Mittwoch, 23. Oktober 2013

Biofrust

Ich habe das Gefühl, dass das Bewusstsein der Deutschen für Bioprodukte von Jahr zu Jahr steigt. Sei es in der Kantine, in der ich bei meinen Fortbildungen einmal im Jahr verköstigt werde, oder bei Aldi - es scheint inzwischen sehr leicht und nicht mal mehr übermäßig teuer, sich schwerpunktmäßig mit Bioprodukten zu ernähren. Als ich das letzte Mal mit Mama bei Aldi-Süd war, bekam ich fast ein wenig feuchte Augen, als ich sah, dass es auch für so profane Artikel wie Salamiaufschnitt und Hackfleisch eine abgepackte Biovariante gibt. Man kann sicher darüber streiten, ob nun die Aldi-Bioqualität an die Qualität "richtiger" Bioläden der alten Schule heranreicht, ich jedenfalls halte den Trend, Bio zunehmend auch als Massenware zugänglich zu machen für positiv.

Und er lässt mich neidisch gen Heimat schielen.

Hier in Israel sind "wir" immer etwas hinterher mit den Trends aus Europa, die USA sind eher unser Vorbild, was dazu führt, dass nachhaltige Ideen wie Recycling und Bio sich erst in den letzten paar Jahren ganz langsam ins kollektive Bewusstsein schleichen.

Bis vor rund einem Jahr habe ich mir regelmäßig eine Biokiste mit Gemüse direkt vom Feld bestellt. Allerdings war die von so gigantischen Ausmaßen, dass wir es als 3 Personenhaushalt nie geschafft haben, alles zu verbrauchen, bevor manches schon wieder schlecht wurde. Bevorraten geht bei Frischware (gerade bei Bio) ja auch nicht wirklich, sodass ich von dieser Lösung erstmal wieder abgekommen bin. Zumal just gerade in meinem Stammsupermarkt eine "gesunde" Abteilung eröffnet hatte. Mit Obst und Gemüse aus biologischem Anbau, alternatven Produkten wie Soja, Tofu, glutenfreien Waren, biologischen Putzmitteln, Bionade (ja, sogar!),  etc.  Diese Abteilung legte einen sehr vielversprechenden Start hin, mit einer wirklich ordentlichen Auswahl an Frischware in Bioqualität. Anfangs schien es auch so, dass dieses Angebot von vielen genutzt und ansonsten mindestens neugierig wahrgenommen wurde.

In der letzten Zeit werde ich allerdings das Gefühl nicht los, dass das Projekt kurz vor dem Scheitern steht. Mir scheint, ich bin eine der letzten tapferen Kundinnen, denn die Frischware wurde nach und nach immer mehr von haltbaren Artikeln verdrängt und "frisch" trifft auf dieses Sortiment sowieso nur noch selten, mit Glück etwa einmal die Woche wirklich zu. An den meisten Tagen vegetieren (!) die Gurken, Tomaten und Zwiebeln in ihren Körben vor sich hin. Und wenn das doppelt bis dreimal so teure Biogemüse wesentlich schlechter und ungesünder aussieht als das konventionelle, wundert es nicht wirklich, dass nur noch vereinzelte Hardcore-Bio-Enthusiasten sich überhaupt die Mühe machen, noch in diese traurigen Kisten zu schauen und die genießbaren Teile rauszupicken.

Schade ist das. Sehr schade.

die gigantische Biokiste aus besseren Zeiten


Kommentare:

  1. Das ironische daran ist, das in deutschen Bioläden jede Menge Obst und Gemüse aus Israel verkauft wird. Ich gönne mir da gelegentlich mal die ein oder andere Avocado oder Grapefruit. Produziert wird also offenbar massenweise, aber wohl fast ausschließlich für den Export.

    @FrauZimt

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  2. Das ist wirklich sehr schade für alle, die Bio Produkte haben möchten.

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