auf ihre Entlassung wartet, kommen längst verdrängte Erinnerungen aus ihrer Jugend an die Oberfläche, und als dann auch noch das Nachbarsmädchen von früher eingeliefert wird, beginnt für die beiden Frauen ein schwieriger Aufarbeitungsprozess. Dabei merken sie zunächst nicht, dass auch im Jetzt reale Gefahren lauern.

Diese Geschichte hat mich gefesselt und amüsiert. Es war faszinierend, in Marthas Gedanken- und Gefühlswelt einzutauchen, den Krankenhausalltag (herrlich komisch) und ihre persönlichen Erinnerungen mit ihr zu erleben. Die klare stimmungsvolle Sprache machte die Lektüre für mich zu einem echten Genuss.

Die Krimihandlung war teilweise vorhersehbar und die Zusammenhänge wirkten ein wenig konstruiert und weit hergeholt, es blieb aber bis zum Schluss spannend.

Empfehlenswert für Freunde unblutiger Krimis mit emotionaler und psychologischer Tiefe.

***

Schweig still, süßer MundSchweig still, süßer Mund by Janet Clark
My rating: 4 of 5 stars

Als Janas beste Freundin Ella von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet, weiß sie sofort, dass ihr etwas zugestoßen sein muss. Leider steht sie mit dieser Befürchtung im Freundeskreis alleine da, und auch ihre Familie versucht sie immer wieder zu überzeugen, dass es für Ellas Verschwinden sicher eine ganz normale Erklärung gibt. So stellt Jana zunächst auf eigene Faust Nachforschungen an im Rahmen derer sie Dinge über Ella erfährt, die sie an ihrer Freundschaft zweifeln lassen. Dabei bringt sie sich selbst in Gefahr, denn der Täter ist ihr näher, als sie ahnt.

Dieser Jugendthriller ist gut geschrieben und stellt die Gefühlswelt des Teenagers Jana authentisch dar. Ein wenig naiv, manchmal unbeholfen und überstürzt, aber immer mutig, trifft sie ihre eigenen Entscheidungen und ist bereit, dafür gerade zu stehen. Unerschütterlich hält sie an ihrer Freundschaft zu Ella fest, das macht sie zu einer sehr sympathischen Heldin, auch wenn ich sie als Mutter manchmal am liebsten geschüttelt hätte. Die Story ist gut ausgedacht, der Täter bleibt menschlich mit seiner ganz eigenen sehr komplizierten Gefühlswelt und es gibt einige überraschende Wendungen.

Hat mich gut unterhalten.




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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Schulausflugsberichterstattung in Echtzeit

Schulausflugsberichterstattung.

Was für ein tolles Beispiel für zusammengesetzte Hauptwörter der deutschen Sprache - 30 Buchstaben in nur einem Wort, das hat schon was. Hebräische Wörter bringen es auf 5 oder 6 Buchstaben, wenn's hochkommt, die Vokale werden ja nicht ausgeschrieben. So schrumpfen auch länger klingende Wörter wie "Rakefet" ("Alpenveilchen") auf lächerliche 4 Buchstaben. Fremdwörter sind teilweise länger weil sie mehr vokalartige Konsonanten nutzen um eindeutig aussprechbar zu werden, "Smartphone" hat z.B. 8 Buchstaben. Länger werden Wörter dann wenn Präfixe oder Pronomen ins Spiel kommen. Die werden nämlich an das Hauptwort angehängt, "nach Hause" wird zu "Ha-Beitah". "An Moshe" zu "Le-Moshe".  "Meine Schwester" zu "Achot-i". Ja, so ist das mit dem Hebräisch, aber worauf wollte ich eigentlich hinaus?


Ach ja: Meine Tochter hatte heute ihren ersten Schulausflug. Die Aufregung imVorfeld war natürlich groß und alles ist gut verlaufen :) Da wir Smartphone-Eltern alle über WhatsApp vernetzt sind, bekamen wir den ganzen Vormittag über pausenlos Fotos von den diversen Begleitpersonen aufs Handy geliefert: Die Kinder im Bus, die Kinder im Streichelzoo, die Kinder beim Pitabrotbacken, die Kinder vor einem Riesenberg voller Snacks, usw. usw. Danach hatte ich fast das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein. Nachteil: Ich hatte gar keine richtige Veranlassung mir erzählen zu lassen, was sie denn alles erlebt haben auf ihrem Ausflug. (Habe natürlich trotzdem gefragt, klar.) Außerdem kam ich mir fast ein wenig voyeuristisch vor. Denn eigentlich ist so ein Ausflug ja auch ein kleines Abenteuer, bei dem man nicht unbedingt die Mama braucht, die einem virtuell über die Schulter schaut (selbst wenn man es gar nicht weiß).

