Mittwoch, 17. Oktober 2012

Besitzer oder Mann? (ein bisschen Philologie)

Ein Studentenpärchen unterhält sich im Sammeltaxi über Wohnungen in Jerusalem, verlobte, heiratende und verheiratete Freunde sowie ihre eigene Hochzeit, die vielleicht irgendwann ins Haus steht. Oder auch nicht.

Sie: Die X. sagt übrigens Ischi* zu Y...
(*heb.: mein Mann, nicht gängig im allg. Sprachgebrauch)

Er: Was? Sagst du dann auch Ischi zu mir und nicht Baali*?
(*heb.: mein Besitzer, Standardbezeichnung für Ehemann seit Abrahamszeiten und zwar Besitzer wie Autobesitzer oder Wohnungsbesitzer, also Besitzer von Sacheigentum)

Der Rest der Unterhaltung geht leider in seinem gutmütigen Gelächter unter, aber sie hat mich mal wieder zum Nachdenken über diese Selbstverständlichkeit im modernen Sprachgebrauch gebracht. Muss man wirklich sklavisch (im wahrsten Sinne...) alles althebräische übernehmen, nur weil es damals auch schon die Ehe gab?

Oder darf man in einer modernen Zeit, auch mal ein modernes Äquivalent wählen, ohne gleich als Kampfemanze ausgebuht zu werden?

Es wäre auch viel logischer, nämlich:

Isch = Mann / Ischi = mein Mann
Ischa = Frau / Ischti = meine Frau

Stattdessen sieht es so aus:

Isch = Mann / Baali = mein Mann (wörtlich: mein Besitzer)
Ischa = Frau / Ischti = meine Frau

Mit Verlaub, Herr Ben Yehuda, das haben Sie versemmelt. Bei aller Bewunderung für Ihr Lebenswerk.

Eliezer Ben Yehuda mit seiner Frau (Quelle)

Kommentare:

  1. Dabei ist die Idee schon soooo alt: Hos. 2, 16: "und sie wird mich nicht mehr mein Baal nennen, sondern mein Mann"

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  2. Das ist interessant - ich finde Wörter und ihre Bedeutung immer hochspannend. Man vergisst oft, wie sie unterschwellig wirken - denke man nur an herrlich und dämlich.
    LG
    Gea

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  3. Genau. Ich finde ganz gut, da immer mal wieder drüber nach zu denken. 

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