Montag, 25. Februar 2013

[Buch] J.K. Rowling: The Casual Vacancy / Ein plötzlicher Todesfall

The Casual VacancyThe Casual Vacancy by J.K. Rowling

My rating: 4 of 5 stars


Ich will es gleich zugeben: Für diesen Roman hätte ich mich wohl eher nicht interessiert, wenn er nicht von der Mutter des Harry Potter-Universums geschrieben worden wäre.

Allein das retro-spießige Cover hätte vermutlich gereicht, um mich abzuschrecken, und dass ein Plot um ein plötzlich verstorbenes Gemeinderatsmitglied in einer englischen Kleinstadt - außer als Einschlafhilfe - Potenzial haben könnte, scheint auf den ersten Blick doch recht unwahrscheinlich.

Nun, ich bin froh, dass Rowling dieses Werk zu verantworten hat, denn hinter der nüchternen Aufmachung und dem vagen Klappentext verbirgt sich ein Gesellschaftsroman von ganz besonderer Klasse. Rowling porträtiert Leben und (Un-)Taten ganz gewöhnlicher Leute aus einem Querschnitt der englischen Bevölkerung und verwebt sie zu einem Geflecht aus kleinbürgerlichen Intrigen, Grabenkämpfen und teils unverhohlenem Hass, durch das nur selten das "Gute im Menschen" schimmert. In einem der Charaktere, bzw. manchem Denkmuster, wird sich wohl fast jeder Leser wiederfinden, sodass die Geschichte nicht zuletzt zur Selbstreflektion anregt, ob sie es will oder nicht. Besonders reizvoll fand ich, dass man die einzelnen Personen und Ereignisse durch die Augen der anderen von ganz vielen verschiedenen Facetten "kennenlernt" und erlebt, das macht es wirklich unheimlich vielschichtig.

Fällt es anfangs noch schwer, die vielen Charakternamen zu behalten (zwischendurch erwog ich sogar, ein Namensregister zu führen...) und die unübersichtlichen Verbindungen zwischen ihnen zu durchschauen, wird man als Leser schon bald immer tiefer in den Strudel dieser Beziehungen und deren Faszination gezogen. Dieser Roman um eine kleine Stadt ist tragisch, an einigen Stellen hielt ich vor Grauen die Luft an, und besticht gleichzeitig durch viel (schwarzen) Humor, der mich immer wieder herzhaft zum Lachen gebracht hat. Über weite Strecken fragte ich mich, worauf das Ganze hinauslaufen, wohin sich die Ereignisse zuspitzen werden, und blieb letztlich überwältigt zurück. Es ist ein dunkles Ende, doch nicht ohne Hoffnungsschimmer für die klein(kariert)e Stadt und ihre Bewohner.

Keine leichte Lektüre. Kein zauberhaftes Märchen und kein "Cozy Crime". Aber ein großer Roman.



Kommentare:

  1. Hui, mir geht es bisher so wie dir. Irgendwas hat mich an diesem Buch abgeschreckt… Aber jetzt …… werde ich es mir wohl doch mal kaufen und lesen!

    Lieben Gruß, Midsommarflicka

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    1. Ja, mach das ruhig mal. Ich finde es lohnt sich :) Besonders toll fand ich auch, wie man die einzelnen Personen und Ereignisse durch den Blickwinkel/die Augen der anderen von ganz vielen verschiedenen Facetten "kennenlernt" und erlebt, das macht es wirklich unheimlich vielschichtig.

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