Donnerstag, 15. November 2012

Tag im Zeitraffer

Sicher fragen sich manche, wie es uns gerade so ergeht hier bei uns. Die Medienmaschinerie ist ja jetzt auch in Deutschland angelaufen (typischerweise erst als Israel nach tagelangem Raketenbeschuss der Hamas reagierte), sodass man sicher so einiges hört bei euch. Aus akutem Zeitmangel (ich habe viel mit Twitter gespielt heute), hier nur kurz mein Tag jenseits des Kriegsgeschehens im Zeitraffer:

Gegen 7:30 - Kind im KiGa abgegeben, wo ihr die Betreuerin erzählt, dass in Beersheva Raketen fallen. Danke auch, das hätte ich meinem Kind gerne selbst und anders erzählt.

Auf dem Weg zum Zug kurz Radio gehört. Ein Armeesprecher erklärt, dass bislang nur sehr punktuell militärische Ziele angegriffen werden, man aber fürchtet, die Aktion ausweiten zu müssen.

In Tel Aviv ist alles wie immer. Leute eilen zur Arbeit, der Verkehr tobt, keine Anzeichen von Krieg.

Auf Twitter lerne ich, dass 3 Israelis durch eine Rakete aus dem Gazastreifen getötet wurden. Scheiße ist das. Meine Freundinnen im Süden verbringen den Morgen hauptsächlich im Bunker. 

Die Drohungen der Hamas, man wolle auch Tel Aviv bald ins Visier nehmen, machen dann doch einige Kollegen unruhig. Der Chef informiert sich über die Fluchtwege und Schutzräume in unserem Gebäude.

Auf dem Weg nach Hause höre ich wieder Radio. Dort werden heute nur Musikwünsche von Hörern aus dem Süden gespielt. Jedes Mal wenn es irgendwo Raketenalarm gibt, wird die Musik abgeblendet und die Anweisung durchgegeben, die Betroffenen mögen sich in Sicherheit begeben.

Gegen 19:00 lese ich auf Twitter, dass in Tel Aviv seit 20 Jahren das erste Mal wieder Raketenalarm ausgelöst wurde. Ich kann es nicht glauben und rufe meine Schwiegereltern an. Ja, sagen sie, es sei tatsächlich Alarm gewesen und man sei zur Sicherheit ins Treppenhaus gegangen. Einen Einschlag hätte man auch gehört, aber es sei wohl zum Glück nichts passiert. Ich sorge mich. In den alten Wohngebäuden in Tel Aviv gibt es noch keine Schutzräume in jeder Wohnung und wohl bei weitem nicht genug für alle Einwohner.

Von meiner Schwägerin (wohnt mit Mann und 3 Kindern bei Tel Aviv) erreicht mich eine - halb scherzhafte - SMS: "Dürfen wir bei euch wohnen kommen?" 

Und wir? Leben einstweilen weiter unser Leben. Gleich gehe ich ins Kino. Surreal. 




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