Finde ich.




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Dienstag, 29. Oktober 2013

Webfragmente #9

In den letzten Tagen haben sich mal wieder einige interessante Webfragmente angesammelt.


-- Ein Artikel porträtiert nicht-jüdische Einwanderer in Israel: Israel-Schweiz vom 29.10.2013

-- ARD-Reportage "Antisemitismus heute - wie judenfeindlich ist Deutschland?":  ARD - Mediathek vom 28.10.2013 

-- Berlin ist eines der angesagtesten Besuchs- und Auswanderungsziele junger Israelis: Tagesspiegelartikel vom 7.10.2013

-- Seit Jahrzehnten reisen junge Menschen aus Deutschland als (Kibbutz-)Voluntäre nach Israel. Heute gibt es zunehmend auch israelische Voluntäre in Deutschland: Die Welt vom 13.10.2013

-- Am Beispiel der israelischen Klinikclowns zeigt sich die innovative, unkomplizierte Mentalität des israelischen Alltags. Hierzulande kann man heute sogar einen Bachelor als Klinikclown anstreben: Die Welt vom 27.10.2013

-- Zuletzt eine für mich sehr überraschende, ja erfrischende Entdeckung sind diese beiden orthodoxen Brüder. Die sind tatsächlich "echt" und kandidieren derzeit sogar in einer neuen Musikcastingshow.



Freitag, 25. Oktober 2013

Musik zum Wochenende

Heute mal ein etwas anderes Musikvideo. Unsere Freundin Kay Wilson wurde vor drei Jahren Opfer eines brutalen Terroranschlages, als sie mit einer Bekannten in der Nähe von Jerusalem wandern war. Kay überlebte über ein Dutzend Messerstiche und konnte sich letztlich bis zu einem Wanderparkplatz retten, ihre Freundin Kristine Luken verstarb noch am Tatort.

Im folgenden Video spielt Kay ihre berührende Instrumentalinterpretation ihres Lieblingsliedes "Over the Rainbow" im Gedenken an ihre Freundin Kristine Luken und ein weiteres Opfer der selben Terrorzelle, Neta Blat-Sorek.




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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Biofrust

Ich habe das Gefühl, dass das Bewusstsein der Deutschen für Bioprodukte von Jahr zu Jahr steigt. Sei es in der Kantine, in der ich bei meinen Fortbildungen einmal im Jahr verköstigt werde, oder bei Aldi - es scheint inzwischen sehr leicht und nicht mal mehr übermäßig teuer, sich schwerpunktmäßig mit Bioprodukten zu ernähren. Als ich das letzte Mal mit Mama bei Aldi-Süd war, bekam ich fast ein wenig feuchte Augen, als ich sah, dass es auch für so profane Artikel wie Salamiaufschnitt und Hackfleisch eine abgepackte Biovariante gibt. Man kann sicher darüber streiten, ob nun die Aldi-Bioqualität an die Qualität "richtiger" Bioläden der alten Schule heranreicht, ich jedenfalls halte den Trend, Bio zunehmend auch als Massenware zugänglich zu machen für positiv.

Und er lässt mich neidisch gen Heimat schielen.

Hier in Israel sind "wir" immer etwas hinterher mit den Trends aus Europa, die USA sind eher unser Vorbild, was dazu führt, dass nachhaltige Ideen wie Recycling und Bio sich erst in den letzten paar Jahren ganz langsam ins kollektive Bewusstsein schleichen.

Bis vor rund einem Jahr habe ich mir regelmäßig eine Biokiste mit Gemüse direkt vom Feld bestellt. Allerdings war die von so gigantischen Ausmaßen, dass wir es als 3 Personenhaushalt nie geschafft haben, alles zu verbrauchen, bevor manches schon wieder schlecht wurde. Bevorraten geht bei Frischware (gerade bei Bio) ja auch nicht wirklich, sodass ich von dieser Lösung erstmal wieder abgekommen bin. Zumal just gerade in meinem Stammsupermarkt eine "gesunde" Abteilung eröffnet hatte. Mit Obst und Gemüse aus biologischem Anbau, alternatven Produkten wie Soja, Tofu, glutenfreien Waren, biologischen Putzmitteln, Bionade (ja, sogar!),  etc.  Diese Abteilung legte einen sehr vielversprechenden Start hin, mit einer wirklich ordentlichen Auswahl an Frischware in Bioqualität. Anfangs schien es auch so, dass dieses Angebot von vielen genutzt und ansonsten mindestens neugierig wahrgenommen wurde.

