Mittwoch, 28. Juli 2010

Israelis sind glücklicher als Deutsche und Amerikaner

Zu diesem Ergebnis kam eine großangelegte Studie, in deren Rahmen mehrere Tausend Bewohner aus 155 Ländern zwischen 2005 und 2009 zu persönlichem Wohlbefinden und Zufriedenheit befragt wurden.

Israel belegt gemeinsam mit Australien, Kanada und der Schweiz Platz 8 und lässt damit Länder wie Deutschland (Platz 33), USA (14) und UK (17) teilweise weit hinter sich.

Alle Ergebnisse: http://www.forbes.com/2010/07/14/world-happiest-countries-lifestyle-realestate-gallup-table.html

Interessant, nicht?

Dienstag, 27. Juli 2010

"Dieses Gefühl versteht nicht, wer hier nicht lebt"

Zwei liebe Freundinnen entlassen diesen Sommer ihre Töchter in die Armee.

In den nächsten Jahren werden die beiden Abiturientinnen eine Reifeprüfung der ganz anderen Art ablegen: Der Pflichtdienst in der israelischen Armee (Jungs dienen 3, Mädchen "nur" 2 Jahre) gilt hierzulande als Lebensschule, die Teenager zu verantwortungsbewussten Männern und Frauen macht. Wem  diese wichtige Erfahrung fehlt, wird sich im weiteren Leben ständig erklären müssen, denn der Dienst wird immer wieder bei offiziellen und inoffiziellen Gelegenheiten thematisiert werden, er gehört zum Lebenslauf eines Israelis untrennbar dazu. Nicht selten steht bei Stellenanzeigen für Neben- und Studentenjobs als Anmerkung dabei "Nur mit abgeschlossenem Armeedienst" und wenn ein junger Mensch rebelliert, schwierig ist, wird das Problem schnell mit einem kurzen "Lass ihn erstmal in die Armee kommen, dann gibt sich das" abgehandelt.

Während der Respekt für Lehrer und Regeln an israelischen Schulen zunehmend schwindet, herrscht in der Armee Disziplin. Eine vor kurzem erst entlassene Soldatin befürwortet mehr Strenge und Disziplin auch an Schulen:  
"Es kann doch einfach nicht sein, dass man in der Oberstufe auf gestandene Lehrerinnen pfeift und später in der Armee teilweise gleichaltrige Ausbilder als Autoritätspersonen akzeptiert"

Meine Freundinnen haben gemischte Gefühle. Einerseits sind sie auf ihre großen Mädels sehr stolz, denn beide haben verantwortliche und interessante Posten bekommen, eine in einem so geheimen Bereich, dass selbst die Eltern nichts genaues darüber wissen, und freuen sich auf die Herausforderung. Andererseits ist da die Ungewissheit, die Sorge, wie es dem behüteten Kind wohl ergehen wird, und die Erleichterung, (für den Moment) keinen Sohn in eine Kampfeinheit schicken zu müssen.

Im entfernten Bekanntenkreis steht ein sensibler Junge ebenfalls kurz vor dem Wehrdienst. Um ihn sorgt sich die Familie, man hofft, dass er dem Druck gewachsen ist und mit seiner sanften Persönlichkeit im rauhen Armeealltag nicht untergehen wird.


Quelle: wikipedia 

Donnerstag, 22. Juli 2010

Mama, was ist "Gilad"?

Fragte mich meine Dreijährige gestern, als ich einen neuen Aufkleber auf unser Auto klebte.
Gilad lebt noch
Es geht um den israelischen Soldaten Gilad Shalit, der seit nunmehr 4 Jahren von der Hamas festgehalten wird, seine Familie kämpft ohne Unterlass um seine Freilassung, das ganze Land fühlt mit.*

Nur wie erkläre ich das meiner kleinen Tochter? Ich versuche ihre Frage zunächst zu übergehen, aber sie lässt nicht locker.

"Weisst du Schatz, Gilad ist ein junger Mann, der sehr gerne wieder zurück zu seiner Mama nach Hause möchte."  - "Ah."

Das versteht sie. Und es muss erstmal als Erklärung genügen.


*Gilad Shalit ist inzwischen nach fast 5,5 Jahren in "Hamastan" wieder zuhause.

Sonntag, 18. Juli 2010

Lieblingslied zum Wochenende (4)

Heute ein aktuelles von Boaz Banai - M'Rov Ahava Shotek

Boaz gehört einer großen Familie von Schauspielern, Sängern und Entertainern in der israelischen Kulturlandschaft an.







