Dienstag, 19. Februar 2013

[Buch] Cay Rademacher: Der Trümmermörder

Der TrümmermörderDer Trümmermörder by Cay Rademacher
My rating: 5 of 5 stars

Hamburg, 1947. Knapp zwei Jahre nach dem Krieg sucht nicht nur einer der kältesten Winter die Hansestadt heim, sondern auch ein unheimlicher Serienmörder, der seine Opfer ausplündert und nackt in den Trümmern zurücklässt. Inspektor Stave, dessen Frau bei einem Bombenangriff starb und dessen Sohn bisher nicht von der Front zurückgekehrt ist, wird mit der Aufklärung der Morde betraut. Das Team, das man ihm zur Seite stellt, könnte unterschiedlicher nicht sein, sogar ein Brite wird zur Unterstützung abgestellt. Dennoch tappen die Ermittler zunächst lange im Dunkeln, denn in einer Zeit vor DNA-Analysen und raffinierter Kriminaltechnik ist die Verbrechensaufklärung ein mühseliges Unterfangen, was durch die Nachkriegssituation und die extremen Witterungsbedingungen weiter erschwert wird.

Geschichten wie diese sollte man nicht im Winter lesen. Die authentisch aufgebaute Kulisse des Hamburger Hungerwinters dringt durch jede Buchseite: Wenn Stave morgens unter einer dünnen Eisschicht auf seiner Bettdecke erwacht, fröstelt den Leser mit ihm, und wenn er die seltene Gelegenheit bekommt, sich an irgendeinem Ofen für einen Moment aufzuwärmen, meint man fast, die Wärme zu spüren. Bei so einer dichten Atmosphäre wird die Haupthandlung beinahe zur Nebensache, obwohl auch diese in Spannung und Tempo absolut überzeugt.

Den Trümmermörder gab es übrigens tatsächlich. Allerdings wurden die Fälle in Wirklichkeit nie aufgeklärt. Fakten und Fantasie greifen in Rademachers Version aber so glaubwürdig ineinander, dass man ihm jederzeit die Plausibilität seiner Version abnimmt.

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Nachtrag, weil verschwitzt: Mit diesem Buch nehme ich an dem Januar/Februar-Thema der "lesenden Minderheit" - Lies ein Buch, das du geschenkt bekommen hast - teil. Da ich schon länger keine Bücher mehr geschenkt bekommen habe, weil ich inzwischen Kindle-Gutscheine bevorzuge, musste ich auf ein Buch zurückgreifen, das mir Amazon geschenkt hat. Im Rahmen der diesjährigen Kindle-Gratistage direkt nach Weihnachten nämlich. Ich finde, das gilt schon irgendwie als Geschenk. Doch.


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