In der letzten Zeit werde ich allerdings das Gefühl nicht los, dass das Projekt kurz vor dem Scheitern steht. Mir scheint, ich bin eine der letzten tapferen Kundinnen, denn die Frischware wurde nach und nach immer mehr von haltbaren Artikeln verdrängt und "frisch" trifft auf dieses Sortiment sowieso nur noch selten, mit Glück etwa einmal die Woche wirklich zu. An den meisten Tagen vegetieren (!) die Gurken, Tomaten und Zwiebeln in ihren Körben vor sich hin. Und wenn das doppelt bis dreimal so teure Biogemüse wesentlich schlechter und ungesünder aussieht als das konventionelle, wundert es nicht wirklich, dass nur noch vereinzelte Hardcore-Bio-Enthusiasten sich überhaupt die Mühe machen, noch in diese traurigen Kisten zu schauen und die genießbaren Teile rauszupicken.

Schade ist das. Sehr schade.

die gigantische Biokiste aus besseren Zeiten


Freitag, 18. Oktober 2013

[Buch] Lieblingsbuch 10/2013 - The Horse and his boy

Mein Oktoberbuch für die Lieblingsbücherchallenge ist C.S. Lewis' "The Horse and his Boy" aus den Chroniken von Narnia.


The Horse and His Boy (Chronicles of Narnia, #3)The Horse and His Boy by C.S. Lewis
My rating: 5 of 5 stars

Ich liebe alle 7 Bände der Narnia-Chroniken. Sie gehören zu den Büchern, die ich immer wieder lesen und in denen ich jedes Mal neue Weisheiten entdecken kann. Innerhalb der Chroniken hatte "The Horse and his Boy" (Deutsch: "Der Ritt nach Narnia") schon immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.

Bereits der (Original)Titel macht neugierig und ist eigentlich ein Rätsel: Sollte es nicht "The Boy and his Horse" heißen? Eben nicht, und hier haben wir es dann auch gleich mit einer typisch Lewis-schen Pointe zu tun. In dieser Geschichte ist es nämlich nicht ein Mensch, sondern das (sprechende) Pferd, das den Ton angibt und dem armen Fischerknaben nicht nur zur Flucht in ein besseres Leben ("Narnia and the North!") verhilft, sondern ihm auch geduldig das Reiten beibringt und manche Weisheit lehrt. Unterwegs treffen sie ein weiteres Paar ungleicher Flüchtlinge: die adlige Aravis, die mit ihrer Stute, die wie Bree zu den sprechenden Pferden von Narnia gehört, vor einer Zwangsheirat geflohen ist. Zunächst widerwillig gehen sie eine Allianz ein und machen sich gemeinsam auf den gefährlichen Weg durch die Wüste nach Narnia.

"The Horse and his Boy" ist chronologisch der dritte Band der Narnia-Chroniken und spielt zur Zeit der Regierung von Peter, Edmund, Susan und Lucy. Die Pevensies tauchen in der Geschichte dann auch auf, allerdings nur als Nebenrollen, die Haupthandlung dreht sich klar um Shasta und seine Gefährten.

Insgesamt ist diese Geschichte weniger actionreich als manch andere Narnia-Chronik, ihr Zauber liegt in den leisen Tönen, Dialogen und Gedanken der Protagonisten. Während Shasta die klassische Rolle eines naiven,jedoch herzensguten rags-to-riches-Helden spielt, glänzt Aravis als selbstbewusstes Vorbild für Mädchen, sich zu behaupten und für die eigenen Ziele einzustehen.

Typisch C.S. Lewis steckt auch in diesem Band ein Gutteil Moral und Charakterentwicklung für die der Löwe Aslan Impulse liefert.

***

Alle gesammelten Lieblingsbücher und weitere Infos findet ihr direkt auf meiner Challenge-Seite

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Kultur!

