Sonntag, 8. September 2013

[Buch] Christopher Kloeble: Meistens alles sehr schnell (Buchthema Juli/August)

Das Buchthema der lesenden Minderheit für die Monate Juli/August 2013 lautete

Lies ein Buch, in dessen Geschichte es um eine Beziehung geht


Meistens alles sehr schnellMeistens alles sehr schnell by Christopher Kloeble
My rating: 3 of 5 stars

Von meinen in diesem Zeitraum gelesenen Büchern passt in diese Kategorie "Meistens alles sehr schnell" von Christopher Kloeble am besten. Denn in diesem ganz zauberhaft erzählten Roman, geht es im Grunde um nichts anderes als um Beziehungen. Dabei steht die Beziehung zwischen Albert und seinem Vater Fred im Mittelpunkt: Fred, der bereits im Rentenalter, aber geistig eigentlich nie über die Kindheit hinausgekommen ist, und der 19-jährige Albert, der seinem Vater so manches beibringen musste, das eigentlich Väter ihren Söhnen wie selbstverständlich beibringen - Fahrradfahren zum Beispiel -, und der verzweifelt auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist. Seine Mutter soll ihm dabei helfen, nur weiß scheinbar keiner, erst recht nicht Fred, wer seine Mutter überhaupt ist, geschweige denn, wo man sie suchen soll. Anhand vager Anhaltspunkte beginnen Fred und Albert eine Odyssee, die sie in Rückblenden auch durch eine große Lebens- und Liebesgeschichte führt.

"Meistens alles sehr schnell" gehört für mich zu jenen literarisch anspruchsvollen Büchern, die ich sprachlich richtig auskosten kann, weil sie so gut und außergewöhnlich geschrieben sind. Die Handlung gerät für mich dabei fast zur Nebensache, sie sollte aber schon auch "stimmen", damit das Buch wirklich überzeugen kann. Den Erzählstrang, i.e. die Rahmenhandlung um Albert und Fred habe ich richtig gerne gelesen. Er ist einfühlsam, authentisch und humorvoll. Insbesondere Albert wirkt sehr glaubwürdig, wie er zwischen Verantwortungsbewusstein, Zuneigung, verzweifelter Resignation und tiefer Vaterliebe hin- und hergerissen wird, während seine Altersgenossen ein ganz "normales" Studentleben führen.

Der in Rückblenden erzählte Handlungsstrang um Freds und Alberts Herkunft, konnte mich allerdings nicht wirklich überzeugen. Zwar waren einige interessante Ansätze und Motive dabei, insgesamt fand ich die Zusammenhänge aber zu konstruiert, zu weit hergeholt und den ganzen Plot mit zu vielen Verwicklungen überladen. Stellenweise fand ich die Rückblenden daher sogar langatmig. Dazu kommt, dass ich ganz persönlich mit der Inzestthematik, die im Roman eine zentrale Rolle spielt, nicht wirklich viel anfangen kann.

"Meistens alles sehr schnell" lohnt sich trotzdem. Schon allein der reichen Sprache und der einfühlsamen Beleuchtung ganz besonderer Beziehungen wegen.



***

Das neue Buchthema für die Monate September/Oktober lautet

Lies ein Buch, welches von einem deutschen Krimiautor geschrieben wurde!

Da fallen mir spontan so einige ein, die noch auf meinem Kindle schlummern...  :-) 




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Kommentare:

  1. Ich leg dir den deutschen Krmiautor Gisbert Haefs (ja, den mit den Griechenlandepen) ans Herz. Verstand, Sprachakrobatik und Humor. Sein Detektiv Balthasar Matzbach ist einfach unglaublich. "Mord am Millionenhügel" ist, obwohl steinalt, einfach immernoch Klasse *schwärm*

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    1. Danke für den Tipp! Danach werde ich gleich mal stöbern :-)

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  2. Es ist schon eine verkehrte Welt, wenn der Sohn dem Vater das Radfahren beibringen muss. Mich hat der Roman gefesselt und ich musste weiter lesen.

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