Montag, 31. Mai 2010

Israel (mal wieder) am Pranger

Auch das ist Alltag. Bereits den ganzen Tag berichtet der israelische Rundfunk über den "Angriff" auf die "Solidaritätsflotte" vor dem Gazastreifen, die unerwarteter und bedauerlicherweise Todesopfer und (Schwer-)Verletzte auf beiden Seiten gefordert hatte.

Abseits der offiziellen Berichterstattung habe ich um mich herum Reaktionen gesammelt:
"Die Berichterstattung im Vorfeld war zu dünn. Man hätte der Weltöffentlichkeit die Gründe für den Stopp der Flotille schon im Vorfeld besser erklären müssen."

"Das hat uns gerade noch gefehlt."

"Die Armee hätte sich lieber nicht auf eine so riskante direkte Konfrontation einlassen sollen. Hätte man die Schiffe nicht anderweitig stoppen und abschleppen können?"

"Die israelischen Soldaten wurden von einem Lynchmob angegriffen - sollten sie sich etwa nicht wehren?"

"Hätte man nicht warten können, bis die Schiffe auf israelischen Hoheitsgewässern waren?"

"Was soll's, ist ja nichts Neues, dass Israel international schlecht dasteht."

Viel Resignation also, aber auch Wut über die Unvermeidlichkeit und die Hilfslosigkeit gegenüber der Propagandamaschinerie des radikalen Islam.

Samstag, 29. Mai 2010

Alle Jahre wieder: Eurovision Song Contest

Der gemeine Europäer mag sich, wenn überhaupt, nur noch vage daran erinnern, in Israel hingegen ist der Eurovision bis heute untrennbar mit den 3 israelischen Siegen im Contest 1978, 1979 und 1998 verbunden. 1982 und 1983 reichte es für den zweiten Platz.

In den letzten Jahren konnten "wir" an diese Erfolge leider nicht mehr anknüpfen, Shiri Maimon und Boaz Maouda schafften es 2005 und 2008 aber immerhin unter die ersten 10.

Heute abend ist es wieder soweit, Israel hat sich mit "Milim" von Harel Skaat qualifiziert:







Von hier schon jetzt: 12 Points!

Freitag, 28. Mai 2010

es wird "lustig" morgen...

... hieß es gerade in den Nachrichten, denn genau in diesem Moment ist unter dem medienwirksamen Slogan "Free Gaza" ein Schiffskonvoy in Richtung Gazastreifen unterwegs.

Verteilt auf etwa 8 Schiffe sind rund 10.000 Tonnen Hilfsgüter und 700 pro-palästinensische Aktivisten an Bord, die fest entschlossen sind den Hafen in Gaza anzulaufen. Das klingt an sich nach einer sehr schönen humanitären Aktion für die Bevölkerung im Gazastreifen, das Problem ist nur, dass keiner so genau sagen kann, was oder wer außer Medikamenten und Lebensmitteln noch "mitfährt", für Israel ein unkalkulierbares Risiko. Dazu kommt, dass die Duldung von Hilfsgütertransporten auf dem Seeweg über kurz oder lang einen regelmäßigen Schiffsverkehr zwischen Gaza und Europa quasi legitimieren würde.

Die israelische Regierung hat daher entschieden, den Konvoy auf den israelischen Hafen Ashdod umzuleiten, notfalls auch gegen den Willen der Passagiere. Von dort aus soll die Fracht nach einer Sicherheitskontrolle über den Landweg in den Gazastreifen gebracht werden, so wie die regelmäßigen Hilfsgüterlieferungen auch. Fair enough, würde ich sagen, leider sehen das die Aktivisten der "Freedom Flotilla" ganz anders und sind daher dazu angehalten, sich mit allen Mitteln gegen die Intervention der israelischen Marine zu wehren. Seufz.