Tel Aviv, die israelische Kulturhauptstadt, hat viel zu bieten. Ob Kunst, (klassische) Musik, Theater, Tanz oder Film, der urbane Schöngeist hat freie Auswahl aus einem breiten Spektrum von spannenden Projekten und Veranstaltungen. Da ich nicht direkt in Tel Aviv wohne, schaffe ich es am Abend bedauerlicherweise viel zu selten in die "beste Stadt", doch gestern habe ich die Reise (und die Parkplatzsuche) mal wieder auf mich genommen. Auf dem Programm stand die Eröffnung einer Fotokunstausstellung mit dem Fotografen und die israelische Erstaufführung des preisgekrönten Berliner Films "Oh boy" in der Tel Aviver Cinematheque mit dem Produzenten.

Es war großartig.


Schaustelle Tel Aviv-Berlin

In einem beeindruckenden Fotoprojekt hat der Künstler Max Norz Subkulturen in Tel Aviv und Berlin abgebildet. Dabei richtete er sein Objektiv primär und bewusst auf die Menschen am Rande der Gesellschaft dieser vibrierenden Städte: Junkies, Dealer, Flüchtlinge, Prostituierte, Obdachlose, Alte, Punks - die Fotografien sind schonungslos echt, nichts scheint retuschiert, im Gegenteil wirken sie auf mich wie eine sehr authentische Abbildung der Realität. Schön im klassischen Sinn sind sie nicht, diese düsteren schwarzgerahmten Fotografien, dafür gehen sie umso mehr unter die Haut. Viele Modelle sehen dem Betrachter direkt in die Augen, von herausfordernd-provokativ bis resigniert sieht man eine Bandbreite von Emotionen und Gesichtsausdrücken. Sie holen mich aus meiner "comfort zone", zwingen mich, sie und ihre Welt wahrzunehmen, die ich in der Regel meide, um meine Illusion der wunderbaren Großstadt zu bewahren, und um mich nicht emotional investieren zu müssen. Ich kann nicht umhin, den Künstler dafür zu bewundern, dass er es schafft, das Vertrauen seiner Modelle zu gewinnen und eine Beziehung zu ihnen herzustellen, die derartig lebendige Fotografien hervorbringt. Leider war er den Abend über so sehr in Gespräche vertieft, dass ich mich nicht wirklich mit ihm unterhalten konnte. Erstaunlich war für mich auch, wie ähnlich die Tel Aviver und Berliner Motive sich waren. Bei manchen hätte ich nicht mit Sicherheit sagen können, in welcher Stadt sie jeweils aufgenommen wurden. Letztlich spielt das aber auch keine Rolle, denn es sind immer die Menschen, die bei Max Norz' Schaustelle im Mittelpunkt stehen.

Die Ausstellung ist noch bis Mitte November in der Cinematheque Tel Aviv zu sehen. Einen ersten Eindruck vermittelt auch diese Galerie, ein Interview mit dem Künstler gibt es hier.

Homepage Max Norz: www.mnorz.de


Oh boy

Film von Jan-Ole Gerster.

Niko Fischer lebt in Berlin und lässt sich durch sein Leben treiben. Sein Jurastudium hat er längst abgebrochen, eine wirkliche Perspektive für sein Leben scheint er jedoch nicht zu haben. Im Laufe eines Tages und einer Nacht begegnet Niko an alltäglichen und völlig abgedrehten Orten den verschiedensten Menschen und durchlebt eine Reihe von kuriosen bis nachdenklich stimmenden Ereignissen, auf der Suche nach Nähe und seinem Platz in der Welt. (Und Kaffee....)

Dieser Überraschungserfolg des deutschen Films in schwarz-weiß hat mich berührt und zum Lachen gebracht. Wunderbare Bilder aus dem Herzen Berlins und das glaubwürdige Portrait Niko Fischers als Vertreter der jungen Berliner Bevölkerung machen den Zauber von Oh boy aus. Anfangs ist es noch ungewohnt, dass der Film ohne Farbe auskommt, doch schon nach wenigen Minuten habe ich das gar nicht mehr wahrgenommen.

In einer Fragerunde nach dem Film erklärt der anwesende Produzent Alexander Wadouh wie schwierig es ist, dem breiten Publikum einen s/w-Film zu verkaufen und dass so ein Wagnis eigentlich nur als Filmdebüt überhaupt denkbar ist. Ich finde, der Verzicht auf Farbe verleiht Oh boy eine ganz besondere Note, denn er lenkt den Blick auf das Wesentliche - die talentierten Schauspieler (das Mimenspiel von Tom Schilling als Niko Fischer ist unerreicht) und die herausragenden Dialoge.





