Samstag, 29. Juni 2013

[Buch] Paolo Giordano: Die Einsamkeit der Primzahlen

Das Buchthema der lesenden Minderheit lautete im Mai-Juni


Lies eine Liebesgeschichte! 

Ich habe mich für den Überraschungserfolg des Italieners Paulo Giordana "Die Einsamkeit der Primzahlen" entschieden.



Die Einsamkeit der PrimzahlenDie Einsamkeit der Primzahlen by Paolo Giordano
My rating: 4 of 5 stars

Die Geschichte von Alice und Mattia ist eigentlich keine richtige Liebesgeschichte, denn die beiden sind sich zwar so seelenverwandt, dass man sie manchmal schütteln und mit Gewalt zusammenbringen möchte, selbst schaffen sie es aber über weite Teile des Romans nicht, sich wirklich nahe zu kommen.

Über ein Vierteljahrhundert hinweg lässt Giordana den Leser am Leben seiner Protagonisten abwechselnd teilhaben, d.h. Mattia-Kapitel und Alice-Kapitel wechseln sich immer wieder ab. Im Grundschulalter kennen sich die beiden noch nicht, und so erleben beide unabhängig voneinander ein schreckliches Kindheitstrauma, das fortan ihr ganzes Leben bestimmen wird. Es war für mich als Leserin sehr hart, diese Traumata mitverfolgen zu müssen bei denen überdeutlich wird, dass es die Eltern sind, die diese hauptsächlich zu verantworten haben, indem sie ihre sensiblen Kinder nicht so sehen und ernstnehmen konnten, wie sie das eigentlich gebraucht hätten. Die Folgen sind für Alice und Mattia schwere psychische Probleme und ein Unvermögen, unbeschwert in die Gesellschaft hineinzuwachsen. Immer wieder scheint es Hoffnung für die beiden zu geben, doch letztlich bleibt das Ende offen und trist.

Alles in allem überhaupt kein leichter Liebesroman also.


Zitate:
... ohne dass er die Worte seines Vaters recht verstand, sickerten sie doch osmotisch in ihm ein und lagerten sich tief unten in seinem Bauch ab. Er ließ es zu, dass sie dort mit der Zeit eine dicke klebrige Schicht bildeten, wie der Bodensatz zu lange gelagerter Weine. 
Kapitel 2

Für Mattia waren sie beide, Alice und er, genau dies, Primzahlzwillinge, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um sich wirklich berühren zu können.
 Kapitel 21

Sie dachte an das so fragile Gleichgewicht ihrer Gestalt, an die schmalen Schattenstreifen, die ihre Rippen auf den Bauch warfen und die sie um jeden Preis verteidigen würde. 
Kapitel 32





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