Freitag, 6. Dezember 2013

Tagebuchbloggen am 5. Dezember

Mein Tag beginnt in aller Frühe mit Regen im Kinderzimmer. Eigentlich hatte ich den Fensterflügel nur einen winzigen Spalt offen gelassen (als ich zu Bett ging, war kein Regen in Sicht), um 5:00 stand dieses weit offen und der Wind trieb Regen- und Gischt ins Zimmer. Ich also beherzt zum Handtuch gegriffen und alles trocken gewischt, bevor ich mich wieder unter der warmen Bettdecke verkriechen konnte. Das Einschlafen fiel mir nach dieser ungemütlichen Episode nicht ganz leicht. Das Kind hingegen (natürlich in meinem Bett) verschlief das Drama. Um 6:15 reißt mich der Wecker schon wieder raus. Ich snooze noch zweimal bevor ich mich um 6:35 ziemlich gerädert aus dem Bett quäle. Danach schnell das Kind fertig gemacht und auf den Weg gebracht. Praktischerweise ist es draußen gerade regenfrei. Auf dem Weg zum Bahnhof friere ich aber. Es scheint fast, als sei der israelische Winter tatsächlich zu Besuch gekommen. Im Zug lese ich "Ein ganzes halbes Jahr" weiter. Erst gestern angefangen, bin ich bereits voll von dieser wirklich wunderbaren und außergewöhnlichen Geschichte gefangen. Blöd, dass heute nicht mein freier Tag ist. Gegen 8:15 in Tel Aviv angekomme, schaue ich bei meinem Mann im Krankenhaus vorbei (aber das ist eine andere Geschichte). Eine Abkürzung führt mich unter die Erde. Die bombensicheren Katakomben unter dem verschachtelten Krankenhauskomplex faszinieren und gruseln mich gleichermaßen. Immer wieder. Meist scheint es in den menschenleeren Gängen so, als sei man ganz allein in einer dystopischen Parallelwelt gelandet. Vorbei an unverputzten Rohren, ausgemusterten Rollstühlen und abgeblätterten Wandbemalungen muss man schon genau wissen, wo man abbiegen muss um ans Ziel zu kommen. Was sich hinter den anderen Abzweigen verbirgt , möchte man gar nicht so genau wissen, die wildesten Fantasien warten an diesem Ort geradezu darauf, mit einem durchzugehen. Und ohne Ivrit ist man sowieso aufgeschmissen, denn die spärliche Beschilderung ist nur einsprachig. Eine gute Stunde später im Büro dreht sich der Jahresabschlusszirkus. Die Stimmung ist aber gut: Manche freuen sich bereits auf ihren Weihnachtsurlaub, andere haben gerade Chanukkaurlaub, und in die Buchhaltung (also zu uns) flattern die letzten Rechnungen. Am Vormittag kommt der Regen auch nach Tel Aviv. Es windet und schüttet immer wieder vor unserem Fenster, und immer wieder ertappen wir uns dabei, wie wir faszinierend nach draußen starren. Mit der ganzen Aufregung geht der Tag schnell rum, obwohl ich heute länger arbeite als sonst. Kurz nach 17:00 verlasse ich das Büro. Da das Kind heute mit Freunden unterwegs ist, habe ich keinen Stress nach Hause zu komme. Dort angekommen werfe ich erstmal die Klimaanlage an, es ist wirklich kühl geworden. Vor dem Einschlafen, so gegen 0:00, lese ich die Geschichte von Lou und Will noch zuende. Ohne Tränen. Ich fand das Ende einfach nur toll.

Einen Soundtrack für diesen Tag habe ich auch. Bride - "I miss the rain", eine Ballade aus meiner Jugend ging mir den ganzen Tag durch den Kopf. Die vollständigen Lyrics passen überraschend gut auch zu meiner persönlichen Situation. Wie dem auch sei, hier ist sie:


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Die anderen Tagebucheinträge vom 5. Dezember sammelt wie immer Frau Brüllen





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1 Kommentar:

  1. "Im Zug lese ich "Ein ganzes halbes Jahr" weiter. Erst gestern angefangen, bin ich bereits voll von dieser wirklich wunderbaren und außergewöhnlichen Geschichte gefangen." *nickt* Jo, das habe ich als Premiere auf meinem neuen Tolino Shine gelesen, unter Vernachlässigung aller sozialen Kontakte.

    "in Tel Aviv angekommen, schaue ich bei meinem Mann im Krankenhaus vorbei (aber das ist eine andere Geschichte)." #knuddel Alles Gute!

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