Randnotiz: Bei allem Verständnis für die Palästinenser waren sich die Verantwortlichen der Aktion übrigens offenbar nicht "humanitär" genug, für den vor fast 4 Jahren entführten und seither von der Hamas festgehaltenen israelischen Soldaten Gilad Shalit ein Päckchen seiner Familie mit in den Gazastreifen zu nehmen. Dabei hatte sein Vater im Gegenzug sogar angeboten, sich bei der Regierung für das Konvoy einzusetzen.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Üben für den Ernstfall

Einmal im Jahr gibt es in Israel einen angekündigten Bombenalarm - zu einer festgesetzten Zeit ruft landesweit eine Sirene die Bürger in die Bunker. Die Übung dient in Gegenden, die nicht wie etwa Sderot regelmäßig angegriffen werden, dazu sich klarzumachen wo sich der nächste Bunker befindet, die Schutzräume von Gerümpel freizuräumen und ein besonnenes Verhalten im Krisenfall zu üben. Jedenfalls theoretisch. Praktisch sah das an meinem Arbeitsplatz heute so aus:

Punkt 11: Die Sirene heult und ich mache mich auf die Suche nach dem Bunker. Unser arabischer Hausmeister weist mir freundlich den Weg (was dem wohl durch den Kopf geht?). Unterwegs treffe ich noch eine Handvoll folgsamer Israelis, das Gros der Angestellten scheint aber in den Büros zu bleiben.

11.05: "Entwarnung". Alle dürfen zurück an die Arbeit. Die Hausmeister werden sich bald daran machen, das Gerümpel zurück in die Bunker zu räumen. Bis zum nächsten Mal. Falls vorher nicht der Ernstfall kommt, wer weiß das schon.

Dienstag, 25. Mai 2010

Verwöhnkonsum

Lassen wir uns verwöhnen oder reden wir es uns wenigstens ein, die Werbung macht es uns ja leicht: Es gibt Verwöhnwochenenden, Verwöhnbadeschaum, Verwöhnsofas, Verwöhnmenüs und neulich habe ich sogar eine Verwöhnpicknickdecke gesehen. Vom Konsum verwöhnt werden als Lebensgefühl? 

Nur Kinder soll man bitte nicht verwöhnen, jedenfalls nicht emotional. Man fährt sie im Kinderwagen, gewöhnt sie frühzeitig an die Flasche und wenn sie bei der Eingewöhnung im Kindergarten ein paar Tage länger brauchen, sind sie "verwöhnt" - im negativen Sinne.

Vielleicht werden deshalb wir Erwachsenen von der Werbung nach Strich und Faden verwöhnt. Sozusagen als Ausgleich.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Endlich keine "Müllpost" mehr

In unserer Stadt hat fast jedes Wohnhaus bei den Briefkästen einen Papierkorb für all die Flyer, Werbeprospekte und Broschüren stehen, die sich über den Tag hinweg in einem durchschnittlichen Briefkasten so ansammeln. "Müllpost" heißt das hier wörtlich übersetzt. An manchen Tagen ist es nachgerade anstrengend, aus dem Stoß der irrelevanten Werbung das wesentliche - nämlich die Post - zu fischen.

Auf meine Beteuerungen, dass es "da wo ich herkomme" schon seit Jahrzehnten Aufkleber gibt, die dieses Ärgernis erfolgreich bekämpfen, erntete ich von meinem israelisch geprägten Gatten nur ein müdes Lächeln.

Bis jetzt.

Denn vor ein paar Tagen war zwischen dem Müll eine wirklich nützliche Postkarte. Neben einer Zusammenfassung des hiesigen Anti-Spam-Gesetzes, war darauf ein Aufkleber "Bitte keine Müllpost" für den Briefkasten abgedruckt. Der Clou: Es funktioniert! Ich habe seit einer Woche keinen einzigen Flyer mehr entsorgt.

Bleibt die leise Sorge, ob ich jetzt nicht wichtige Verbraucherinformationen verpasse... Etwa ein Supersonderangebot beim Pizzaservice. Vielleicht sollte ich zur Sicherheit ab und an einen Blick in den Papierkorb unter den Briefkästen werfen :D

Montag, 17. Mai 2010

Alles Käse.

Morgen ist Shavuot, das jüdische Wochenfest. Es findet 7 Wochen nach dem Passafest statt und gilt gleichzeitig als die Urform des christlichen Pfingstfestes. Ursprünglich ein Erntefest, steht es heute insbesondere für die Offenbarung der Gebote, die das Volk Israel durch Mose in der Wüste erhielt.

