Montag, 2. September 2013

Hurra ich hab ein Schulkind....

Jetzt habe ich also ein Schulkind. Am letzten Dienstag, als in Israel landesweit und für alle die Schule wieder begann, wurde unsere Tochter eingeschult.

Aufregend war das, vor allem weil der Informationsfluss seitens der Schule zum Schulbeginn sehr zäh war. Das fing schon damit an, dass ich im Juli verzweifelt versuchte, an eine Materialliste zu kommen und sich später herausstellte, dass der Name unsere Tochter zwar auf der Schülerliste stand, jedoch ohne Kontaktdaten, die wir aber natürlich bei Anmeldung angegeben hatte. Das Sekretariat der Schule hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst in die Ferien verabschiedet, und wenn mir nicht just die eine Mutter, die ich schon aus dem KiGa kannte, die Nummer der Elternbeirätin rausgerückt hätte (sie war kontaktiert worden), hätten wir wohl die Sammelbestellung der Bücher verpasst. Was besonders spaßig ist, weil es bedeutet, dass man dann in verschiedensten Läden die Liste zusammentragen muss, weil keiner alle Bücher auf Lager hat. Irgendwie hätte ich ja erwartet, dass die Erstklässler Materialliste und co. per Post bekommen, aber man darf nie vergessen, dass wir uns hier in Israel befinden.

Relativierend muss ich zwar einschieben, dass ein Großteil der Klasse schon gemeinsam in der Vorschule war und dort die Informationen erhalten hatte,  das heißt aber nicht, dass man die neuen Schüler einfach "vergessen" darf. Einen offiziellen Brief per Post erhielten wir etwa 1-2 Wochen vor Schuljahresbeginn. Wir waren gerade im Urlaub, daher kann ich es nicht beschwören. So oder so: Ich finde das spät.

Zwei Tage vor der Einschulung gab es für die Klasse in der Schule ein kleines Treffen mit der Lehrerin. Mir wurde zwar spontan schwindelig ob der Klassengröße - 34 sind es aktuell, bis 40 wäre laut Bildungsministerium noch rechtens - aber für mein Kind war dieses Treffen der richtige Eisbrecher. Sie stellte nämlich fest, dass sie doch schon einige Mitschüler kennt, teilweise sogar noch aus ihrer allerersten KiTa-Gruppe :-)

Der Einschulungstag selbst ging eher unspektakulär vonstatten. Die Kinder durften ein wenig malen, "Paten" aus der 6. Klasse führten sie durch die Schule und dann war der Vormittag auch schon wieder zuende. Ich hatte mir freigenommen und schickte meine Tochter an diesem ersten Tag nicht in den Hort. Was sich im Nachhinein als gute Entscheidung erweisen sollte, denn Raum und Team waren wohl so unorganisiert, dass viele Mütter sehr, sehr nervös wurden. Im Chat der klasseninternen WhatsApp-Gruppe (Telefonkette war gestern, die Mütter von heute sind bei WhatsApp....) ging es jedenfalls hoch her und ganz aus der Luft gegriffen scheint die Hysterie nicht, sodass auch wir noch überlegen, ob wir uns nicht nach einer Alternative in Sachen Hort umsehen sollten.

Viel Anlass für Verwirrung sorgt noch die Flut an Material, das wir Eltern anzuschaffen hatten. So standen 4 verschiedene Ivrithefte auf der Liste - ein schmal liniertes Standardheft, ein Erstklässlerheft mit gestrichelten Linien, eines mit einer eingedruckten Druckbuchstabenleiste auf jeder Seite und eines für Schreibschrift. Welches packt man dem Kind ein, wenn die Lehrerin um ein nicht näher spezifiziertes Ivritheft bittet?

Apropos Lehrerin: Sehr kompetent und pragmatisch wirkt die. Hat 16 Jahre Schuldienst auf dem Buckel und beginnt heuer zum 6. Mal an unserer Schule mit einer 1. Klasse, die sie bis zum Ende der 2. begleiten wird. Da es bisher keinen Stundenplan gibt (das dürfte es eigentlich gar nicht geben, denkt sich der deutsch-pedantisch geprägte Mensch, gell?), schreibt die Lehrerin jeden Tag eine Email an die Eltern, in der sie berichtet, was gelernt worden ist, was Hausaufgaben und welche Bücher und Hefte am nächsten Tag mitzubringen sind. Dumm läuft es dann, wenn man nicht auf dem Emailverteiler steht. So geschehen einer Mutter (nicht mir, nein!), die heute erfahren musste, dass sie deshalb nicht nur den Elternabend, sondern auch alle Hausaufgaben bisher verpasst hat. Tja.