Textauszug:
Wenn ein Mann eine Frau liebt,
sagt er ihr immer und immer wieder,
wie wunderbar sie ist.

Wenn ein Wolkenmann eine Wolkenfrau liebt,
sagt er ihr immer und immer wieder,
wie weich und zart sie ist.

Nur ich bin stumm vor lauter Liebe,
stumm vor lauter Liebe.

Dienstag, 13. Juli 2010

Was sind Juden?

Blöde Frage, oder?
// weitere Begriffsklärungen gibt 
es in meinem wachsenden Glosser //


Mal sehen...


Juden sind Nachfahren Abrahams, sie bilden das Volk der Juden.


Nach jüdisch-rabbinischem Gesetz  ("Halacha") gilt automatisch als Jude, wer von einer jüdischen Mutter abstammt. Ob die Religion aktiv gelebt wird oder nicht, ist dabei unerheblich, man unterscheidet religiöse und säkulare Juden.


Juden sind Anhänger der Religion des Judentum.


Wer zum orthodoxen Judentum konvertiert, erwirbt auch die jüdische Volkszugehörigkeit. Allerdings ist das Judentum nicht missionarisch ausgerichtet, d.h. wer zum Judentum konvertieren möchte, muss ein langwieriges Verfahren durchlaufen, und letztlich ist es die Entscheidung der betreuenden Rabbiner ob der Konvertierungswunsch akzeptiert wird oder nicht.


Chanukka-Leuchter

Jude ist, wer mindestens einen jüdischen Elternteil hat.


So wollten es die Nürnberger Rassengesetze von 1935. Bürger mit mindestens einem jüdischen Großelternteil galten als Mischlinge. Nach dieser Einteilung wurden zwischen 1941 und 1945 im Dritten Reich 6 Millionen Juden ermordet. Es wurde kein Unterschied zwischen religiösen, säkularen, reichen, armen, voll in die nichtjüdische Gesellschaft integrierten oder in traditionell jüdischen Vierteln lebenden Juden gemacht.


by Daniel Ullrich

Nach dem Holocaust wurde dem jüdischen Volk ein eigener Staat im früheren britischen Mandatsgebiet Palästina zugesprochen - Israel. Für den Teilungsplan in einen jüdischen und einen arabischen Staat votierte die II. UN-Vollversammlung mit 33 Für- und 13 Gegenstimmen bei 10 Enthaltungen. Heute leben in Israel rund 6 Millionen Juden und das sogenannte Rückkehrgesetz erlaubt die Einwanderung ("Aliya") all jenen, die mindestens einen jüdischen Großelternteil haben.

Juden sind also in allererster Linie ein Volk und mitnichten "nur" eine religiöse Gruppierung, wobei sich die Volkszugehörigkeit an der Abstammung orientiert.

Daher wurden Juden in Israel bis vor kurzem in Ausweisen zusätzlich zu ihrer israelischen Staatsangehörigkeit auch als Juden im Sinne der Volkszugehörigkeit deklariert.

Jüdische Traditionen gehen zu weiten Teilen auf religiöse Wurzeln zurück, jedoch bringt jede Kultur auch ihre eigenen Bräuche und Einflüsse aus ihren Herkunftsländern mit - immerhin lebten die Juden jahrhundertelang in den verschiedensten Ländern - was Israel zu einem sehr interessanten multikulturellen Schmelztiegel macht.



// Ihr wollt mehr über das Judentum und die ganz alltäglich gelebten Traditionen in Israel wissen? Dann klickt euch doch mal durch die Beiträge in Feiertage und Judentum oder schlagt im Glosser (ständig im Aufbau) nach. // 



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Montag, 12. Juli 2010

und es ist doch ein Vorrecht

in Israel leben zu dürfen.

Denke ich jedes Mal wenn ich nach Jerusalem hoch fahre - dieses Gefühl das mich automatisch überkommt, sobald ich die Stadt auf den Hügeln auftauchen sehe ist unbeschreiblich. Dann ist mir, als spürte ich den Geist der Jahrtausende um mich herum, die vielen Schichten der Geschichte unter mir und als könnte ich die Gedanken der Pilger hören, die mir ihre Abenteuer zuflüstern. Pathetisch, ich weiß, aber dieses Gefühl ist wirklich schwer in Worte zu fassen, man muss es erlebt haben. Dabei würde ich in Jerusalem nicht einmal leben wollen und hatte auch in meinem früheren Leben keine Fotodrucke der heiligen Stadt in der Wohnung :)