Shavuot ist das einzige jüdische Fest, an dem traditionell nur milchige Speisen verzehrt werden - Käse aller Art, Aufläufe, cremige Suppen und Käsekuchen werden zum Festessen serviert und auch die Kleidung wirkt "milchig", denn man trägt an Shavuot für gewöhnlich weiß.




Samstag, 15. Mai 2010

Israel ist...

... ein kleines Land

auf einer Fläche von nur rund 22.000 Quadratkilometern (ohne besetzte Gebiete) lebten Ende 2009 knapp 7,5 Mio Israelis. Damit würde das Land etwa 16x in die Bundesrepublik Deutschland passen und immerhin 2x in die Schweiz. In der Länge misst Israel 470 km und ist an der schmalsten Stelle nur 15 km breit.

... ein jüdisches Land

Rund 77% der Israelis sind Juden. In keinem anderen Land der Welt stellen die Juden die Mehrheit der Bevölkerung. Jedoch sind nicht alle Juden in Israel religiös: 43% bezeichnen sich selbst als säkular, 6% als ultraorthodox.

... ein Einwanderungsland

Bereits 1950, zwei Jahre nach der Staatsgründung, wurde das Rückkehrergesetz verabschiedet, das mit den Worten begann: "Jeder Jude hat das Recht, nach Israel einzuwandern...". 2000 Jahre der Zerstreuung und des Umherziehens waren endlich zuende, Juden hatten endlich wieder ein Zuhause, in dem sie sich jederzeit dauerhaft niederlassen können. Seit der Staatsgründung 1948 sind 2.891.418 Juden aus über 100 verschiedenen Ländern nach Israel eingewandert, was die Kultur des Landes maßgeblich geprägt hat.

... ein fortschrittliches Land

In den 60 Jahren ihrer Existenz haben es Israels Bewohner geschaft, ein unfruchtbares, unterentwickeltes Land in einen modernen Industriestaat zu verwandeln. Israel investiert überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwickung und hält weltweit den Pro-Kopf-Rekord an wissenschaftlichen Publikationen, davon mehr als die Hälfte der Veröffentlichungen in den Bereichen Biotechnologie, Biomedizin und der klinischen Forschung. Medizinische Diagnose- und Behandlungsgeräte werden in Israel entwickelt und weltweit exportiert, aber auch in der Kommunikationstechnologie gehört Israel zu den führenden Ländern. Weltkonzerne wie Microsoft und Intel unterhalten Entwicklungszentren in Israel - der Intel Pentium Chip, Kernelemente von Windows XP und Vista, das Mobiltelefon, u.a. wurden in Israel entwickelt.

... ein demokratisches Land

Israel ist eine parlamentarische Demokratie. Alle Staatsbürger ab 18 Jahren können an den Wahlen gleichberechtigt teilnehmen.


Donnerstag, 13. Mai 2010

Shalom an den Rest der Welt,

ich bin angefressen. Seit gut 7 Jahren lebe ich in Israel, seit einem Jahr bin ich offiziell eingebürgert, obwohl ich mich schon viel länger als Israelin fühlte. Land und Leute haben mich, meine Seele und meinen Geist vollkommen absorbiert, seit ich 2002 das erste Mal hierher reiste. In letzter Zeit nervt es mich zunehmend, dass scheinbar der ganze Rest der Welt (du auch?) den Nahostkonflikt in Gänze verstanden hat und Israel dafür die Verantwortung zuschiebt. Besonders frappierend: Die allermeisten dieser "Nahostexperten" haben noch nie einen Israeli aus der Nähe gesehen, geschweige denn Israel und die palästinensischen Gebiete bereist. Ich bin es leid, als Bindeglied zwischen Deutschland und Israel, immer wieder zu erklären, rechtfertigen, entschuldigen was weder meine noch Israels Schuld ist. Gleichzeitig fühle ich mich genau dazu in der Pflicht, schließlich ist es meine Wahlheimat die diffamiert, einseitig dargestellt und in aller Welt als Agressor verurteilt wird.

Also blogge ich jetzt. Sozusagen als Therapie. Für mich.