Dienstag, 27. Juli 2010

"Dieses Gefühl versteht nicht, wer hier nicht lebt"

Zwei liebe Freundinnen entlassen diesen Sommer ihre Töchter in die Armee.

In den nächsten Jahren werden die beiden Abiturientinnen eine Reifeprüfung der ganz anderen Art ablegen: Der Pflichtdienst in der israelischen Armee (Jungs dienen 3, Mädchen "nur" 2 Jahre) gilt hierzulande als Lebensschule, die Teenager zu verantwortungsbewussten Männern und Frauen macht. Wem  diese wichtige Erfahrung fehlt, wird sich im weiteren Leben ständig erklären müssen, denn der Dienst wird immer wieder bei offiziellen und inoffiziellen Gelegenheiten thematisiert werden, er gehört zum Lebenslauf eines Israelis untrennbar dazu. Nicht selten steht bei Stellenanzeigen für Neben- und Studentenjobs als Anmerkung dabei "Nur mit abgeschlossenem Armeedienst" und wenn ein junger Mensch rebelliert, schwierig ist, wird das Problem schnell mit einem kurzen "Lass ihn erstmal in die Armee kommen, dann gibt sich das" abgehandelt.

Während der Respekt für Lehrer und Regeln an israelischen Schulen zunehmend schwindet, herrscht in der Armee Disziplin. Eine vor kurzem erst entlassene Soldatin befürwortet mehr Strenge und Disziplin auch an Schulen:  
"Es kann doch einfach nicht sein, dass man in der Oberstufe auf gestandene Lehrerinnen pfeift und später in der Armee teilweise gleichaltrige Ausbilder als Autoritätspersonen akzeptiert"

Meine Freundinnen haben gemischte Gefühle. Einerseits sind sie auf ihre großen Mädels sehr stolz, denn beide haben verantwortliche und interessante Posten bekommen, eine in einem so geheimen Bereich, dass selbst die Eltern nichts genaues darüber wissen, und freuen sich auf die Herausforderung. Andererseits ist da die Ungewissheit, die Sorge, wie es dem behüteten Kind wohl ergehen wird, und die Erleichterung, (für den Moment) keinen Sohn in eine Kampfeinheit schicken zu müssen.

Im entfernten Bekanntenkreis steht ein sensibler Junge ebenfalls kurz vor dem Wehrdienst. Um ihn sorgt sich die Familie, man hofft, dass er dem Druck gewachsen ist und mit seiner sanften Persönlichkeit im rauhen Armeealltag nicht untergehen wird.


Quelle: wikipedia 

Kommentare:

  1. Und in Deutschland randalieren die progressiven Kräfte bei Gelöbnissen und Gruppen rufen auf, Soldaten anzuspucken, zu schlagen oder ihren Tod zu feiern. Ist das nicht irre?

    AntwortenLöschen
  2. Ja, das sehe ich auch so und ich kann mit solchen Zeitgenossen sehr schwer umgehen. Mit freier Meinungsäußerung hat das nicht mehr viel zu tun.

    Diskussionen mit überzeugten Pazifisten (das meine ich jetzt ganz wertfrei, ich bin selber sehr für den Frieden), die mir sagen, dass sie niemals in einem Land leben könnten, in dem Jugendliche praktisch den Wehrdienst nicht verweigern können, fallen mir auch schwer, denn mit solchen idealistischen Pauschalaussagen macht man es sich m.M.n. zu einfach.

    Aber wie gesagt: "Das versteht nicht, wer hier nicht lebt" :)

    AntwortenLöschen