http://www.masa.co.il/

Donnerstag, 8. Juli 2010

Hardliner oder Gutmensch? Eine Identitätskrise

Ich bin rot-grün aufgewachsen und habe seit Erwerb meiner Volljährigkeit diese politische Einstellung bereits mehrmals bei Wahlen zum Ausdruck gebracht. Ich bin für Recycling, gegen Atombomben und für soziale Gerechtigkeit. Außerdem tendiere ich dazu in Konflikten den sogenannten Underdog zu stützen, über Ungerechtigkeit in allen Lebensbereichen kann ich mich fürchterlich aufregen und grafische Darstellungen wie das Weltdorf stürzen mich regelmäßig in die Trübsinnigkeit, weil ich das Gefühl habe ohnehin nichts bewirken zu können. Im Grunde bin ich ein klassischer Gutmensch.

Oder?

Ich lebe in Israel. Eine sehr konservative Regierung ist derzeit an der Macht und der Außenminister meiner Meinung nach eine diplomatische Katastrophe. Mit meinem politischen und persönlichen Hintergrund müsste ich eigentlich voll auf einer Linie mit Haaretz sein, der links-liberalen Tageszeitung Israels. Eigentlich. Faktisch ertappe ich mich in letzter Zeit aber immer öfter dabei, wie ich innerlich konservativen Journalisten,  TV-Programmen und Berichte zur aktuellen Lage in unserer Region und zunehmend sogar Netanyahus Äußerungen zustimme.

Was ist nur mit mir los?

Ist es wirklich so, dass uns die Umstände in denen wir leben verändern, unseren Charakter beeinflussen? Oder liegt es daran, dass ich "den Konflikt" inzwischen persönlich nehme, weil ich selbst Staatsbürgerin und Mutter einer kleinen Sabra bin? Werde ich deshalb langsam aber sicher zum Hardliner, weil ich mich wie eine Glucke vor das geliebte Nest stelle und meine Tochter schon in Uniform vor mir sehe?

Ich fühle mich nicht als Hardliner. Wenn ich daran denke, in welche Verhältnisse die Kinder im Gazastreifen geboren werden, welche Zukunft auf sie wartet in einem Regime, das sie von klein auf aufhetzt, Sommerlager zerstört  und islamistische Kämpfer und Selbstmordattentäter zu Vorbildern idealisiert, wird mir ganz schlecht. Deren Lage wird sich aber durch ein Einlenken Israels nicht bessern, eher im Gegenteil.

Ja, ich wünsche mir Frieden. Aber nicht um jeden Preis.



Eine weiße Taube warf einen Olivenzweig
auf Zion oder auf Palästina
auf wessen Land stehe ich?
Ich höre immer noch das Kriegsgeschrei...

(kompletter Text hier)

Freitag, 2. Juli 2010

Deutschland denkt mit

darüber sollte ich mich als Deutsche eigentlich freuen, wenn es nicht so lästig und anmaßend wäre:
Der Bundestag hat über alle Fraktionsgrenzen hinweg eine sofortige Aufhebung der Gaza-Blockade gefordert. Die Absperrung des Landstrichs sei kontraproduktiv und diene nicht den israelischen Sicherheitsinteressen, heißt es in einem gemeinsamen Antrag von Union, SPD, FDP und Grünen, der am Abend einstimmig verabschiedet wurde.

Quelle

Man fragt sich wirklich, ob es innenpolitisch in Deutschland im Augenblick nicht genug Baustellen gibt. Aber wenn sich eine Chance ergibt, unkompliziert außenpolitisch Eindruck zu schinden und damit womöglich vom internen Ärger abzulenken, sind sich plötzlich alle einig. Sauber.

Zur humanitären Situation im Gazastreifen empfiehlt sich auch das folgende Video:





Lieblingslied zum Wochenende (3)

Endlich Wochenende! Zeit für ein neues Lied, heute:

Idan Reichels Projekt, Im T'lech

Eines der ersten Lieder, die ich im Radio verstehen konnte. Vielleicht bin ich deswegen so sentimental wenn ich es höre :) (Textausschnitt unten)






Wenn du gehst
wer wird mich umarmen,
wer mir am Abend zuhören?

Wer wird mch beruhigen und trösten
so wie nur du es kannst?

Und wenn du gehst,
auf wen soll ich dann warten
dort am Fenster in meinem schönen Kleid?
Wer wird mich umarmen
so wie nur du es kannst?