Freitag, 15. März 2013

Post vom Amt.

Wer in Israel lebt kann ein Lied davon singen:

Absender der Angst ;)
Wenn ein Brief von der Sozialversicherung (Bituach Leumi) im Kasten liegt, verheißt das nur selten gute Nachrichten. Bis zur Pensionierung müssen nämlich alle Israelis monatliche Beiträge an sie abführen, dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle ob man Angestellter, selbstständig oder arbeitslos ist. In der Bevölkerung kursieren unzählige Schauergeschichten von Nachzahlungen im fünfstelligen Bereich - teilweise ungerechtfertigt, teilweise auch nicht, aber immer unerwartet - und tatsächlich paasierte genau das meinem Mann vor wenigen Monaten. Die Zahlungsaufforderung stellte sich in seinem Fall zwar als ungerechtfertigt (s.o.) heraus, denn das Finanzamt hatte wohl falsche Angaben an die Sozialversicherung übermittelt, was relativ schnell korrigiert werden konnte. Einige graue Haare und einen halben Arbeitstag Ämtertänzchen hat uns der Brief damals trotzdem beschert...

Gestern bekam ich nun einen Brief von der geschätzten Bituach Leumi. Mit zitternden Händen öffnete ich ihn noch im Treppenhaus, um sofort das amtsschimmelige Schreiben auf einen Betrag in Zahlen zu scannen. Er ist nur dreistellig, das ist schon mal gut. Aber worum geht es eigentlich? Und: Muss ich nachzahlen oder steht mir womöglich sogar eine Nachzahlung zu? Da rätseln nicht hilft, entschlüssele ich das Amtschinesischhebräisch und stelle fest: Meine Mutterschutzzuwendungen sind seinerzeit falsch berechnet worden (vor ziemlich genau 6 Jahren), weswegen ich mich auf eine Nachzahlung von sage und schreibe 147 Schekeln (knapp 30 Euro) freuen darf. Am 18.3. sollen sie mir auf mein Konto überwiesen werden, doch halt, welches Konto? Gut, dass ich auch das noch lese in meinem Glücksrausch, denn es ist unser altes Konto angegeben. Vor über 4 Jahren haben wir gewechselt, seither gab es zahllose Bankbewegungen - Kindergeld, Beiträge aus Selbstständigkeit, etc. - zwischen dem Amt und unserem neuen Konto. Manchmal frage ich mich wirklich, wie viele Computersysteme bei den Ämtern parallel laufen, bzw. wie viele Akten es unter meinem Namen tatsächlich gibt. Aber es ist wohl besser, wenn ich das gar nicht so genau weiß.

Wie ich jetzt trotzdem an mein Geld komme? Ich werde das Amt wohl heimsuchen müssen, denn, hey, von 147 Schekeln kann man sich so richtig viel kaufen, das darf ich mir keinesfalls entgehen lassen.

Shabbat Shalom euch allen :)



Kommentare:

  1. Oh, und ich dachte immer, nur wir Deutsche hätten so erheiternde Ämter… Aber, hey, 147 Schekel! in was wird der neue Reichtum denn investiert?

    Lieben Gruß, Midsommarflicka

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    1. Oh, nein. Die israelische Bürokratie ist berüchtigt.

      Ich werde mir die Investition dieser 147 Schekel gut überlegen. Vielleicht lege ich sie an, falls mal eine fette Nachzahlung kommt.

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  2. Haha, da sag doch einer, andere Länder andere Sitten. Alles Quark, Ämter sind überall gleich. :D

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  3. Ist Israel schlimmer als Frankreich?
    http://www.youtube.com/watch?v=lIiUR2gV0xk

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    1. Mindestens! (Würde ich jedenfalls schätzen, ich hatte in Frankreich bisher nicht mit Ämtern zu tun)

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