Montag, 18. November 2013

[Buch] Lieblingsbuch 9/2013 - Scarlett


Mein Lieblingsbuch diesen Monat ist "Scarlett", die autorisierte Fortsetzung von "Vom Winde verweht" von Alexandra Ripley. Ich kann nicht mehr sagen, wie oft ich diesen Schmöker gelesen habe, der mich schon seit meiner Teenagerzeit begleitet. Mitchells Werk habe ich zwei, vielleicht dreimal, komplett gelesen, "Scarlett" bestimmt zehnmal so oft. Ich weiß, dass Kritiker dieses Buch überhaupt nicht mögen und dass eingefleischte Fans des Originals die Fortsetzung nachgerade hassen, warum gehört also ausgerechnet DAS zu meinen Lieblingsbüchern? 

Wohl hauptsächlich weil ich Scarlett mag. Ja, sie ist ein selbstsüchtiges verwöhntes Ding, lügt, betrügt, verletzt alle, denen was an ihr liegt und lässt insgesamt so viel verbrannte Erde hinter sich, dass man am Ende von "Vom Winde verweht" als moralisch korrekter Leser eigentlich ausrufen müsste "Selbst schuld! Geschieht ihr ganz recht!". Stattdessen möchte man mit ihr heulen, um sich schlagen und die Autorin dafür verfluchen, dass sie ihre Heldin vor so einem Scherbenhaufen im Stich lässt. Denn, und da glaube ich ist "Vom Winde verweht" tatsächlich sehr authentisch: Scarlett ist ein Opfer der Lebensumstände der damaligen Zeit. Die Liebesgeschichte mal ausgeklammert, bin ich mir sicher, es gab tatsächlich reiche Südstaatenmädchen wie sie, deren ganze Welt zugrunde ging, was sie zwang,  von heute auf morgen erwachsen werden, sich von ihrer Erziehung emanzipieren. Alles was man sie gelehrt hatte, war dekorativ zu sein und sich perfekt in eine ebenso komplexe wie arrogante Gesellschaft einzufügen, für Querdenker und Charakterköpfe gab es keinen Platz. Auf einen hässlichen, Jahre andauernden Krieg hatte keiner diese junge Generation vorbereitet. Scarlett setzt den Umständen ihre skrupellose Durchsetzungskraft entgegen und schafft es dadurch, nicht unterzugehen, sondern für ihr Umfeld zu sorgen, so widerwillig sie das auch mitunter tut. Im Laufe des Romans bringt sie das Kind ihrer Schwägerin zur Welt und flieht mit ihr gerade rechtzeitig vor dem Einmarsch der Yankees aus Atlanta, rettet ihre Familie durch harte Feldarbeit vor dem Hungertod und bewahrt schließlich die Plantage ihres Vaters vor dem Gerichtsvollzieher. Kritik der moralisierenden alten Gesellschaft schüttelt sie ab und macht sich selbst zur Außenseiterin, worunter sie immer wieder bitter leidet. Bei aller Tüchtigkeit und Weitsicht bleibt sie für die wahre Liebe zu Rhett Butler blind, und als ihr endlich bewusst wird, dass sie ihr eigenes Glück all die Jahre verleugnet hat, ist es zu spät. Tragisch. Und nicht halb so kitschig-romantisch, wie Ignoranten sich den Roman vorstellen. 

Soviel zu "Vom Winde verweht". 

"Scarlett" knüpft zeitlich unmittelbar an dieses düstere Ende an. Der Leser trifft auf eine Scarlett, die bereit ist, alles zu tun, um Rhett zurückzugewinnen. Rund 800 Seiten lang kämpft die einstige Südstaatenschönheit unermüdlich um ihre einzige Liebe, während sie sich abmüht, ihren Platz in der Gesellschaft, irgendeiner Gesellschaft, zu finden. Dabei muss sie viele Rückschläge einstecken und macht eine Entwicklung durch, an deren Ende sie auch mit sich selbst ins Reine kommt und wirklich frei wird.

Alexandra Ripley ist eine versierte Südstaatenautorin. In ihren Romanen malt sie ein farbenfrohes Bild des stolzen Südens, was ihr auch mit "Scarlett" gelingt. Wechselnde Schauplätze wie Charleston, Savannah und Irland mit ihren interessanten Bewohnern geben dem Roman Abwechslung und Charakter, ohne die Welt Margret Mitchells zu "verraten" oder Rahmenbedingungen zu verändern. Ich kann jedes Mal wieder aufs Neue ganz tief in diese faszinierende Märchenwelt des alten Südens eintauchen, mit seiner Etikette, den Reifröcken und Bällen. Nein, ich würde nicht so weit gehen, es Weltliteratur zu nennen, und Historiker hätten sicher auch so einiges zu meckern, aber diesen Anspruch stelle ich an meine Lieblingswohlfühlbücher auch nicht. Für mich fühlt sich "Scarlett" als Fortsetzung authentisch an, ich kann die beiden Werke heute fast nicht mehr voneinander trennen. Was aber auch daran liegt, dass ich nur dann restlos glücklich mit einem Buch sein kann, wenn es ein Happy End für die liebgewonnenen Charaktere gibt. 

Kommentare:

  1. Hhm, scheint, dass ich das Buch auch mal lesen sollte. Habe ich doch den schwarzen Lockenhund (nicht ohne Grund) nach Scarlett O'Hara benannt ;-)
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Dein (neues?) Logo ist so hübsch!

      Lies dir bei goodreads am Besten ein paar Bewertungen zu "Scarlett" durch, bevor du es anpackst. Gute und miese, ich bin da wohl nicht wirklich der Maßstab in diesem Fall ;-)

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    2. Das ist mein November-Logo ;-)
      Danke für den Tipp!
      Liebe Grüße
      Andrea

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