Donnerstag, 30. Mai 2013

Wohnen in Israel - von Mieten, Vermietern und Hypotheken

Der aufmerksame Leser dieses Blogs wird inzwischen mitbekommen haben, dass uns ein Umzug ins Haus steht (im wahrsten Sinne des Wortes). In einem Monat soll es schon soweit sein. Manche haben mich gefragt, warum wir umziehen (müssen). Vor allem Familie und Freunden, die uns hier schon mal besucht haben, fällt es schwer nachzuvollziehen, wieso wir diese schöne Wohnung aufgeben.

Nun, das liegt an den hiesigen Gegebenheiten. In Israel ist fast der gesamte Wohnungsmarkt in privater Hand, Genossenschaften oder Unternehmen, die Mietwohnungen verwalten und anbieten, gibt es kaum. Üblich ist eher, dass private Anleger eine oder mehrere Immobilien halten und diese so lange vermieten, bis entweder Eigenbedarf entsteht oder sie sich - aus welchen Gründen auch immer - entscheiden, ein Objekt zu verkaufen.

Mietverträge werden in der Regel für ein Jahr abgeschlossen. Die Bezahlung für das ganze Jahr erfolgt im Voraus per Schecks (Banküberweisungen oder Daueraufträge haben sich in Israel immer noch nicht wirklich durchgesetzt), die der Vermieter monatlich einlösen kann. Vereinzelt wird auch vierteljährliche oder gar halbjährliche Bezahlung verlangen, da sind alle Möglichkeiten offen. Läuft der Vertrag aus, liegt es am Vermieter, ob er eine Vertragsverlängerung anbietet. Falls ja, wird er in der Regel versuchen, eine Mieterhöhung zu realisieren. Auch hier gilt: Alles ist möglich, es ist ein privater und freier Markt, und der Mieter muss für sich entscheiden, ob er zu den neuen Bedingungen verlängern will oder sich lieber etwas anderes sucht.

Da ist es nicht verwunderlich, dass bei vielen Israelis eigenes Wohneigentum auf der Prioritätenliste ganz oben steht, obwohl es in den letzten Jahren gerade für junge Paare und Familien immer schwieriger geworden ist, eine Hypothek aufzunehmen. Unter 30% Eigenkapital geht praktisch nichts mehr, Einkommensnachweise von beiden Partnern und zusätzliche Sicherheiten wie Lebensversicherungen in Höhe der aufgenommenen Summe sind heute gang und gäbe. Durch die hohen Mietpreise ist es vielen Israelis auch nicht möglich, monatlich höhere Beträge zur Seite zu legen und so das benötigte Eigenkapital anzusparen - ein Teufelskreis.

Um zum Ausgangsthema zurück zu kommen und ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, kann ich unseren Umzug zusammenfassend so erklären: Die Wohnung in der wir 6 Jahre glücklich gewohnt haben, wechselte vor einigen Monaten den Besitzer. Die neue Vermieterin hat uns zwar angeboten, darin wohnen zu bleiben, allerdings nur wenn wir einer Mieterhöhung von 20% zustimmen. Und das sei noch ein Freundschaftspreis, obwohl sie damit über den höchsten Mietsätzen für vergleichbare Wohnungen am Markt liegt. Außerdem teilte sie uns mit, dass sie die Wohnung nur für  1-2 Jahre vermieten, uns also keine langfristige Sicherheit bieten kann.

Die neue Wohnung wird uns knapp 10% mehr kosten als wir bisher bezahlen (der Markt schläft halt nicht), ist aber etwas günstiger gelegen und der Vermieter scheint ein echter Glücksgriff zu sein.





Neue Fragmente per Email abonnieren:



Kommentare:

  1. Danke für deinen interessanten Einblick in den israelischen (Miet-)Alltag. Hoffentlich habt Ihr Glück mit der neuen Wohnung und dem neuen Vermieter! Ich drücke Euch die Daumen!! Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das hoffen wir auch. Bisher hatten wir aber immer faire und nette Vermieter, da habe ich schon ganz andere Schauergeschichten gehört (auch aus Deutschland)

      Löschen
  2. Immerhin - die Info war für mich neu - habt ihr eine neue gute Wohnung gefunden. Das ist ja hierzulande eher der Ausnahmefall, wenn man nicht ein Heidengeld ausgeben kann (und könnte man das, würde man die Wohnung ja kaufen und nicht mieten).
    Jetzt wünsch' ich euch geruhsames Packen, sauberes Entrümpeln und einen möglichst pannenfreien Umzug! (Hab ich dir erzählt, dass mein Ältester, damals noch mein Einziger und knapp ein Jahr alt, bei meinem letzten Umzug in eine halb mit Tischwäsche gepackte Umzugskiste gekrabbelt ist und dort eingepennt? Was h a b ich ihn gesucht... ^^).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie süß! Ein Baby in der Tischwäsche :-) Die neue Wohnung haben wir erstaunlich schnell gefunden. Das ist schon gut. Scheint so zu sollen sein.

      Löschen