Samstag, 12. Oktober 2013

12 von 12 im Oktober 2013

Wie an jedem Monatszwölften habe ich auch heute wieder 12 Bilder geknipst. Wir haben einen äußerst friedvollen, entspannten und dennoch ausgefüllten Shabbat erlebt. Ausgeruht, gewerkelt, gespielt, gelesen und schwimmen waren wir auch. Das Mädchen kann jetzt nämlich scheinbar echt schwimmen. Heute hat sie's bewiesen und fast eine ganze Bahn im tiefen Becken geschafft. Leider habe ich davon kein Bild, im Badeanzug lässt sich der Android so schlecht verstauen....

Die 12-von-12 der BloggerkollegInnen könnt ihr wie immer bei Draußen nur Kännchen bewundern. Dort ist das Wetter leider nicht mehr so wunderschön wie bei uns zur Zeit....

Morgenhimmel
Wäsche! 
Balkonkasten #1
Balkonkasten #2
Heimwerkerprojekt - BEKVÄM Tritthocker
auf dem Nachttisch
Installation mit Feen (nicht im Bild: einige IKEA-Schrauben, die
auch mitspielen durften, weiß der Geier warum...)
BEKVÄM, zweite Runde (nachdem der Hocker nach
 dem ersten Zusammenbauen wackelte wie Sau...)
BEKVÄM fertig! (schon BEHANDLAT und nur noch minimal wackelnd)
Hausaufgaben
es ist immer noch Flip-Flop-Wetter bei uns ^^
Frühabendhimmel





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Freitag, 11. Oktober 2013

Date Night - eher nicht....

Amerikanische Paare schwören auf die "Date Night",  einen festen Abend in der Woche, an dem man ausgeht oder wenigstens ein Minimum an Zeit (ohne die Kinder!) miteinander verbringt. Das Netz ist voller Inspirationen und Ideen zur Date Night und für manche, so scheint es, ist die Date Night fast schon ein religiöses Ritual, sie zu verschieben oder gar abzusagen undenkbar. Obwohl noch nicht abschließend geklärt zu sein scheint, was man nun genau unter einer Date Night zu verstehen hat und was sie beinhalten sollte, sind sich die allermeisten darin einig, dass der regelmäßige Paarabend essentieller Bestandteil einer glücklichen Partnerschaft ist.

Wiktionary

In unserer deutsch-israelischen Realität sind wir weit entfernt von einer regelmäßigen Date Night. Das liegt zum einen daran, dass wir es auch nach über 6 Jahren noch nicht geschafft haben, einen Babysitter nach unseren Vorstellungen "auszubilden". Zum anderen bin ich überzeugt, dass die Wochen und Monate in Israel viel schneller ins Land gehen, als in den USA, anders kann ich mir nicht erklären, warum wir mit dem schnöden Alltag kaum hinterherkommen und nicht mal Zeit finden, über ein richtiges Date überhaupt nachzudenken. So kommen wir meist nicht über eine DVD auf dem heimischen Sofa heraus.

Wenn wir dann mal außer Haus Paarzeit verbringen, dann höchstens freitagvormittags zum Frühstück. Zwar muss man sich freitags auch um die Stehplätze in den Cafés fast prügeln (schließlich haben die meisten Eltern frei und nutzen den Schulvormittag für Date-Aktivitäten),  aber wenn wir das tatsächlich mal schaffen (so etwa 3x im Jahr) ist es den Stress doch wert. Heute wollten wir ein solches  Frühstücksdate mit einem Besuch bei IKEA verbinden. Leider ging direkt vor unserem Aufbruch um halb 9 ein Anruf auf dem (Geschäfts)Handy des Herrn IT-Beauftragten ein: Im Büro gäbe es Probleme mit dem Netzwerk, genauer gesagt funktioniere überhaupt nichts. Diese lästige Information führte dazu, dass er im Treppenhaus, auf der Autofahrt zu IKEA, in der Cafeteriaschlange, während des Frühstücks und beim Einkaufen danach mit kurzen Unterbrechungen, in denen er sich über die Unfähigkeit seiner Teamkollegen aufregte, dauernd am Telefon war. 

Hat uns als Paar jetzt nicht so richitg weitergebracht, sag ich mal.




