Mittwoch, 24. Oktober 2012

Hmpf. Kindergeburtstage.

Eine pädagogische Theorie besagt, dass ein Kind zu seinem Kindergeburtstag pro Lebensjahr ein Gastkind einladen soll. Nicht mehr, um die Party nicht zu einer Überforderung für alle werden zu lassen. Schöne Theorie. Hier sieht es in der Praxis so aus, dass ein Riesenfest für mindestens den kompletten Kindergarten ausgerichtet wird. Einladungen nur an ausgewählte Kindergartenfreunde verteilen geht gar nicht, es ist absolut üblich, dass die ganze Gruppe geladen wird. Was wiederum sogar bei einer verhältnismäßig kleinen Gruppengröße von 25 Kindern (letztes Jahr waren sie 35) heißt, dass fast wöchentlich Parties stattfinden, denen man sich kaum entziehen kann, weil alles schon Tage vorher lautstark darüber spricht.

Im Ablauf sind sich die Feste sehr ähnlich. Man kommt an, schiebt sein Kind in die Menge, wirft sein Mitbringsel in einen Umzugskarton zu Dutzenden anderen Geschenken (die das Geburtstagskind dann bis tief in die Nacht auspacken wird, damit morgens eine Dankesemail an die Gäste rausgehen kann) und rennt wieder raus, bevor man noch in ein Gespräch mit einer gesellig(er)en Mutter verwickelt wird. Meist versteht man sein eigenes Wort sowieso nicht, weil der bestellte Clown, Zauberer oder Kinderstar Soundcheck macht oder bereits beschwingte Partymusik dröhnen lässt. Zwei Stunden später darf man ein überdrehtes, klebriges Kind in Empfang nehmen, samt mindestens einem mülligen Plastikmitgebsel, das spätestens am nächsten Tag in die Tonne wandern wird.

Ich.Mag.Solche.Kindergeburtstage.Nicht.

Und ich behaupte einfach mal, dass keiner wirklich was von so einer Massenveranstaltung hat. Das Geburtstagskind nicht, weil es grenzenlos überfordert ist ob der Masse an Gästen (die Großfamilie ist meistens ja auch noch dabei, es soll sich ja lohnen), Geschenken und Aufmerksamkeit, die Eltern nicht, weil sie für so ein Event locker ein paar Hundert Euro hinblättern müssen und die Gastkinder nicht, weil sie in der Anonymität untergehen.

Mich nervt daran am meisten, dass es so ein Zwang ist und dass man, will (oder kann) man den hohen Standard nicht erfüllen, nur die Möglichkeit hat, den Geburtstag ganz ausfallen zu lassen (was spätestens dann keine Option mehr ist wenn das Kind 3-5 andere Parties bei Freunden erlebt hat) oder sich als merkwürdiger Ausländer ins Abseits zu stellen. (Letzeres bin ich gewohnt und habe trotzdem schon Schweißausbrüche, wenn ich an Mausens nächsten Geburtstag denke)

Hach, war das in meiner Kindheit schön. Geburtstage waren etwas besonders - man ging zu seinen engsten Freundinnen (und lud diese dann auch zu sich ein) und hatte ein individuelles Fest "made by Mama".

Mitgebsel für den Sondermüll


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Kommentare:

  1. Wenn man böse ist, dann könnte man sagen, daß diese Art von Geburtstagsfeier schon die vorbereitende Sozialisationsinstanz für eine bestimmte Art von israelischen Hochzeitsfeiern ist. Die Massenaufläufe dort von vielen Menschen hält man wahrscheinlich besser durch, wenn man durch diese Art von Kindergeburtstag darauf vorbereitet ist.

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    1. Das ist nicht böse. Ich glaube fest, dass an dieser Theorie mehr als ein Körnchen Wahrheit dran ist ;)

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