Sonntag, 29. Dezember 2013

A toast to worldwide web friends

Man kann über das Internet und die daraus resultierende Veränderung unseres sozialen Lebens (2013 habe ich genau einen Brief mit Umschlag und Marke verschickt) vieles sagen. Sicherlich auch viel negatives. Von oberflächlichen Kontakten, "Freunde"-Sammlern auf Facebook, vereinsamten Teenagern, die sich im Netz die Anerkennung suchen, die sie im wahren Leben vermissen, Eltern, die die Privatsphäre ihrer Kinder nicht schützen - bewusst oder unbewusst - und so weiter und so weiter. Von den ganz dunklen kriminellen Ecken des weltweiten Netzes will ich gar nicht reden, davon werde ich schwermütig und das soll hier ein positiver Beitrag werden.

Ein dankbarer Gruß an meine vielen Freunde im weltweiten Web. Ohne sie wäre mein Alltag ziemlich grau und öde. In meiner Welt sind die zwischenmenschlichen Kontakte im Netz nämlich schon längst nicht mehr von denen im "Real Life" zu trennen. Viele davon sind über die Jahre "echte" Beziehungen geworden, meine beste Freundin hier in Israel habe ich in einem deutschen Elternforum kennengelernt, vor über 6 Jahren.

Dort pflege ich noch weitere Beziehungen, manche sind mir so vertraut, als würde ich sie seit der Kindheit kennen, dabei habe ich sie noch nie "live" kennengelernt. Viele kenne ich inzwischen über verschiedene Plattformen, so entsteht über die Jahre ein recht umfassendes Bild einer Person. Und Freundschaften, ja tatsächlich Freundschaften, die ich nicht missen möchte und die ich auch nicht als zweitklassig betrachte, nur weil ich sie hauptsächlich oder ausschließlich online pflege. Einige habe ich über die Jahre auch "in echt" getroffen und in den allermeisten Fällen bestätigte sich dabei das Puzzle in meinem Kopf. Mit kleinen Abweichungen, keiner ist völlig transparent im Netz, keiner zeigt alles von sich. Wir haben uns schon Geschenke gemacht, schwere Zeiten durchgestanden, zusammen gelästert, gemeinsam gelacht - eben alles, was "echte" Freunde tun. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir uns selten(st) offline treffen.

Natürlich gibt es auch Freunde, die ich von früher oder nur flüchtig kenne, und mit denen ich über das Netz trotzdem in Verbindung bleibe. Eine entfernte Bekannte hat letztes Jahr einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Obwohl ich sie seit Jahren nur auf Facebook "sehe", wollte ich ihr mein Mitgefühl ausdrücken und schrieb in die persönliche Nachricht auch, dass ich hoffe, dass ich ihr damit nicht zu nahe trete, weil unser Kontakt fast nur virtuell existiert. Sie schrieb zurück:
Ich habe dich durch Facebook kennengelernt. Seltsam, aber wahr. Wir denken oft ähnlich, wir lesen die gleichen Artikel und lieben Bücher.
Überhaupt ist Anteilnahme ein ganz wunderbares Produkt der modernen weltweiten Vernetzung. Ich habe spontan organisierte Hilfsaktionen in Foren und auf Blogs gesehen, über die ich nur staunen konnte. Ich selbst weiß, dass ich mich in Zeiten, in denen es mir dreckig geht, an meine Freunde im Netz wenden und Zuspruch oder auch handfeste Unterstützung bekommen kann, wenn es sein muss.

Andere Online-Bekanntschaften kenne ich eigentlich gar nicht. Die paar Dutzend Follower meines nur unzulänglich gefütterten Twitter-Accounts zum Beispiel. Oder einige Bloggernachbarn, die regelmäßig vorbeischauen. Dennoch gibt es auch da den einen oder anderen, zu denen ich eine Verbindung habe, die ich nicht mehr anonym nennen kann. Weil es offensichtlich Gemeinsamkeiten gibt, und weil ich untrüglich spüre, dass wir uns auch über einem Bier oder beim Kaffee gut unterhalten würden.

Und dann ist da auch der ganz praktische Aspekt: Ich weiß, dass ich für jede Frage und jedes Problem im Netz zum Teil ganz persönliche Antworten finden werde. Nie war es so einfach wie heute, Gleichgesinnte zu finden, und sei man auch noch so ein schräger Vogel im "normalen" Umfeld. Ohne das Internet wäre ich nicht die Mutter geworden, die ich heute bin. Ohne das Internet hätte ich wahrscheinlich nie gelernt, wie man ohne Knorr- und Maggi-Fix kochen kann, womöglich noch mit unzerlegten Hühnern! Ohne das Internet würde ich mich mit all meinen schrägen Ansichten wahrscheinlich ziemlich unnormal fühlen, dank der riesigen Netzgemeinschaft weiß ich: Ich bin nicht als einzige durchgeknallt. Oder, um es mit C.S. Lewis zu sagen:


Eine Freundschaft wird in dem Moment geboren in dem eine Person zur anderen sagt: "Was, du auch? Ich dachte, dass nur ich .... "



In diesem Sinne:

D A N K E  
liebe Freunde!

Möge 2014 ein gutes Jahr für euch werden. Wir sehen uns.






Neue Fragmente per Email abonnieren:



Kommentare:

  1. Schön geschrieben!
    Scheinbar denken aktuell etliche ""Net-people" ähnlich und haben das Gefühl, sich und ihr Netzwerk irgendwie erklären zu müssen, weil, ja weil eben landläufig so oft alles was mit dem Internet zu tun hat als oberflächlich, tendenziell gefährlich, suchtgefährdend, verrohend usw. eingetütet wird.
    Ich bin eine Deiner Blognachbarinnen und bin auch immer wieder auf's neue fasziniert, wenn dieses Internet wieder ein neues Fenster in die Welt aufmacht.
    Ich wünsch Dir und Deiner Familie auch einen tollen Start ins neue Jahr!
    ahoi!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, es ist mir schon aufgefallen, dass dieses Thema gerade einige umtreibt. War mir aber ein echtes Anliegen. Schön, immer wieder neue Nachbarn kennenzulernen!

      Löschen
  2. Lieblingshadassa,

    ohne dich gäbe es meinen Blog zum Beispiel gar nicht. #knuddel dich feste.

    Ich wünsche dir und deiner Familie mindestens das bestmöglche 2014, das ich mir vorstellen kann.

    LG

    Christa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke liebe Christa. Es ist schön, dich kennen zu dürfen. Und die guten Wünsche gebe ich dir und deiner Familie gerne zurück :-*

      Löschen