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Montag, 7. Oktober 2013

Der Winter kommt...

Sogar in Israel wird es nach dem Sommer, und sei er noch so lang und anstrengend, Herbst und irgendwann Winter. Erste Anzeichen dafür sind folgende:

Die Laune des Gatten hat sich mit Ablauf seines Hassmonats August schlagartig drastisch verbessert.  Wenn abends ein kühler Luftzug zur Balkontür hereinweht und der Wetterbericht sagt, es sei "ungewöhnlich kühl für die Saison", kann er sogar auf die Klimaanlage verzichten. Ich hülle mich derweil schon mal in meine warme Fernsehdecke und habe im Schlafzimmer das dünne Pique-Laken gegen meine kuschlige Übergangsdecke eingetauscht. Das Federbett erschien mir dann doch noch zu extrem.

Das Außenbecken im Fitnessclub ist seit einer Woche geschlossen. Ich hätte auch im Oktober gerne weiterhin meine Bahnen gezogen, aber da Freibäder hierzulande nicht beheizt werden, gehöre ich damit leider einer hartgesottenen Minderheit an (ich muss aus Europa stammen....). Außerdem hat es vor zwei Wochen sogar einmal für 15 Minuten geregnet, es ist also praktisch schon tiefster Winter. Da ich mich gestern nicht überwinden konnte, stattdessen im überheizten Innenbecken zu schwimmen, habe ich alternativ beschlossen, die Saunasaison für mich zu eröffnen. Man muss ja zeitig das Immunsystem auf Trab bringen. Weswegen der Gatte übrigens seit ein paar Tagen auch sehr dahinter her ist, zweimal täglich pflanzlichen Abwehrkräftesaft ins Kind zu bringen.

Ebenfalls gestern habe ich meine neuen Hausschuhe eingeweiht. Kuschlig warm und ziemlich kitschig schützen sie meine Füße vor den kalten Fliesen zuhause. Und ich muss darauf achten, dass die kleinen Mädchenfüße in Socken stecken, wenn sie durch die Wohnung wuseln.

Apropos Mädchen: Die einst wunderschönen hellrosanen Ledersandalen sehen zum Ende einer harten Sommersaison aus, als wären sie schon von 7 Geschwisterkindern getragen worden. Wird Zeit, dass es wirklich kalt wird,  damit wir sie endlich guten Gewissens entsorgen können.

Ein untrügliches Zeichen für die nahende kalte Jahreszeit ist dieses Jahr allerdings weggefallen: Die Zeitumstellung der Uhren von Sommer- auf Winterzeit. Bisher fand die Umstellung immer kurz vor Jom Kippur statt, damit es gegen Ende der Fastenzeit früher dunkel wird, ergo der Fastentag früher endet und damit kürzer wirkt. Da sich die jüdischen Feiertage nach dem jüdischen Mondkalender richten und von Jahr zu Jahr auf ein anderes Datum fallen, hätte das in diesem Jahr bedeutet, die Uhren bereits Anfang September auf Winterzeit umzustellen - quasi noch mitten im israelischen Sommer also. Seit Jahren lagen sich Gegner und Befürworter dieser religiös motivierten Zeitumstellung in den Haaren, jetzt ist es endlich soweit: Israel wird ab 2013 zeitgleich mit den europäischen Ländern umstellen, am 27. Oktober. Da diese gewichtige Entscheidung erst kurz vor knapp getroffen wurde, ging das mit einigen technischen Problemen einher, die nach wie vor nicht behoben sind. Im Mobilfunk sorgte die kurzfristige Planänderung beispielsweise dafür, dass viele Smartphones am 8. September trotzdem ungefragt auf Winterzeit umstellten. Allerdings nicht alle am gleichen Tag, meines wartete damit bis Ende September. Das merkwürdigste Phänomen lieferte aber unser Festnetztelefon. Das, so waren wir überzeugt, hat keinerlei Verbindung zu irgendeinem "smarten" Netzwerk, bis es sich pünktlich zum 8. September um eine Stunde zurückstellte. Nachdem wir mehrmals die Zeiteinstellung korrigiert hatten, gaben wir es entnervt auf und warten jetzt auf den 27. Oktober. Dann wird es wirklich Winterzeit. In Israel und in Europa.