Aber zurück zum Thema: Die Lehrerin macht einen guten Eindruck und auch die Lernmethoden wirken auf mich sinnig (Ivrit erinnert mich an meine erste Deutschfibel). Glücklicherweise wird es wohl nicht, wie von mir ob dieser Klassenstärke befürchtet, auf reinen Frontalunterricht herauslaufen, denn für 16 Wochenstunden wird eine Hilfslehrerin in der Klasse sein, was Übungen und Stillarbeit in kleineren Gruppen ermöglichen soll. Außerdem profitiert die Klasse von der Betreuerin eines Integrationskindes, die auch bei den anderen Kindern mithilft und einfach "da" ist. Es ist also nicht alles mies im Balagan-Land.

Und was ist mit einer Schultüte? Das wurde ich von Bekannten und auch meiner Tochter immer wieder gefragt. Tatsächlich wollte ich auf diesen sehr hübschen, typisch deutschen Brauch nicht ganz verzichten, konnte dem Mädchen aber schlecht zumuten, vor versammelter Klasse als einzige mit Schultüte zu erscheinen. Als Kompromiss gab es daher zum Abschied aus Deutschland am vorigen Wochenende eine richtig, echte Schultüte überreicht. Ich hatte sie aus einem Bastelbogen in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Oma gebastelt - das war vielleicht eine Fisselarbeit !



* Nachtrag *

Erinnert ihr euch noch an unseren Schultaschenkauf? Vor allem daran, dass ich entschieden davon abgeraten hatte, eine Tasche mit Rollen zu kaufen, weil sie den Rucksack schwer und unhandlich machen? Nun, ich bin froh, dass wir letztlich das Modell mit abnehmbaren Rollen und Stange gekauft haben, denn nach nur 5 Schultagen hat das Schulkinder erkannt, was ich schon immer gesagt habe. Dabei hatte ich gerade die Vorzüge des Trolleys zu schätzen gelernt. :-D

Kommentare:

  1. Also, das mit dem nach den Ferien erstmal nicht vorhandenen Stundenplan kenne ich von dem Gymnasium, an dem ich die letzten 8 Jahre unterrichtet habe. Die ersten Tage gab es regelmäßig ein Provisorium am anderen. Nicht alles ist so, wie du es aus deiner Schulzeit in Deutschland erinnerst. (War es je so?) Früher war alles besser ;) oder Der Mensch ist ein Gedächtnisoptimist...

    Hier steigt auch die Spannung, mein Einschülerchen ist am Freitag dran und hibbelt sich eins. Ich hab an dem Tag auch frei - gehört so.

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    1. Wahrscheinlich idealisiere ich so manches aus meiner Vergangenheit, da ist schon was dran. Aber stundenplantechnisch meine ich doch, dass der immer fertig war zum ersten (oder in den allerersten Tagen). Viel Freude morgen!

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  2. Na das hört sich auf jeden Fall mal spannend an. Dann bin ich ja mal gespannt darauf, wie es mit den Informations steht, wenn ein Ausflug geplant ist etc. Ich bin mir sicher, dass die Beiträge werden definitiv für Kurzweil sorgen.
    Interessant ist das Schulbuch...wächst Deine Tochter mit beiden Sprachen bzw. auch mit der lateinischen Schrift auf? Wird das in der Schule auch gefördert?

    LG!

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    1. Gegen, ja, es wird sicher spannend bleiben :-)
      Zur Schrift: Am Anfang konzentrieren sie sich komplett auf Hebräisch, mit dem Englischunterricht kommt dann auch das lateinische Alphabet dazu, ich glaube ab Klasse 2. Unsere Tochter geht zudem einmal die Woche auf eine Deutschschule, aber ich will da nicht übermäßig pushen. Das Tempo in der regulären ersten Klasse ist ohnehin schon sehr hoch, da möchte ich Deutsch nicht als lästige Zusatzbelastung forcieren.

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