Mittwoch, 17. April 2013

[Buch] Liebe deutsche Verleger,

ich schätze Sie.

Wirklich.

Ich bin begeistert über die Qualität Ihrer Bücher, wann immer ich in Deutschland in einen Buchladen gehe und mich durch die Neuerscheinungen fühlen und blättern kann. Besonders die gebundenen Ausgaben sind oft richtige Schmuckstücke, die man sich nach dem Lesen gerne "einfach nur" zum Anschauen ins Regal stellt (wenn man dafür Platz hat).

Ich kann sogar die gängigen Argumente für die Buchpreisbindung verstehen und akzeptiere sie als konsequente Besonderheit der deutschen Kultur, obwohl sie meiner Ansicht nach auch dazu führt, dass hochwertiger Lesestoff für manche Menschen aus Kostengründen unerreichbar bleibt. Wieso manche Neuerscheinungen im Bereich Jugendbuch bis zu 20 Euro kosten müssen, erschließt sich mir nicht, wenn gleichzeitig immer wieder Leseförderung gerade junger Leser propagiert wird. Aber wie gesagt, ich erkenne die historischen und ideologischen Gründe der Buchpreisbindung durchaus an.

Was ich nicht verstehe ist, warum sich in Zeiten der rasanten Mediendigitalisierung immer noch so viele von Ihnen gegen elektronische Bücher sperren, bzw. nur sehr vereinzelt für E-Reader publizieren. Als Vielleserin im Ausland ist mein Kindle für mich die Lösung, endlich keine schweren Bücher mehr aus Urlauben und über gutmütige Besucher einschleppen (lassen) zu müssen, sondern direkt auf das Gerät zu laden. Neben zahllosen englischen Titeln, die ich primär konsumiere, gibt es nicht wenige deutsche Autoren, die mich interessieren und für die ich bereit wäre, einen, durch die bereits erwähnte Buchpreisbindung meist recht hohen, Preis zu zahlen. Wenn es sie denn für Kindle gäbe, was allzu oft leider nicht der Fall ist.

Aktuelle Frustbeispiele:

dtv / hanser || Leo Tolstois "Anna Karenina" gibt es als urheberrechtsfreie Ausgabe kostenlos für Kindle. Darüber hinaus stehen einige überarbeitete Ausgaben, zum Teil mit Illustrationen, Worterklärungen und anderem Zusatzmaterial, im 1-Euro-Bereich zur Auswahl. Da ich kürzlich von der hochgelobten neuen Übersetzung von Rosemarie Tietze gelesen hatte, suchte ich allerdings gezielt nach dieser Ausgabe, wohl wissend, dass die wohl wesentlich teurer sein würde. Leider existiert diese Übersetzung als E-Book überhaupt nicht. Mir bliebe also nur die Wahl, rund 16 Euro zzgl. internationaler Versand in ein unhandliches 1200-Seiten-Taschenbuch zu investieren, oder aber, eine der günstigen Kindle-Ausgaben zu wählen.

loewe || Ursula Poznanski gehört zu meinen aktuellen Lieblingsautorinnen im deutschsprachigen Raum. Leider gibt es ihre Jugendbücher sämtlich nicht im Kindleformat zu erwerben, was insbesondere letztes Jahr sehr frustrierend war, als alle Welt von "Die Verratenen" schwärmte, während ich monatelang keinen - realistischen - Zugang zu diesem Buch hatte. Ähnlich verhält es sich mit "Saeculum".

script5 || Dark Canopy / Dark Destiny, Jenny Benkau: Band 1 konnte ich während eines Heimaturlaubes von einer Freundin leihen, wann und ob ich Dark Destiny lesen werde, steht derzeit in den Sternen. Als Hardcover werde ich es jedenfalls nicht kaufen und hierher schicken lassen.

Arena || Kerstin Giers Edelsteintrilogie existierte sehr lange nicht im Kindleformat. Letztlich habe ich "Rubinrot" gebraucht bei eBay ersteigert.

"Echte" Bücher kaufe ich neu nur noch in absoluten Ausnahmefällen, nicht zuletzt weil ich es nicht mehr einsehe, so viel Papier zu lagern (und regelmäßig zu entstauben). Über die Bibliothek des hiesigen deutschen Kulturinstituts habe ich zwar die Möglichkeit, an die wichtigsten deutschen Neuerscheinungen zu kommen, für alles reichen auch da die Kapazitäten aber lange nicht aus.

Warum ich Ihnen das schreibe? Sie verlieren an mir (und anderen E-Lesern, die Studien zufolge mehr lesen als andere) durch Ihre Geschäftspolitik Geld. Mag sein, dass Sie auf dieses Einkommen nicht angewiesen sind; ich bin streng genommen auf Ihre Bücher auch nicht angewiesen, denn wie man an meinem Lesevolumen sieht, mangelt es mir nicht wirklich an Lesestoff. Dennoch ärgert es mich, dass so viele Bücher deutscher Autoren, deren Arbeit ich auch aus Verbundenheit zu meiner eigenen Kultur gerne unterstützen würde, nicht im elektronischen Format publiziert werden. Die Gründe sind für mich nicht nachvollziehbar, im Gegenteil, ich fürchte, mancher Verleger wird mittelfristig Opfer seiner eigenen Abwehrhaltung werden. Denn der Markt wartet nicht.

Worauf warten Sie?

Herzlichst,
eine bibliomane Vielleserin aus Israel

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