Samstag, 13. April 2013

[Buch] Katharina Hagena: Vom Schlafen und Verschwinden

Vom Schlafen und VerschwindenVom Schlafen und Verschwinden by Katharina Hagena
My rating: 4 of 5 stars

Ellen kann nicht schlafen. Ausgerechnet die promovierte Somnologin, die tagtäglich anderen hilft, ihre Schlafprobleme zu lösen, leidet selbst unter zermürbender Schlaflosigkeit. In einer einzigen Nacht sinniert sie über den Schlaf, erinnert sich an ihre Kindheit in der süddeutschen Provinz, ihre Eltern und ihre Männer.
Marthe kennt Ellen nur flüchtig und ist ihr doch viel näher, als beide Frauen ahnen. Seit ihr Sohn vor Jahren plötzlich verschwand, wartet sie und beobachtet die Graureiher, wünscht sich, mit ihnen davonfliegen zu können. Gleichzeitig wächst ihr Verlangen nach Gerechtigkeit, denn sie glaubt nicht, dass ihr Sohn sie damals freiwillig verlassen hat.

Wie bereits in Der Geschmack von Apfelkernen spinnt Katherina Hagena auch in ihrem neuen Roman eine zauberhafte Prosa, in der man sich verlieren möchte. Die Handlung wird darüber beinahe zur Nebensache, und das meine ich gar nicht negativ. Im Gegenteil, Ellens und Marthes Erinnerungen und philosophische Gedanken über Liebe, Tod und Schlaf sind so stimming ineinander verwoben, dass man an die Plausibilität der geschilderten Ereignisse sogar dann noch glauben mag, wenn sie stellenweise ein wenig zu dick aufgetragen wirken.

Hagena hat uns mit Vom Schlafen und Verschwinden ein wunderbares Stück moderner deutscher Belletristik geschenkt.


Zitate:
Lebensmüde oder sterbensmüde, schläfrig, schlaftrunken, volltrunken - irgendwann fühlt sich alles gleich an. Ist man nur lange genug sterbensmüde, wird man lebensmüde und stirbt.
 [S. 116]
Auch die List, mich mit Geschichten zum Einschlafen zu bringen, klappt nicht. Denn die Listigen sind immer die Wachsamen. Möglicherweise überliste ich mich selbst, indem ich mich vor dem Schlaf drücke. Schützt mich meine Schlaflosigkeit vielleicht vor dem kommenden Erwachen?
[S. 28]




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Kommentare:

  1. Oooh. Das wollte ich auch noch lesen!
    Das erste von ihr habe ich auch gelesen und fand es wunderbar. Dieses hab ich meiner Mutter geschenkt - ich werde es mir mal von ihr ausleihen :)

    Und das zweite Zitat ist sehr sehr schön!
    "Schützt mich meine Schlaflosigkeit vielleicht vor dem kommenden Erwachen?"
    Da muss ich mal drüber nachdenken. (Ich bin ja auch so schlaflos!)

    Lieben Gruß, Midsommarflicka

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    1. Echt, du kämpfst auch mit Schlaflosigkeit? Das muss wirklich schrecklich sein, wenn man so gar nicht einschlafen kann (wird in Hagenas Buch sehr plastisch beschrieben, fast hätte es mich um meinen eigenen Schlaf gebracht...) - ich kann zum Glück selbst zu größten Stress und Katastrophenzeiten in der Regel gut schlafen, wobei das bei mir ganz klar auch eine Art Flucht ist manchmal. :-/

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