Donnerstag, 23. August 2012

[Buch] Dystopien und kein Ende: Dark Canopy & Der Pakt

Aber diese beiden werden vorläufig wohl erstmal die letzten aus diesem boomenden Genre sein, jedenfalls habe ich aktuell keine mehr auf dem Stapel.

Dark CanopyDark Canopy by Jennifer Benkau
My rating: 3 of 5 stars

England, irgendwann nach dem 3. Weltkrieg. Die Percents, geklonte Soldaten haben in einem blutigen Aufstand die Herrschaft über die Menschen erlangt und unterjochen diese seither ohne Gnade. Am Rande der Gesellschaft schlagen sich Rebellenclans mehr schlecht als recht durch, wirklich gegen die Unterdrücker gekämpft haben sie schon lange nicht mehr. Als die Rebellin Joy von Percents gefangen genommen wird, sieht sie viele Geschichten und Vorurteile bestätigt. Doch entgegen all ihrer Erwartungen findet sie auch Menschlichkeit und kommt dem Percent, der sie gefangen hält, schließlich gefährlich nahe.

Ich hatte anfangs Mühe, in Dark Canopy rein zu finden. Die Heldin war mir unsympathisch, die düstere neue Welt schwer vorstellbar. Anders als in Dystopien, die ich vorher gelesen hatte, entstanden in meinem Kopf zunächst kaum greifbare Bilder zur Handlung. Die Beziehungen zwischen den Mitgliedern des Rebellenclans konnte ich nicht richtig einordnen, und so fiel es mir während der ersten Kapitel insgesamt nicht leicht, am Ball zu bleiben und weiterzulesen. Das änderte sich erst, als der Percent Neél ins Spiel kam. Eine andere Rezensentin schreibt

"er ist es, der in meinen Augen das Buch ausmacht. Es steht und fällt mit Neél, nicht mit Joy"
und sie hat in meinen Augen absolut Recht. Neél ist die Person, von der ich wirklich das ganze Buch hindurch immer nur noch mehr lesen wollte. Über seine Herkunft, Überzeugungen, Identitätskonflikte und natürlich die überaus komplexe Gefühlswelt, in die Benkau dem Leser nur sehr allmählich Einblick gewährt.

Trotzdem hadere ich mit meiner Bewertung für dieses Buch, insbesondere da eine Fortsetzung geplant ist. Ja, ich habe es nach dem holprigen Start letztlich gerne gelesen und legte es nach einem fiesen, sehr offenen Ende angespannt zur Seite. Ja, es stecken einige interessante Ideen und gesellschaftskritische Gedankengänge drin, aber ob das für einen weiteren Band reicht?

Zitate:
Das zwischen uns, das war wie der Wind. Stürmisch, pfeifend, eisig und rau, voller Zorn, aber ebenso mild, berührend oder zärtlich flüsternd. Solange es frei war, konnte es all das sein. Wenn wir es festhalten würden, blieb uns vermutlich bloß die Luft in den Händen.
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Mein Messer war mir einst so vertraut gewesen wie meine eigene Gefühlswelt. Jetzt schnitt ich mich daran. Am einen wie am anderen.
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The Declaration (The Declaration, #1)The Declaration by Gemma Malley
My rating: 4 of 5 stars

In einer nicht allzu fernen Zukunft stehen der Menschheit Medikamente zur Verfügung, die den Alterungsprozess aufhalten - der Traum von Unsterblichkeit scheint wahr geworden. Um die Überbevölkerung zu kontrollieren, dürfen allerdings keine Kinder mehr geboren werden. Wer dieses Gesetz bricht, landet im Gefängnis, die sogenannten Überschuss-Kinder in geschlossenen Anstalten, in denen sie zu Bediensteten der “legalen“ Gesellschaft erzogen werden. Gehirnwäsche von klein auf schürt Hass auf die Eltern und furchtbare Schuldgefühle in Bezug auf die eigene Existenz.

Überschuss-Kind Anna gilt als Musterschülerin und ist ihrem Ziel, als Hausangestellte ein “nützlicher“ Teil der Gesellschaft zu werden, ganz nah, als Peter in ihr Leben tritt. Er gehört ebenfalls zum Überschuss, hat aber bisher in Freiheit im Untergrund gelebt und stellt mit seinen Berichten von draußen Annas Weltbild auf den Kopf.

Dieses Buch hat mich ziemlich verunsichert und viele Fragen aufgeworfen, die mich nachhaltig beschäftigen. Verglichen mit populären Dystopien wie The Hunger Games und Divergent, fühlte sich das vertretene Menschenbild und vor allem der Umgang mit den Überschuss-Kindern für mich noch bedrückender an. Atmosphärisch wirkt es stellenweise wie eine Jugendbuch-Version von The Handmaid's Tale, die Überschuss-Kinder haben keinerlei Rechte und büßen mit ihrem von Misshandlung und harter Arbeit geprägten Leben für das Verbrechen ihrer Eltern und damit ihre Existenz.

Im Idealfall lernen sie es in der Erziehungsanstalt, perfekte "unsichtbare" Dienstboten zu werden, und erwerben dadurch das Recht, ihr natürliches Leben zuende zu leben. Die lebensverlängernden Medikamente stehen ihnen nicht zu. Überhaupt ist vieles Mangelware in dieser Zukunftswelt und nicht nur für die Überschuss-Kinder: Die knappe Energie wird streng ein- und zugeteilt, Fortschritt und Entwicklung sind aufgrund der Ressourcenknappheit nur noch begrenzt möglich, und selbst das Wundermedikament ist vielen längst nicht mehr genug, der Schwarzmarkt für neue Präparate boomt. "Der Pakt" ist wieder mal eines jener Bücher, die ein ganz komisches Gefühl im Magen zurücklassen, weil es so erschreckend vorstellbar ist. Es lebt von dieser Atmosphäre, diesem unbestimmten Gefühl, weniger von der Handlung, die - und da hat das Buch Schwächen - kaum wirkliche Überraschungsmomente zu bieten hat. Daher bin ich mir auch bei diesem Teil 1 einer Trilogie nicht sicher, ob ich weiterlesen werde, denn der rote Faden für Band 2 zeichnet sich für mich schon gegen Ende des ersten Bandes zu sehr ab, um noch wirklich spannend zu sein.

Zitate:
My name is Anna. My name is Anna and I shouldn't be here. I shouldn't exist. But I do.
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Because no one needs to live for ever. I think that sometimes you can outstay your welcome.

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