Das kühle Wetter ist inzwischen wieder auf dem Rückzug. Bis zum Wochenende sollen die Temperaturen auf über 30 Grad steigen. Aber der Winter kommt schon noch. Irgendwann :)



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Mittwoch, 2. Oktober 2013

Hunger Games - Catching Fire is almost here.... (English)

.... and I can hardly wait. Only 50 days to go until the opening and possibly, since movies never open on Friday in Israel because of Shabbat we might get to see it even on the 21st before everyone else. It's happened before with major movie releases, as absurd as it may sound that our tiny country would get a head start.

Anyway, to keep us entertained while waiting, here's a new featurette with all new footage I came across today on Facebook, enjoy!




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[Buch] Mini-Rezensionen September (English)

Im September habe ich viel auf Englisch gelesen und auf Goodreads.com bewertet. Hier ist eine Auswahl:


The WinemakerThe Winemaker by Noah Gordon
My rating: 4 of 5 stars

I love Noah Gordon's books, always have. He's such an amazing story-teller and even though The Winemaker might not be his masterpiece (no book can possibly compete against the likes of The Physician or Shaman) I still enjoyed this pleasant story of Josep the grape farmer in 19th-Century-Spain who dreams of improving his produce to make his own wine.

The Winemaker is considerably shorter than some of Gordon's previous novels and covers a shorter time span but the story is still rich and intriguing enough to make for a wonderful read.

Auf Deutsch ist das Buch als Der Katalane erschienen. 



Capital Crimes
Capital Crimes by Jonathan Kellerman
My rating: 2 of 5 stars

Capital Crimes is a joint project of writers Faye and Jonathan Kellerman and contains two stand-alone crime novellas.

In the first novella My sister's keeper a controversial and outspoken state representative is brutally murdered in her office. As it turns out that she was a Lesbian and a number of family secrets are discovered the list of suspects grows. This story features Faye Kellerman's signature hero Lieut. Peter Decker.

This story dragged quite a bit and failed to keep me engaged and interested in the investigation. Relationships and connections between people felt forced to me and in the end I couldn't really care less who'd murdered the victim. I also didn't enjoy Pete Decker's appearance. I came to love him as the main character of Faye's previous novels and almost didn't recognize him in this one. Maybe his cameo was too short with only a couple of pages but still...

The second Music City Breakdown, in which an aged musician is murdered on the streets of Nashville prior to a performance, had a different atmosphere and pace to it that worked much better for me. Even though I'm not into music myself at all I could feel the passion everyone in this novel seemed to have about music. The crime investigation had a couple of nice twist and turns and maintained a rather high level of suspense till the end. This novella features Jonathan's signature hero Dr. Alex Delaware which I didn't know from previous reads but would love to get to know him better based on this cameo.



Color My HorseColor My Horse by Bev Pettersen
My rating: 4 of 5 stars

Jessica is an ambitious race skier who had to give up her career following a training injury. As if that's not enough her boyfriend walks out on her and her wealthy grandfather expects his heiress to join the family business. Jessica has other plans. She wants to open a dog kennel and agrees to take up a job as a horse groom to prove her grandfather that she won't shy away from hard work. At the race track she meets Mark who trains her grandfather's stake horses and is not happy at all with this new rookie groom. Soon he has to realize though that not only is Jessica a natural with the horses but also loves what she's doing and won't run back to her comfy life all that fast. And then there's the chemistry between her and Mark that both cannot ignore..

This is already my 5th Bev Pettersen book and I enjoyed it even more than some of the previous ones I read.

Again we are dealing with two strong and stubborn characters who are trying their best not to become attached and fail miserably at that... The romance is heartfelt and humorous at the same time - not too sweet and not too heavy. Even the mystery plot (which I've found a bit too predictable in some of Bev's novels) had me on edge as I couldn't quite figure out what was going on until the end.

Very recommended for lovers of horses and romance :)


IntwineIntwine by Christina Moss
My rating: 4 of 5 stars

Juliette is a sweet small town girl whose summer break starts off badly after she realizes her boyfriend cheated on her. A friendly dog she meets on the street helps her overcome her initial grief and when it turns out that his owner is a gorgeous alien rockstar from the other end of the galaxy, life will never be the same for her again.

If I had to sum up "Intwine" in five words I'd say it's Edward and Bella gone Sci-Fi ^^ Kudos to Christina Moss for thinking up such a lovely tale of romance and adventure, I enjoyed myself immensely and am curious to read how the saga around Julie and Seth continues.







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