Dienstag, 15. Januar 2013

Noch 6 Tage bis zur Wahl

und ich weiß noch immer nicht, welcher Partei ich meine Stimme geben soll.

Tja.

Wie gesagt, vor vier Jahren hätte ich es gewusst, nur da durfte ich noch nicht, und dieses Jahr sitze ich vor einem großen blau-weißen Fragezeichen in meinem Kopf und bin sehr ratlos. Klar, wählen gehen ist wichtig und ich werde es auch brav tun, aber der politische Zirkus der letzten Wochen ist sowas von anstrengend bis latent beängstigend, dass man ihn praktisch nur mit einer Riesenportion Zynismus ertragen kann. Einer der wenigen Lichtblicke: "Eretz Nehederet", DIE israelische Comedy-Show des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die pünktlich zum Wahlkampf wieder angelaufen ist und uns in diesen ernsten Zeiten einen Lacher am anderen beschert.

Besonders der "unentschlossene Israeli", der auf seinem Fahrrad bei allen möglichen Wahlveranstaltungen auftaucht, sich plump vor die Kameras drängt und in Interviews mischt, ist sehr genial. Klar, mittlerweile ist der Mann bekannt und das Ganze wohl ziemlich gestellt, aber dennoch zum Brüllen komisch.  

So sagt er zum Beispiel über Tzipi Livni (HaTnuah, wörtlich: "die Bewegung"), während diese danebensteht:
Livni hat bewiesen, dass Frauen alles können, was Männer auch können... nur nicht so gut. 
Quelle: www.mako.co.il
 
Oder über Naftali Bennett (HaBayit HaYehudi, wörtlich: "das jüdische Heim"), dem selbst dann nicht das breite Grinsen vergeht:
Man sagt, Naftali sei extrem in seinen Ansichten, gefährlich und beängstigend. Aber ich kenne Naftali. Naftali ist in aller erster Linie ein Psychopath. 

Oder zu Yair Lapid (Yesh Atid, wörtlich: "es gibt eine Zukunft"), der dann doch ein wenig betreten aus der Wäsche schaut:
Was ist unsere Zukunft? Bibi wird wieder Premierminister!  

(Videoquelle für Hebräischkönner hier)


Während ich mir die Lachtränen aus den Augen wische, frage ich mich immer: Wäre das in Deutschland vorstellbar , dass sich so kurz vor den Wahlen Parteivorsitzende vor laufender Kamera zum Affen machen lassen?





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Kommentare:

  1. Kaum. Und in Frankreich erst recht nicht, die Kandidaten sind ja wahre Heilige... (ob das von der strengen laïcité kommt?)

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    1. Am Wahlabend wurde dann noch einer drauf gesetzt: Die Comedy wurde zwischen Hochrechnungen, Expertenmeinungen und Live-Reden geschaltet. Eine - besonders fies persiflierte - Abgeordnete musste live im Studio die Frage beantworten, wie sie die Parodie ihrer Person denn so findet.... ;)

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