Mittwoch, 18. Dezember 2013

Ivrit-Lesechallenge 2014

Seit 11 Jahren lebe ich in diesem Land. Inzwischen werde ich immer öfter für eine gebürtige Israelin gehalten, was wohl in erster Linie meinem Sprachtalent zu verdanken ist. Soll nicht angeberisch klingen, ist einfach so. Ein Geschenk. Neu-Hebräisch, "Ivrit" zu sprechen fällt mir schon lange nicht mehr viel schwerer als atmen, ich drücke mich auch im komplizierten Gespräch weitgehend fehlerfrei aus, ein Akzent, und insbesondere ein deutscher Akzent, ist nur noch selten hörbar (außer wenn ich wirklich sehr nervös bin), und mein Wortschatz sei, so hörte ich erst kürzlich wieder, erstaunlich.

Umso mehr fuchst es mich, dass es mir nach wie vor so schwer fällt, hebräische Literatur im Original zu lesen. Nicht, weil ich gar nicht lesen kann, sondern weil mich die hebräische Bleiwüste erschlägt und ich mich so mühsam durch jede Seite quälen muss.

Ein weiser Bekannter, der von diesem Frust Wind bekommen hatte, gab mir den Tipp, täglich die Zeitung zu lesen. Sogar die miese Gratiszeitung, die man am Bahnhof aufgedrängt bekommt, sei erstmal ok, so lange ich täglich mindestens eine Viertelstunde damit verbrächte. Mit der Zeit könne ich dann zu Haaretz aufsteigen und nach etwa einem halben Jahr auch mit Büchern anfangen, das sei alles eine Frage der Übung. 

Tja. Das riecht nach einer Challenge, würde ich sagen. Ich glaube, ich werde sie annehmen.

Das hohe Ziel:

Die großen israelischen Autoren lesen und es genießen.



Kommentare:

  1. Bei mir geht es immer umgekehrt. Lesen und übersetzen kann ich beim Erlernen fremder Sprachen relativ rasch - aber fürs Sprechen brauche ich immer viel länger... Dann bin ich mal gespannt, wie sich deine Lesechallenge gestatltet. Viel Erfolg!
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dieses blöde Alphabet ist halt schuld.... aber ich habe heute schon mein Zeitungssoll erfüllt :-)

      Löschen
  2. Muss es denn die Ha'aretz sein? Die "Palästinenserzeitung in Hebräischer Sprache"???? :)

    AntwortenLöschen
  3. Na, na... Vom Sprachniveau her gibt es kein vergleichbares Medium in diesem Land. Inhaltlich gehe ich sicher nicht mit jedem Artikel konform, aber ich schätze sie schon auch dafür, dass sie unangenehme Themen aufgreift, selbst wenn sie hässlich sind. Und sie ist mir ganz ehrlich lieber als das kostenlose Propagandablatt "Israel HaYom". Ich kann die Realitäten hier leider schon länger nicht mehr so schwarz-weiß sehen, wie früher.

    AntwortenLöschen
  4. Geht mir genauso. Durch das ein oder andere Buch hab ich mich schon durchgequält, aber es macht einfach keinen Spass. Von Entspannung spreche ich erst gar nicht!
    LG Sarah

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auch ich habe deine Qualen durchgemacht. Dein weiser Bekannte hat Recht: Nur ständiges Lesen bringt uns vorwärts. Aber warum Zeitungen? Viel mehr als Frust und Ärger bringen sie nicht, und jenes Blatt , das weit verbreitete, würde noch dein gutes Ivrit verderben.

      Mir haben Kinderbücher geholfen. "Michael und das Ungetüm aus Jerusalem" (Michael ve-ha-mifletzet mijiruschalayim) von Me´ir Schalev z.B. habe ich mit Vergnügen gelesen, ehrlich. (Die kongenialen Illustrationen von Immanuel Luzzati haben die Freude noch gesteigert) Auch ha-nassich ha-katan (Ja, le petit prince) habe ich genossen, und andere, die auch Erwachsenen etwa bieten, ebenso. Es gibt noch viele Schriftsteller von Rang und Namen, die sich nicht zu gut dünkten, für junges Publikum zu schreiben. Auch das Monatsheft "Einayim" bringt Vieles das Kindern und ihren Müttern Spass und Anregung verschafft., siehe www.,Einayim.com - Du hast ja zu Hause ein dankbares Publikum. Ausserdem greife ich immer wieder zu der Anthologie moderner hebräischer Lyrik, die ich mir vor x Jahren gegönnt habe. Das ist nicht nur für den Tag geschrieben, da bleibt etwas hängen. Das genaue Gegenteil billiger Tageszeitungen: Wenig Worte - viel Inhalt. -
      In jeder öffentlichen Bibliothek wirst du guten Lesestoff finden, vielleicht auch Kurzgeschichten von guten Autoren... Ich wünsche dir spannende Entdeckungsreisen! Vered

      Löschen
    2. Stimmt, Kinder und Jugendbücher sind auch ok. Da könnte ich wirklich mal nach israelischen Autoren schauen :-)

      Löschen