Dienstag, 21. Mai 2013

[Buch] Timur Vermes: Er ist wieder da

Er ist wieder daEr ist wieder da by Timur Vermes
My rating: 3 of 5 stars

Auf diesen Roman habe ich lange gewartet. In der Bibliothek in Tel Aviv ist die Nachfrage auf die zwei Leihexemplare so groß, dass es Wartelisten gibt. Der Bestseller scheint also auch in Israel Faszination auszulösen, was verwundern mag, denn das Cover lässt keinen Zweifel daran, wer mit "Er" gemeint ist:

Hitler ist wieder da. Aus heiterem Himmel wacht er 2011 in Berlin auf. Er selbst kann sich nicht erklären, was seit dem letzten Tag im Führerbunker geschehen ist, schafft es aber trotzdem, sich wieder in diese, ihm nun völlig fremde multikulturelle Gesellschaft einzugliedern. Erschreckend schnell findet er ebenso einflussreiche, wie merkbefreite Mitstreiter, die ihm zu der breiten Öffentlichkeit verhelfen, die er zur Durchsetzung seiner Pläne braucht. Denn die haben sich auch in 60 Jahren kaum verändert.

Ein komisches Buch über Hitler? Darf man das als Deutscher überhaupt schreiben? Und darf man als Leser herzhaft über die teils sehr kruden, teils aber auch brillianten Gedankengänge, die ihm der Autor da - beängstigend authentisch - andichtet, lachen? Dazu gibt es sicher viele Meinungen, ich muss mich zu letzterem auf jeden Fall schuldig bekennen. Einige Stellen sind zum Brüllen komisch, andere regen zum Nachdenken an. Bei aller Komik bleibt nämlich der Nachhall, dass ein charismatischer Mensch, der es schafft, mit seinen Ideen das Volk auf Augenhöhe anzusprechen, auch heute noch jederzeit eine breite Masse begeistern und kontrollieren könnte. Das liegt in unserer Natur.

Empfehlenswert für alle, die Satire und schwarzen Humor mögen und einordnen können. Obwohl ich fand, dass sich nach dem ersten Drittel einiges wiederholt (ich habe mich ab und an beim Querlesen ertappt...), was das Leseerlebnis zeitweise etwas bremst. Hier hätte man straffen und ein noch spritzigeres Ergebnis erzielen können.


Zitate:

(...) das Telefon muss Telefon sein und Kalender dazu und ein Fotoapparat auch noch und überhaupt alles in einem. Das ist gefährlicher Blödsinn, der nur dazu führt, dass unsere jungen Leute auf der Straße dauernd in ihre Telefonapparate hineinglotzen und zu Tausenden überfahren werden. Es wird dies eines meiner ersten Vorhaben sein, solche Telefonapparate zu verbieten beziehungsweise nur noch für die verbliebenen rassisch minderwertigen Elemente zuzulassen (...)
*
Und Autobahnen bauten nach wie vor polnische, weißrussische, ukrainische und andere Fremdarbeiter, zu Löhnen, die für das Reich rentabler gewesen wären als jeder Krieg. Hätte ich damals gewusst, wie billig der Pole zu haben ist, ich hätte das Land genauso gut überspringen können.

Eichborn Verlag 2012 // Hardcover // 400 Seiten


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