Sonntag, 25. März 2012

Film: Hunger Games / Die Tribute von Panem

The Hunger Games by Suzanne Collins


Donnerstag Abend war es soweit: Die lang erwartete und weltweit gehypte Verfilmung von Suzanne Collins' Hunger Games / Die Tribute von Panem kam endlich in die Kinos, und ich war natürlich dabei.

Zum Inhalt: Auf den Ruinen der USA ist eine neue Gesellschaft entstanden. Zwölf Arbeiterdistrikte, die räumlich strikt voneinander getrennt sind und keinerlei Interaktion untereinander kennen, werden von einem übermächtigen hochtechnologisierten Capitol unterdrückt, für das sie Rohstoffe erwirtschaften. Selbst bleibt ihnen zum Leben nicht viel, und Hunger und Hoffnungslosigkeit sind besonders im 12. Distrikt übermächtig. Dort lebt die 16-jährige Katniss (Jennifer Lawrence) mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Prim. Katniss jagt in den Wäldern am Rande des Distrikts und handelt auf dem Schwarzmarkt, um ihre Familie durchzubringen.

Um Aufständen gegen das Capitol entgegen zu wirken und seine absolute Macht über die Distrikte zu demonstrieren, lässt der Dikator Präsident Snow (Donald Sutherland) einmal jährlich die sogenannten Hungerspiele veranstalten: In jedem Distrikt werden zwei Teenager ausgelost, die in einer großen Outdoor-Arena vor laufenden Kameras gegeneinander kämpfen müssen - bis nur noch einer überlebt. Als das Los auf Katniss' kleine Schwester Prim fällt, meldet sich Katniss freiwillig, wohl wissend, dass sie kaum eine Überlebenschance hat.

Katniss beruhigt ihre kleine Schwester vor dem Tag der Auslosung
Die Buchvorlage zum neuen Kinofilm ist brutal und schildert auf ungeschönte Weise eine Realityshow, die unvorstellbar weit weg und zugleich erschreckend vorstellbar ist, wenn man die Entwicklung unserer Unterhaltungsmedien in den letzten Jahren betrachtet. Das gegenseitige Abschlachten von Kindern kann nicht relativiert oder abgeschwächt werden - es ist was es ist: blutig, schrecklich, grausam. Man kann sich streiten, ob man diesen - schon ohne Bilder schwer zu verarbeitenden - Roman überhaupt auf die Leinwand bringen musste. Ich finde ja, denn ich finde, dass auch schwieriger Stoff an Jugendliche herangeführt gehört, und sehe da "Die Tribute von Panem" in einer Reihe mit den Werken von Gudrun Pausewang oder Kinder- und Jugendbüchern zum Dritten Reich, denen ich zwar viele schreckliche Lesemomente aber auch ein ganz gutes Gespür für negative gesellschaftliche Entwicklungen verdanke.

Dass die Story auch als Film funktioniert, hat sie vor allem ihrer fantastischen Hauptdarstellerin zu verdanken. Jennifer Lawrence ist Katniss. Ihr nimmt man die ganze Bandbreite der Emotionen dieser sperrigen Heldin ab, ihr Leid wird innerhalb von Minuten unseres, ihre Zerissenheit hält uns angespannt auf den Sitzen bis der Vorhang fällt und auch danach. Donald Sutherland als Präsident Snow hat mehr "Screentime", als die Vorlage hergeben würde, ein Gewinn für den Film. Cinna, Katniss' Stylist und mein Lieblingscharakter, verliert ein wenig, was aber nicht so sehr an Lenny Kravitz liegt, sondern vielmehr daran, dass man seine Rolle drastisch zusammengestrichen hat. Schade, schade. Großartig dagegen Stanley Tucci als Moderator und Spielkommentator Caesar Flickerman und Elizabeth Banks als Effie Trinket. Liam Hemsworth, Josh Hutcherson und Woody Harrelson liefern glaubwürdige Portraits von Gale, Peeta und Haymitch, begeistert haben sie mich aber nicht wirklich.

Entgegen meiner Befürchtungen, wirkt das Capitol mit seinen schrillen Bewohnern nicht überladen oder gar karikiert, die Extravaganz und Dekadanz wird - gerade als Kontrast zu Distrikt 12 - trotzdem überdeutlich.

Schön auch, dass der Film nicht gehetzt wirkt, die knappe halbe Stunde Überlänge tut den Hungerspielen gut und trägt entscheidend dazu bei, dass (fast) alles buchgetreu umgesetzt werden konnte. Alles in allem ein sehr sehenswerter Film, ganz gleich, ob man nun die Bücher gelesen hat oder nicht.

Katniss unmittelbar vor Beginn der Spiele


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