Montag, 27. Mai 2013

Eine typisch israelische Begegnung

Ich habe es schon in meiner 10-Jahresbilanz erwähnt, dass Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt die israelische Gesellschaft besonders auszeichnen. Das geht sicher zum einen auf die jüdische Geschichte in der Diaspora zurück, zum anderen auf den besonderen Charakter dieses so erbittert umkämpften Staates. Zudem ist die "Mitzva" - die gute Tat am Mitmenschen - ein religiöses Gebot. Und es ist - meistens zumindest - einfach nett, dass man sich als Teil einer größeren Gemeinschaft fühlen kann und es zwischenmenschlich weniger kühle Distanz gibt.

Gestern hatte ich eine für hier typische Begegnung:

Auf mein inseriertes Gesuch nach Umzugskisten vor zwei Wochen hatte ich sofort mehrere freundliche Antworten bekommen. Eine bot mir die Containerkartons ihrer eben erst aus Australien eingetroffenen Mutter an. Als ich diese gestern abholen ging, traf ich eine höchst dynamische Dame in einer noch fast leeren Wohnung an. Sofort bekam ich einen Rundgang durch ihr neues Zuhause während sie mir wortreich (und ein bisschen stolz) erklärte, wie und warum sie dieses und jenes nach ihren Vorstellungen renoviert hat. Schlafzimmer, Badezimmer, Kleider- und Wäscheschrank - alles wurde mir begeistert gezeigt und erklärt, so nett.

Natürlich kam schnell auch die Frage auf, ob wir womöglich gemeinsame Bekannte oder Familie im Ausland haben. Haben wir wohl nicht, aber auszuschließen ist es auch nicht.

Die bereits ausgepackten Kartons selbst warteten säuberlich zusammengefaltet und aufgestapelt im Abstellraum. Inklusive Einwickelpapier für Geschirr. Das hätte sie allerdings nicht extra glattgestrichen und gefaltet, betonte sie fast entschuldigend. (Das wäre auch überhaupt nicht typisch israelisch gewesen.)

Kartons haben wir jetzt auf jeden Fall genug. Das ist doch was.


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