Montag, 29. Oktober 2012

10 Jahre Israel - eine Bilanz

Vor 10 Jahren, ziemlich auf den Tag genau, kam ich nach Israel "to stay". Eine kleine Bilanz von der ich erleichterterweise sagen muss, dass es mir leichter fiel, 10 positive Dinge zu benennen, als 10 negative ;)

Falafel (yummiporky)
10 Dinge, die ich an Israel liebe:

1. Die Wärme. Keine weitere Erklärung notwendig.

2. Das "Wir sind alle eine große Familie"-Gefühl. Wenn jemand in Not ist und sei es "nur" ein flüchtiger Bekannter, sind alle betroffen und wollen helfen.

3. Die Kinderfreundlichkeit. Zu sagen, Kinder hätten in Israel Narrenfreiheit, trifft es vielleicht nicht ganz, aber es kommt der Realität schon sehr nahe. Auf jeden Fall werden Kinder durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen extrem wichtig genommen.

4. Dass man sich nicht siezen muss weil das auf Hebräisch nicht geht. Respekt und Authorität gibt es trotzdem auch hier.

5. Die klassischen Bilderbücher, die noch so einfach gemacht sind und trotzdem bis heute wie warme Semmeln verkauft werden. Der Hase namens "Himbeersaft" zum Beispiel.

Haya Shenhav: Mitz Petel (Himbeersaft)
6. Die Multikulti-Gesellschaft. In Israel haben alle gewissermaßen "Migrationshintergrund", die Integration von Neueinwanderern gehört zum Staatsprogramm. Als Ausländer wird man zwar neugierig ausgefragt, aber meistens nur weil das Gegenüber herausfinden will, ob man Onkel Moishe oder Cousine Hanna kennt.

7. Das Innovationstalent. Israelis sind brilliante Erfinder und Forscher. Ich habe einige Jahre in der Softwarebranche gearbeitet und war "amazed" wie viele schlaue Köpfe sich da versammeln.

8. Falafel! (Klar, oder?)

9. Die Wüste. Kann ich nicht erklären, ist aber so.

10. Die Musik. Arik Einstein, Miri Mesika, Noa, Aviv Gefen und co. muss man einfach lieben. Wirklich toll werden die Lieder aber erst durch das Textverständnis. Dieses Video hat aber immerhin auch schöne Bilder aus Tel Aviv von früher:




10 Dinge, die ich an Israel hasse nicht liebe:

1. Privatsphäre is nich. Jedes noch so intime Detail muss von der Arbeitskollegin bis zur Wurstverkäuferin mit aller Welt durchgekaut werden. Beispiel: Zur Krebsvorsorge gehen und dabei vom Gyn um ein Haar eine IVF aufgeschwatzt bekommen weil in der Akte nur ein Kind auftaucht.

2. Horrende Preise für Güter des täglichen Bedarfs. Bei einem wesentlich niedrigeren Durchschnittseinkommen müssen Israelis deutlich mehr für Lebensmittel und Drogerieartikel hinblättern als Deutsche.

3. Zugige Wintertage wenn die Klimaanlage mal wieder nicht geht und es draußen milder ist als drinnen.

4. Das fehlende Grün. Ok, auch in Israel gibt es grüne Gegenden. Aber sobald die Sommerhitze so richtig einsetzt, verbrennt jedes noch so schöne Fleckchen Erde zu einem einheitlichen Beige-Braun, es sei denn man investiert in künstliche Bewässerung.

5. Minderwertiges Spielzeug ohne wirkliche Alternative weil Importware so teuer ist, dass man sie sich praktisch nicht leisten kann. Abgesehen davon, dass vieles gar nicht erst importiert wird.

6. Riesenklassen im öffentlichen Schulsystem. Im Kindergarten liegt die Obergrenze bei 35 (auf 2 Betreuerinnen), in der Grundschule sogar bei 40 Kindern. Irgendwie funktioniert es wohl trotzdem, aber fragt mich nicht wie.

7. Nicht vorhandenes Umweltbewusstsein. Stichwort Einweggeschirr. Darüber könnte ich ein ganzes Hasspamphlet verfassen. Es gibt Läden, die nur Müll Wegwerfgeschirr verkaufen.

8. Parken. Eines schönen Samstagnachmittages wären wir um ein Haar nicht von einem Zoobesuch nach Hause gekommen, weil wir so zugeparkt waren, dass das Ausparken schweißtreibende Millimeterarbeit war.

9. Riesenevents. Was mit völlig überdimensionierten Kindergeburtstagen anfängt (ich habe berichtet), geht weiter mit angemieteten Partyhallen für Bar und Bat Mitzvas und so groß angelegten Hochzeiten, dass die Brautleute manche Gäste nicht mal persönlich kennen.

10. Ämterzirkus. Nur mit Grauen denke ich an meine Einbürgerungszeit zurück. Sowas wünscht man keinem.


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