Samstag, 6. Oktober 2012

[Buch] Mini-Rezensionen [September, # 2]

Hm.. Eigentlich sind diese drei Rezensionen gar nicht so "mini", aber ich will euch jetzt nicht mit 3 Rezensionsposts hintereinander zuspammen, daher in einem:

Winter of the World (The Century Trilogy #2) Winter of the World by Ken Follett
My rating: 4 of 5 stars

Ken Follett versteht es Geschichten erzählen, wie kaum ein anderer. Mehr noch: Er schafft es, Geschichte zu erzählen und tut das auf eine Weise, dass man es gar nicht merkt weil man von der Rahmenhandlung so gefangen ist.

In Winter of the World (Deutsch: Winter der Welt) erzählt er über eine Zeitspanne von 15 Jahren die Geschichte des Dritten Reiches. Ich war anfänglich sehr skeptisch, weil über das Dritte Reich und den Holocaust schon so viel geschrieben wurde, doch Winter of the World stellt die Ereignisse als erster Roman seiner Art in einen globalen Zusammenhang. Von der Machtergreifung Hitlers, über den spanischen Bürgerkrieg, bis hin zur Entwicklung der Atombombe werden alle wichtigen Ereignisse dieser Zeit beleuchtet.

Wie schon in Sturz der Titanen bedient Follett sich dazu seiner deutschen, britischen, russischen und amerikanischen Protagonisten - sie sind die Kinder der Helden aus Sturz der Titanen. Häufige Perspektivwechsel und "Interkontinentalsprünge" drängen den Leser zum zügigen Weiterlesen und halten die Spannung. Episch, nicht langatmig, ist dieser zweite Teil der Jahrhunderttrilogie. Ich werde mit Spannung auf die Fortsetzung warten.

Zitat:
"No rush. I've been hungry for twelve months - I can keep going for a few more minutes. I tell you what would be nice, though."
"What? Anything!"
"I'd love a nice cup of tea."
***
ErebosErebos by Ursula Poznanski
My rating: 5 of 5 stars

An Nicks Schule gehen seltsame Dinge vor. Offenbar zieht ein Computerspiel Kreise, das unter der Hand als Raubkopie verteilt wird. Keiner spricht darüber, die Spieler wirken abwesend und übermüdet, Nicks Kumpel weicht ihm und seinen Fragen aus. Als Nick selbst das Spiel bekommt, wird ihm auch klar warum: Erebos' Regeln sind rigide; jeder Spieler bekommt nur eine Chance, wer über das Spiel spricht oder in-game stirbt, ist unwiderruflich raus. Während es die Spieler immer mehr in seinen Bann zieht, wird Erebos fordernder, die Aufträge gehen über die virtuelle Welt hinaus und Nick merkt: Erebos ist gefährlich.

Erebos hat letztes Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen. Ich finde zu Recht, denn es ist ein spannender Jugendroman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Meine leise Befürchtung, es handle sich um eine Abrechnung mit all den bösen, süchtig machenden Computerspielen, hat sich überhaupt nicht bestätigt. Im Gegenteil: Ich hatte den Eindruck, die Autorin habe selbst eine kleine Schwäche für richtig gut gemachte Spiele oder sich zumindest bei der Recherche sehr intensiv mit der Faszination des Online-Spiels auseinandergesetzt.

***

Der Hals der GiraffeDer Hals der Giraffe by Judith Schalansky
My rating: 3 of 5 stars

Inge Lohmark unterrichtet Biologie an einem Gymnasium im vorpommerischen Hinterland. Seit dreißig Jahren hat sie nichts anderes getan, das Fach ist ihre Leidenschaft und so seziert sie ihre Umwelt und selbst ihr eigenes Leben strikt nach biologischen Erkenntnissen. Ihre neunte Klasse wird der letzte Jahrgang der Schule sein, da sie mangels Schülern in vier Jahren geschlossen werden soll. Der Leser erlebt drei Schultage aus dem Leben dieser resignierten Lehrerin.

Ich habe Schalanskys "Bildungsroman" gelesen, weil ich wieder mehr deutsche Autoren mit Anspruch lesen will und dieses Werk genau das in seiner ganzen Aufmachung transportiert. Die Autorin hat mich dann auch nicht enttäuscht: Der Hals der Giraffe besticht durch einen bissigen Humor und setzt sich so nüchtern wie philosophisch über die zentralen Fragen und Probleme des Säugetiers Mensch auseinander. Dazu bedient sich Schalansky zahlreicher Exkurse in die Biologie. Gut, etwas weniger Fachwissen hätte es für mich auch getan, aber ich bin sicher, etwas wissenschaftsaffinere Menschen würden mir da vehement widersprechen ;)

Zitat:
Inge Lohmark ließ sich nicht mehr aussaugen. Sie war dafür bekannt, dass sie die Zügel anziehen und die Leine kurz halten konnte, ganz ohne Tobsuchtsanfall und Schlüsselbundwerferei. Und sie war stolz darauf. 
***

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